Hanns-Seidel-Stiftung China

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Neu erschienen

KOORD-Blatt Dezember 2012
Über die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in China.
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"Demografischer Wandel in China und Deutschland"
Schriftenreihe "Im Dialog mit China"
Band 8, 2012
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Konferenz des Bildungsnetzwerkes der Hanns-Seidel-Stiftung in China

v.l.n.r.: Buschfeld, Bekel, Lange, Xi Ru, Haak, Hong Lei

Am 18. und 19. April 2012 trafen sich in Peking die Projektverantwortlichen in Anwesenheit des Referatsleiters Nordostasien, Willi Lange, zur jährlichen Konferenz des Bildungsnetzwerkes der Hanns-Seidel-Stiftung. Der bildungspolitische Partner der Hanns-Seidel-Stiftung in China, das Ministry of Education (MoE), war vertreten durch Xi Ru, Direktorin der Europaabteilung.

Ein Themenschwerpunkt der Konferenz, an der 50 Personen teilnahmen, waren die deutsch-chinesischen Aktivitäten im Bereich der beruflichen Bildung. Ende Juni 2011 waren im Rahmen der ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen Erklärungen zur bilateralen Kooperation im Bereich Bildung und Forschung unterzeichnet worden, zu der auch die deutsch-chinesische Allianz für Berufsbildung zählt. Über Intention und Ziele der Allianz referierten Xi Ru, Dr. René Haak, Wissenschaftsreferent der Deutschen Botschaft in Peking, und Britta Buschfeld, Leiterin der Abteilung Training and Recruitment der Deutschen Handelskammer in Shanghai. Ziel der deutsch-chinesischen Allianz für Berufsbildung ist die Schaffung einer sektor- und branchenübergreifenden, offenen Plattform für Kooperationen in der Berufsbildung. Hierbei geht es darum, unterschiedliche Akteure aus Wirtschaft und Bildung zusammenzubringen, einen Ausbildungsrahmen zu schaffen durch die Entwicklung von Kompetenzstandards, Qualifikationsstandards festzulegen und die Qualifikationen zu zertifizieren. Daneben soll die Kooperation in der Berufsbildungsforschung gefördert werden. Die Beiträge von Xi Ru, Dr. René Haak und Britta Buschfeld machten deutlich, dass sich die Voraussetzungen für die weitere deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Bereich der Bildung verbessern. Zugleich wurde deutlich, wie stark die Hanns-Seidel-Stiftung durch die langjährige und kontinuierliche Arbeit in der chinesischen Berufsbildungslandschaft verankert ist. Der Erfolg der deutsch-chinesischen Allianz für Berufsbildung hängt davon ab, inwiefern es gelingt, die verschiedenen Akteure – Unternehmen, Außenhandelskammern, Bildungseinrichtungen bzw. Bildungsanbieter, Kompetenzzentren und Forschungseinrichtungen – einzubinden und produktiv zu verknüpfen.

Im weiteren Verlauf der Tagung sprachen die Schul- und Projektleiter über die Entwicklung der Bildungsprojekte sowie Initiativen und qualitative Fortschritte ihrer Bildungseinrichtungen. Es wurde deutlich, dass die Projekte in der langjährig gewachsenen Kooperation einen produktiven Entwicklungsprozess durchlaufen haben und das notwendige Rüstzeug besitzen, um Initiativen im Feld der beruflichen Bildung anzustoßen oder aufzugreifen, etwa einen neuen Ausbildungsgang, zugeschnitten auf den Bedarf des industriellen Partners einzurichten, oder, trotz eines schwierigen institutionellen Umfeldes, bildungspolitische Akzente zu setzen, beispielsweise durch die Umsetzung des Konzeptes einer Dualen Hochschule. Die Projekte im Bildungsnetzwerk der Hanns-Seidel-Stiftung haben sich durch die Fortbildung von Lehrern und Schulleitern, die verschiedenen praxisorientierten Bildungsgänge und den Bildungstransfer nach Westchina ein Renommee erworben und entfalten durch die Qualifizierung und Fortbildung unterschiedlicher Akteure eine breite Wirkung. Kaum ein anderes deutsch-chinesisches Kooperationsprojekt im Bildungsbereich kann dies für sich in Anspruch nehmen.

Den Projektpartnern ist weiterhin an einem Know-how-Transfer aus Deutschland gelegen, zugeschnitten auf die chinesischen Bedingungen und Bedürfnisse der Projektpartner. Dadurch bleiben sie weiterhin eingebunden in die Entwicklung im Bereich der beruflichen Bildung in Deutschland. Aber auch aus der Binnenperspektive ist die Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung von Bedeutung, als Ausweis internationaler Aktivitäten, die das Ansehen innerhalb der chinesischen Bildungslandschaft fördern.

In der weiteren Diskussion kamen auf der Konferenz auch die strategischen Perspektiven des Bildungsnetzwerkes der Hanns-Seidel-Stiftung zur Sprache. Die Frage steht im Raum, ob die verschiedenen Projekte in der Öffentlichkeit stärker als Bildungsnetzwerk auftreten sollen. Hierdurch könnte das Portfolio des Netzwerkes klarer kommuniziert werden und das Bildungsnetzwerk der Hanns-Seidel-Stiftung als Marke in Erscheinung treten. Die Aufgabe der Hanns-Seidel-Stiftung bestünde dann − noch mehr als bisher − darin, als Mittler zwischen den Bildungseinrichtungen und interessierten Partnern, etwa aus der Wirtschaft, zu fungieren. Eine Entwicklung in diese Richtung würde eine noch engere Kooperation der Bildungsprojekte und Bündelung von Kompetenzen bedeuten.

Am zweiten Tag der Konferenz referierte Dr. Günter Schucher vom GIGA Institut für Asien-Studien über „Chinas neues Entwicklungsmodell und die Herausforderungen an die Berufsbildungspolitik“. Die angestrebte wirtschaftliche Umstrukturierung führt zu einer Veränderung in der Bedarfsstruktur und der Nachfrage nach Arbeitskräften. Um den Anforderungen zu genügen, müssen die Bildungsausgaben weiter erhöht werden, vor allem für die berufliche Bildung, wie Günter Schucher hervorhob. Möglichkeiten zur Steigerung der Attraktivität der beruflichen Bildung liegen in der Förderung der Durchlässigkeit von Bildungsgängen in Verbindung mit einer Akademisierung wie auch in arbeitsmarktnaher Ausbildung.

Referatsleiter Willi Lange unterstrich am Ende der Konferenz die langfristige Ausrichtung der Projektarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung. Dies ermöglicht eine Kontinuität in der Projektentwicklung. Das Engagement im Bereich Bildung ist kein Selbstzweck, wie er weiter ausführte, sondern ein Beitrag zur Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit, ein wichtiges Anliegen der Hanns-Seidel-Stiftung. Auch in Zukunft wird die Hanns-Seidel-Stiftung in China an ihren drei Arbeitsbereichen festhalten: Politik und Gesellschaft, Bildung und ländliche Entwicklung.

Aufsatz Dr. Schucher: "Chinas neues Entwicklungsmodell und die Herausforderungen an die Berufsbildungspolitik"