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Frauen- und Familienförderung als Aufgabe der internationalen Arbeit (Teil 1)

Junge Frauen aus beduinischen Dörfern erhalten Einblicke in technische Berufe

„Nicht mehr wie zu Abrahams Zeiten“
Nicht nur Touristen verbinden mit dem Klang des Wortes "Beduinen" die romantische Vorstellung von einem Zeltleben wie zu Abrahams Zeiten. Auch vielen Israelis ist die Realität des beduinischen Alltags nicht bewusst.

Zwei Drittel der Beduinen leben im Süden Israels, der Rest im Norden und einige in der Zentralregion. Ihre Zahl dürfte in Israel etwa 170.000 betragen. Die meisten leben längst nicht mehr in Zelten. Aber sie wohnen auch nicht alle in den sieben festen Städten wie zum Beispiel Rahat. Ein großer Teil lebt in den fast 50 Dörfern, die nicht anerkannt sind. Die Bauten sind in der Regel illegal, aber sie werden auch nicht abgerissen. Diese " nicht anerkannten Dörfer"  haben keine reguläre Infrastruktur, keine Ver- und keine Entsorgungsanlagen; der Mangel an Abfallentsorgung ist naturgemäß besonders augenfällig.

Obwohl die Siedlungen illegal sind, wagt sich niemand an einen Abriss, denn das würde Tausende obdachlos zu machen. Die Kinder in den beduinischen Siedlungen, deren Eltern ein über Generationen verbürgtes Recht auf den von ihnen bewohnten Boden beanspruchen, leben erheblich unter der Armutslinie. Der Staat baut Schulen für sie und versorgt sie morgens und mittags mit Schulspeisung, ohne die würden sie hungern. So bemüht man sich durch finanzielle Zuwendungen die sozialen Probleme wenigstens einigermaßen in den Griff zu bekommen. Doch die Arbeitslosigkeit ist weit überdurchschnittlich und die Ausbildung in der Regel schlecht.

Beduinische Kinder in einem Kindergarten der Stadt Ragat im Negev

Die Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt seit geraumer Zeit mehrere Projekte für die beduinische Bevölkerung in Israel. Gefördert wird zum Beispiel die Ausbildung von Müttern zu Erzieherinnen in den beduinischen Kindergärten, die nun langsam eingerichtet werden. Oder bei der Durchführung von Seminaren, die das Technologie-College Beer Sheva für Schülerinnen der letzten Klasse von Highschools durchführt. Diesen jungen Frauen aus den beduinischen Dörfern rings um Beer Sheva sollen in den Seminaren zunächst einmal mit ihren Grundrechten bekanntgemacht werden, aber auch mit der Möglichkeit, sich als Frau und als Beduinin für einen technischen Beruf ausbilden zu lassen.

"Eine gute Ausbildung ist der Schlüssel für die Lösung eines Problems, das in Israel noch kaum als solches wahrgenommen wird", so Dr. Rudolf Sussmann, Auslandsmitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Israel. Schon vor einiger Zeit warnten Soziologen in der Öffentlichkeit davor, dass das Problem der Beduinen, falls man es weiterhin ignoriere, die nächste Intifada auslösen könne. Aufgrund des hohen Wachstumsrate werden in kurzer Zeit die Beduinen die Mehrheit innerhalb der arabischen Bevölkerung Israels stellen. Eine Beduinenfrau hat - je nachdem, welcher Statistik man folgen will - durchschnittlich sieben bis neun Kinder. Der Leiter des operativen Zentrums des Bezirks Abu Basma (rund um Beer Sheva), Dr. Aharon Zohar, nennt einen Zeitraum von 13 Jahren, innerhalb dessen sich die beduinische Bevölkerung verdoppele.

Ohne fremde Hilfe wäre ihr Leben akut in Gefahr

Das ist das Resultat des Zusammentreffens der traditionellen Vorstellung, dass eine hohe Kinderzahl der Familie und dem Stamm zum Vorteil gereicht, mit einem effektiven modernen Gesundheitssystem, das eine sehr niedrige Kindersterblichkeit und gleichzeitig steigende Lebenserwartung garantiert. Der geometrische Effekt der beduinischen Bevölkerungsentwicklung ist den meisten Israelis nicht bewusst. Sie halten an der überkommenen Vorstellung fest, die Beduinen stünden im Grunde doch loyal zum Staat Israel, sie dienten ja auch in der Armee, anders als (mit Ausnahme der Drusen) die anderen Nicht-Juden hier. Beide Vorstellungen spiegeln aber, so Aharon Zohar, schon lange nicht mehr die Realität wieder. Die Loyalität der Beduinen schwindet rapide; die Zahl der in der Armee Dienenden ebenso. Die Islamisierung hingegen nimmt zu.

Beduinische Frauen bei Weiterbildungsseminaren

Zwar wendet der Staat bedeutende Summen auf, um eine Art Grundversorgung für die beduinische Bevölkerung zu garantieren. Doch dies reicht bei weitem nicht aus.

"Die Beduinen müssen sich besser in die israelische Gesellschaft integrieren. Aber genauso muss die israelische Bevölkerung begreifen, dass es nötig ist der beduinischen Bevölkerung hierbei möglichst viel Unterstützung zukommen zu lassen", betont Rudolf Sussmann. "Wir als Stiftung leisten unseren Teil, um jungen beduinischen Frauen eine Perspektive innerhalb der israelischen Gesellschaft zu eröffnen; es muss jedoch noch mehr geschehen, um die Entfremdung der Beduinen nicht zu einem weiteren potenziellen Konfliktherd werden zu lassen."