Hanns-Seidel-Stiftung China
Hanns-Seidel-Stiftung, Peking
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Neu erschienen
KOORD-Blatt Dezember 2012
Über die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in China.
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"Demografischer Wandel in China und Deutschland"
Schriftenreihe "Im Dialog mit China"
Band 8, 2012
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Einblicke in die Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung"
"Licht in das Dunkel der Unvernunft zu bringen, das Primat der Vernunft als universelle Urteilsinstanz zu setzen" und "Wahrheit durch Klarheit des Verstandes zu erzielen", bilden im Verständnis der Zeitgenossen den intellektuellen Kern der Aufklärung, so PD Dr. Cordula Bischoff, Ausstellungskuratorin Staatliche Kunstsammlungen Dresden. So wird sich die Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung" vorrangig mit den Einflüssen der geistesgeschichtlichen Ideen der Aufklärung auf die bildenden Künste befassen. Der Frage "Gibt es eine Kunst der Aufklärung?" ist bisher kaum in einer Ausstellung nachgegangen worden, wie Bischoff betonte.
Die Ausstellung, die ab April 2011 für ein Jahr in Peking zu sehen sein wird, ist die erste internationale Gastausstellung im nach Umbau und Erweiterung wiedereröffneten Chinesischen Nationalmuseum und ist ein Kooperationsprojekt dreier großer deutscher Museumsverbünde: der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München. Auf 2.700 Quadratmeter Ausstellungsfläche werden rund 450, mit den Austauschobjekten fast 600 Exponate gezeigt, gruppiert in neun thematische Sektionen. Im Mittelpunkt stehen dabei Kunstwerke, die die zentralen Ideen der Aufklärung sichtbar machen. Ein umfangreiches museumspädagogisches Begleitprogramm und eine Veranstaltungsreihe runden die Ausstellung ab. Die Ausstellung zum Kunst- und Ideenerbe der Aufklärung, das bis heute identitätsstiftend für die westliche Zivilisation ist, soll ein Zeichen setzen für den Bildungsauftrag der Museen als Orte der Aufklärung.
Die Hanns-Seidel-Stiftung griff das Thema auf und lud am 15. Januar 2011 in Peking zu der Veranstaltung "Das Werden einer Ausstellung. Einblicke in die Ausstellung 'Die Kunst der Aufklärung'" ein. Frau Dr. Bischoff referierte über Konzeption und Umsetzung dieser ambitionierten Ausstellung, aber warf auch einen Blick auf den Werdegang und die Problemstellungen im Vorfeld einer Ausstellung. Anschließend stellte sie beispielhaft Exponate der verschiedenen Sektionen vor, die die zentralen Ideen der Aufklärung sichtbar machen.
Eine Ausstellung wie "Die Kunst der Aufklärung" stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, organisatorisch wie auch inhaltlich. Sowohl die Konzeption wie auch die Themenwahl erfolgten in enger Absprache mit dem Nationalmuseum, woran sich die inhaltliche Erarbeitung anschloss. Eine Schwierigkeit besteht darin, die Inhalte dieser geistigen und sozialen Bewegung sinnlich erfahrbar zu machen, zumal diese sich vorrangig über das Wort, der eigentlichen Kunstform der Aufklärung, in Büchern, Zeitungen Literatur und Theaterstücken sowie Salons artikulierten, wie Cordula Bischoff betonte. Dennoch spiegeln sich die neuen Ideen und Werte auch in den Bildkünsten. Kunst wurde zum Instrument ästhetischer Bildung und Erziehung.
Eine Hürde bereitet auch der Umstand, dass die Materie in einem anderen kulturellen Umfeld angesiedelt ist und die inhaltliche Aufbereitung die Rezipierbarkeit im Blick haben muss, um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, in den verschiedenen Sektionen Entwicklungstendenzen und -linien nachzuvollziehen. So befasst sich die Sektion "Perspektiven des Wissens" mit der Geburt der modernen Wissenschaften und ihrem künstlerischen Einfluss, in der Sektion die "Geburt der Geschichte" widmet man sich dem historische Bewusstsein des 18. Jahrhunderts, oder in der Sektion "Ferne und Nähe" steht die Weltneugier im Mittelpunkt, die einen zentralen Antrieb für das aufgeklärte Europa darstellte.
Das Thema der Veranstaltung stieß auf reges Interesse. Der Teilnehmerkreis bestand neben dem Vorstand und Mitgliedern der Alumni-Vereinigung der Hanns-Seidel-Stiftung vor allem aus Professoren, Dozenten und Forschungsstudenten verschiedener Universitäten. Es kamen Germanisten, Juristen, Medienvertreter, Deutschlandexperten und Diplomaten. Auch die deutsche Botschaft war vertreten, sowie das Goethe-Institut und die Stiftung Mercator. Letztere werden nach Beginn der Ausstellung gemeinsam mit dem Nationalmuseum ein umfangreiches inhaltliches Begleitprogramm durchführen.
In der Diskussion wurde von chinesischen Teilnehmern mehrfach hervorgehoben, dass der thematische Gegenstand auf unterschiedlichen Ebenen sehr viel Raum bietet für die inhaltliche Auseinandersetzung. Wichtig seien in diesem Zusammenhang die Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis des kulturhistorischen Kontextes.
Der Vortrag von Dr. Cordula Bischoff hat das Interesse an der Ausstellung geweckt, die Neugierde ist groß, man freut sich auf die Ausstellung und das Begleitprogramm und plant bereits Besuche mit Kollegen oder Studierenden.

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