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Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Kontakt

Referat IV/6 Altstipendiaten
Prof. Hans-Peter Niedermeier
Gabriele Schreyer-Brummer
Tel.: 089 1258-400 | Fax: -403
E-Mail: SchreyerBrummer@hss.de

Anschrift

Hanns-Seidel-Stiftung
Institut für Begabtenförderung
Lazarettstraße 33
80636 München

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Medien 2020: Meinungsmacher Internet?

Medien 2020: Meinungsmacher Internet? - unter dieses Motto stellte die CdAS-Fachgruppe Medien ihre Fachtagung 2008. Rund zwanzig Teilnehmer aus dem Kreis der aktuellen und ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten folgten am 12. bis 14. Dezember 2008 der Einladung nach Wildbad Kreuth. Die Organisatoren Simon Rehak und Ute Badulescu hatten Referenten aus der unterschiedlichsten Bereichen der Medienwelt geladen, um den Wandel der Medienwelt im Kontext des Internet zu beleuchten.

Die Organisatoren der Fachtagung Simon Rehak und Ute Badulescu mit dem Bayernkurier-Chefredakteur Peter Hausmann
Die Organisatoren der Fachtagung Simon Rehak und Ute Badulescu mit dem Bayernkurier-Chefredakteur Peter Hausmann

Junge Lesergeneration setzt auf das Internet
Die "Mediennutzung gestern, heute und morgen" unterscheidet sich sehr stark. Altstipendiat Florian Hottner hatte zum Auftakt der Veranstaltung Zahlen aus der Praxis seiner Tätigkeit als Mediaforscher für das Institut für Demoskopie Allensbach mitgebracht. Gleich zu Beginn wurde damit deutlich: Mediennutzung verändert sich rasant und ist von Generation zu Generation unterschiedlich. Die Jugend hat im Internet das (Massen-)Medium ihrer Wahl gefunden und überlässt das Zeitunglesen und zunehmend auch das Fernsehen der älteren Generation. Insbesondere den klassischen Tageszeitungen drohen ganze Lesergenerationen verlorenzugehen, mit allen bereits absehbaren Folgen - sinkende Auflagen, wirtschaftliche Verluste.

Dieses Problem ist Bayernkurier-Chefredakteur Peter Hausmann, dem zweiten Referenten der Veranstaltung, bewusst. Er brachte zu seinem Vortrag "Parteizeitung in Zeiten von Multimedia und Internet" einen Stapel der neuesten Ausgabe seiner Zeitung mit und lud das Plenum zunächst zu einer Blattkritik. Gemeinsam mit Altstipendiat Franz Niedermeier als langjährigem Mitarbeiter des Bayernkuriers wurden inhaltliche Themen und Layout-Aspekte erörtert, aber auch die Frage, wie der Spagat zwischen einer Parteizeitung und einer Wochenzeitung mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen am besten gelingen kann. Anschließend berichtete Hausmann von der "Baustelle Bayernkurier", den vielfältigen Modernisierungsplänen für die Zeitung und davon wie man sich den Herausforderungen des Internetzeitalters und einem verändernden Mediennutzungsverhaltens stellen will. Die Redaktion setzt nicht nur auf eine umfassende inhaltliche Modernisierung der Print-Ausgabe, sondern will verstärkt auf ihre Internetpräsenz setzen, um die junge Lesergeneration zu erreichen.

Wikipedia eines der erfolgreichsten Internetangebote
Weg von den konventionellen Zeitungen und hinein in einen vollkommen anderen Bereich der Informationsverbreitung führte anschließend Arne Klempert. Als Mitbegründer der WikiMedia Deutschland e. V. hat Klempert die deutsche Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia mit aufgebaut. Aus einem kleinen Dokumentationswerkzeug namens Nupedia und einer idealistischen und damals vielbelächelten Vision von einem freien Lexikon, an dem sich jeder beteiligen kann, wurde innerhalb weniger Jahre eines der erfolgreichsten Internetangebote der Welt mit Millionen Nutzern. Beeindruckend auch die große Zahl von freiwilligen Mitarbeitern. Vom 15-jährigen Straßenbahn-Narren bis zum emeritierten Agrarwissenschaftler trägt eine heterogene Autorenschaft regelmäßig aktiv und unentgeltlich dazu bei, den Schatz an frei verfügbarem Wissen zu mehren. Der ungeahnte Erfolg von Wikipedia drängt mittlerweile selbst altehrwürdige Institutionen wie das Brockhaus-Lexikon oder die Encyclopaedia Britannica in die Defensive und zwingt sie zu eigenen Online-Aktivitäten.

