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Referat IV/3 Geistes-, Sozial- Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (Uni)
Dr. Gabriele-Maria Ehrlich
Tel.: 089 1258-330 | Fax: -403
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Der Biologismus - die neue 'alte' Geisteshaltung?

In der Denkrichtung des Biologismus werden die Gesetzmäßigkeiten menschlicher Erkenntnis ebenso wie jene des Handelns allein aus biologischen Bedürfnissen und Gesetzen erklärt. Unter dem Einfluss des Darwinismus erlebte der Biologismus um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert seine erste Blüte, der Nationalsozialismus übersteigerte den Biologismus dann zur doktrinären Ideologie.

Heute begegnen wir - im Verbund mit dem wirtschaftlichen Neoliberalismus - einem wieder belebten (sozial)darwinistischen Denken, das angesichts gentechnologischer Möglichkeiten und der Vision von der gentechnologischen Verbesserung des Menschen die evolutionäre Leiter vom Affen zum Menschen nach oben für ausziehbar hält: Das bedeutet, menschliches und anderes Leben folgt nach Darwinistischem Prinzip der natürlichen Auslese. Atmet unsere heutige Zeit wieder den 'alten' ideologischen Geist?

35 Stipendiaten aller Fachbereiche befassten sich vom 09.-11.02.2007 in Kloster Banz mit den Merkmalen und Gefahren dieser Denkrichtung. Vortragende waren Prof. Dr. Rainer Koltermann, SJ von der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz, Christine Zunke, Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar, Universität Hannover, und Prof. Dr. Josef Schuster, SJ, Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt a. Main.

Die Stipendiaten mit Prof. Dr. Koltermann SJ (rechts), Seminarleiterin Gabriele Ehrlich (Bildmitte) und Christine Zunke (Bildmitte rechts)
Die Stipendiaten mit Prof. Dr. Koltermann SJ (rechts), Seminarleiterin Gabriele Ehrlich (Bildmitte) und Christine Zunke (Bildmitte rechts)

Prof. Dr. Rainer Koltermann SJ zeigte dabei in seinem Vortrag "Biologismus und seine Auswirkungen in Abstammungslehre des Menschen, Verhaltensforschung und Politik" den zentralen Irrtum und die weitreichenden politischen und weltanschaulichen Folgen dieser biologisch motivierten Denkkonzeption auf, wenn menschliche Moral- und Wertvorstellung bewusst oder unbewusst zurückgestellt werden, indem bestimmte Verhaltensweisen im Tierreich auf menschliche Gesellschaften übertragen werden.

In seinem Vortrag "Evolution und Schöpfung - unüberwindliche Gegensätze?" wurde deutlich, dass die Methoden der Einzelwissenschaften nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Wissenschaft und Glaube, bzw. Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube stehen nicht in unauflösbarem Widerspruch zueinander, sondern können philosophisch und glaubensmäßig zu einer Synthese denkerisch vereint werden. Die Sonderstellung des Menschen im Vergleich mit den Tieren ist nicht allein unter Zuhilfenahme biologischer Gesetzmäßigkeiten zu erklären. Die Darstellung des Wesensunterschiedes ist Aufgabe der Metaphysik. Sie definiert den Menschen als Person.

Christine Zunke M.A. führte in ihrem Vortrag "Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft und ihre scheinbare Begründung aus wissenschaftlicher Sicht" vor Augen, dass der Biologismus heute zu einem modernen Sexismus führt, wenn tatsächlich vorhandene geschlechtsspezifische Eigenschaften sexistisch ausgelegt und instrumentalisiert werden und gesellschaftliche Gegebenheiten aufgrund der Behauptung von biologischer Determiniertheit als natürlich erklärt werden, um Unterdrückungsmechanismen zu verschleiern, wie z. B. in Bezug auf die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft.

Prof. Dr. Josef Schuster SJ verwies in seinem Vortrag "Ein neues Design für den Menschen?" auf das Ansinnen des modernen emanzipierten Menschen nach einer "Verbesserung", bzw. "Neuschöpfung" der Naturordnung des Schöpfers als Folge der Annahme von genetischer Determiniertheit, welche zur Manipulation und Selektion des Menschen berechtige. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Schuster die Frage nach dem Sinn und Ziel des Menschen, der sein Dasein allein der Verantwortung Gottes verdanke.