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Handel und ländliche Entwicklung als Schlüsselfaktoren für die Zusammenarbeit

Dr. Ingo Friedrich

Wie kann der wirtschaftliche Fortschritt in Indien so genutzt werden, dass er auch die ärmeren Bevölkerungsschichten in den ländlichen Gegenden erreicht und welche Initiativen vor Ort wirken erfolgreich? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Konferenz zum Thema "Handel und ländliche Entwicklung als Schlüsselfaktoren für die Entwicklungszusammenarbeit in Indien", die die Hanns-Seidel-Stiftung in Brüssel gemeinsam mit dem East Midlands European Office, dem European Institute for Asian Studies und der Europe-India Chamber of Commerce am 18. Oktober 2007 organisierte.

In seiner Begrüßung betonte Dr. Ingo Friedrich, Mitglied im Präsidium des Europäischen Parlaments, die Tatsache, dass im Zuge der Globalisierung Grenzen immer mehr an Bedeutung verlieren. Ein gewisses Maß an Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen sei notwendig, um den Wohlstand für alle Bürger zu ermöglichen. In seiner Einführung stellte Dr. Volker Bauer, Auslandsmitarbeiter der HSS in Neu Dehli, die Arbeit der Stiftung in der größten Demokratie der Welt vor und stellte die Sprecher des ersten Panels vor.  

Als erste Sprecherin nahm Dr. Sanjaya Pramila besonderen Bezug auf die Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft und hob die Wichtigkeit der Gleichberechtigung hervor. Sie bemängelte, dass trotz des in der Verfassung verankerten Rechts auf freie Entscheidung in Wirklichkeit die Mehrheit der Frauen in ländlichen Gegenden immer noch von männlichen Familienangehörigen abhängig sei. Für sie liegt der Schlüssel zur ländlichen Entwicklung auch in der Beteiligung und im Selbstbewusstsein der Frauen, da der Beitrag von Frauen zur wirtschaftlichen Entwicklung signifikant sei. 

Podium 1

Als Vertreter der EU-Kommission stellte Dr. Frank Siebern-Thomas die Aktivitäten der Kommission im Bereich Soziales und Beschäftigung zwischen der EU und Indien vor. Er wies darauf hin, dass die externe Dimension der europäischen Lissabon-Agenda immer wichtiger wird, und dass Indien mehr und mehr nach Europa sehe, wenn es um Konzepte und Lösungsansätze für die Herausforderungen im Sozialbereich gehe. 

Für Dr. Dieter Kebschull liegt die Lösung der Herausforderungen, vor denen Indien in den nächsten Jahren steht, in einem grundlegenden Strukturwandel. Zwar kann Indien seit Jahren ein Wirtschaftswachstum vorweisen, von dem Deutschland nur träumen kann, allerdings mangele es in Indien besonders in den ländlichen Gegenden an Infrastruktur. Er sieht die indische Regierung in der Pflicht, zusätzlich zum Landwirtschafssektor neue Einkommensmöglichkeiten zu fördern und zu schaffen. Nur durch wirtschaftliche Chancen für die ländliche Bevölkerung könnten Probleme wie Kinderarbeit und die mangelnde Gleichberechtigung wirksam und langfristig bekämpft werden. 

Philippe Falisse kritisierte, dass die Fortschritte in Wirtschaft und Technologie nur die indischen Eliten und die wachsende Mittelklasse erreichten, die große Masse der Bevölkerung aber weit davon entfernt sei, vom Wirtschaftswachstum zu profitieren. Zudem seien die Ausbildung in den öffentlichen Schulen sowie die Gesundheitsversorgung auf dem Land immer noch mangelhaft. Er schlug vor, den Dorfräten mehr Kompetenzen zu übertragen um so zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung beizutragen.  

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass in Indien noch viel Handlungsbedarf besteht. Besonders das Thema CSR (Corporate Social Responsibility) steht mehr und mehr im Vordergrund. Laut Dr. Kebschull wird CSR in Indien noch anders wahrgenommen als in Europa und wird oftmals als "Fig-Leaf-Activity" abgetan, aber es sei durchaus Potenzial vorhanden. Vor allen Dingen ausländische Investoren achteten sehr auf die Einhaltung und Umsetzung von Mindeststandards für Arbeiter und auch indische Unternehmer wollen von der Gesellschaft geachtet werden und bemühen sich mehr und mehr darum, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Podium 2

Das zweite Panel wurde von M.K. Lokesh, stellvertretender Botschafter Indiens bei der EU, eröffnet. Er wies darauf hin, dass Indien durch das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren und dem damit verbundenen Paradigmenwandel zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden hätte. Er sieht die Globalisierung als Chance, ist sich aber gleichzeitig bewusst, dass immer noch rund 70 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben und es deshalb umso wichtiger ist, ein schlüssiges Konzept, dass alle Bevölkerungsschichten mit einbezieht, zu finden. Dazu gehören insbesondere politische Maßnahmen wie Landreform und die Förderung von neuen Technologien. 

Die Vorsitzende der Indien-Delegation im EP, Neena Gill, sprach sich für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem indischen Parlament und dem Europaparlament aus. Prioritäten für die Zusammenarbeit sieht das Parlament in erster Linie bei den Themen Energieversorgung und Klimawandel, gefolgt von ländlicher Entwicklung und Handel. Dabei sei Technologietransfer der Schlüssel. Corporate Social Responsibility sieht Neena Gill als langfristiges Mittel um den Herausforderungen Armut und nachhaltige ländliche Entwicklung zu begegnen.  

M.S. Chandramouli ging in seinem Statement auf die Diskrepanzen im Lebensstandard der Bevölkerung in der Stadt und in ländliche Gegenden ein. Seiner Meinung nach muss je nach Lage eine genaue Analyse vorgenommen werden, um herauszufinden, welcher Ansatz (market-driven, technology-driven oder human-capital-driven) am besten geeignet ist, die Kluft zu überwinden.

Mikael Sami nahm in seinem Statement Bezug auf die Herausforderungen im Bereich Landwirtschaft und Handel, vor denen Indien in den nächsten Jahren steht und stellte die unterstützenden Aktivitäten von Seiten der EU-Kommission vor. Er wies darauf hin, dass ein grundlegendes Problem in Indien die zu langsame Steigerung der Produktivität im Landwirtschaftssektor sowie zu wenig neu geschaffene Arbeitsplätze in anderen Bereichen sei. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen seien für beide Seiten ein wichtiger Schritt hin zu mehr Kooperation in Schlüsselsektoren wie Landwirtschaft, Umwelt und Energie.

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