Hörfunk und Fernsehen vor neuen Herausforderungen
Im Internet ist auch der Bayerische Rundfunk seit Jahren sehr aktiv, wie Rainer Tief, der Leiter des Programmbereiches Multimedia und Jugend, berichtete. Mit umfangreichen und in der öffentlichen Diskussion nicht unumstrittenen weil gebührenfinanzierten Online-Aktivitäten versucht man, auch Zielgruppen zu erschließen, die über die klassischen Distributionswege nicht erreicht werden. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat das gleiche Problem wie die anderen klassischen Massenmedien - die junge Generation wendet sich zunehmend ab und bevorzugt das Internet. Projekte wie "Südwild" sollen hier Abhilfe schaffen und unter dem Motto "hier spielt die Musik" die Jugend für die Angebote des BR zurückgewinnen. Gleichzeitig wird in experimentellen Web-Angeboten die Vielfalt der multimedialen Möglichkeiten ausgelotet und neue Verbreitungswege für Musik und interpersonelle Kommunikation getestet.

Es zeigt sich: Auch im Rundfunk ändern sich, entgegen vieler rechtlicher und institutioneller Hindernisse, Workflows und Berufsbilder sehr schnell. Es wurde deutlich, dass Hörfunk und Fernsehen mitten in einer Entwicklung stecken, welche die Presselandschaft bereits zu Beginn der 1980er Jahre mit Einführung der elektronischen Redaktionssysteme hinter sich gebracht hat: Durch die Digitalisierung verschwinden ganze Berufszweige, während der klassische Rundfunkredakteur mit vielfältigen neuen Aufgaben konfrontiert wird. So gestaltet er zum Beispiel Schnitt und Abmischung seiner Beiträge zunehmend selbst und interagiert immer häufiger direkt mit seinem Publikum.

Werbung im Kontext der Veränderung
Der abschließende Vortrag von Wolfgang Schuldlos, Geschäftsführer der Mediaagentur Zenithmedia, widmete sich der Werbung im Kontext der Veränderung der Medienlandschaft und des Mediennutzungsverhaltens. Wie aus Marketingstrategien von Unternehmen geeignete Mediastrategien werden, wurde aus der Praxis der Mediaagenturen erörtert. Prägte früher das Prinzip "Media Push" die Werbestrategien, so ist im Internetzeitalter zunehmend vom "Consumer Pull" zu sprechen, weil hier mündige Mediennutzer sich die Inhalte selbst zusammenstellen oder gar mitgestalten. Eine erhöhte Flexibilität und Individualisierung der Menschen führt auf der anderen Seite zwangsläufig zu einer größeren Bindungslosigkeit. Desto schwerer ist es in der heutigen "Gesellschaft von Driftern" Kommunikationsstrategien zu planen.

Dass das Internet die Medienlandschaft verändert, ist keine neue Erkenntnis. Aber an diesem Wochenende wurde deutlich wie schnell und nachhaltig sich dieser Wandel vollzieht und welch dramatische Folgen für die traditionellen Massenmedien und ihre Protagonisten zu erwarten sind. Insbesondere die Presselandschaft, aber auch der konventionelle Rundfunk sind zum Handeln herausgefordert. Nur durch umfangreiche und Maßnahmen und eine Reaktion auf die sich verändernden Mediennutzungsgewohnheiten der nachwachsenden Generation können sie einem zunehmenden Aufmerksamkeitsverlust und einem Abgleiten in die mediale Bedeutungslosigkeit entgehen.

Die "Medien 2020" werden sich in der Rückschau auf die heutige Welt stärker verändert haben als je zuvor. Dank der hervorragenden Auswahl der Referenten und Themen ist es dieser Fachtagung gelungen, die sich aufzeigenden Veränderungen gut abzubilden und positiven Perspektiven und Zukunftsszenarien aufzuzeigen.

Ein Bericht von Thomas Wolf-Klostermann