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27.01.1888: 125. Geburtstag von Johannes Neuhäusler
Johannes Neuhäusler stammte aus bäuerlichen Verhältnissen und kam in Eisenhofen bei Dachau zur Welt. Er war Kaplan in Oberaudorf und wurde 1916 nach München berufen, wo er zunächst als Generalsekretär des Ludwigs-Missionsvereins tätig war. Kardinal Michael von Faulhaber berief ihn kurz nach der Machtergreifung zum kirchenpolitischen Referenten mit dem brisanten Auftrag, Übergriffe des Nazi-Regimes zu dokumentieren und gegen diese zu intervenieren. Dank seines großen diplomatischen Geschicks kam es erst 1941 zu seiner Verhaftung, der Beginn einer vierjährigen Internierung in Berlin sowie in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau. Er wurde in den letzten Kriegstagen 1945 mit 138 prominenten KZ-Häftlingen als Geiseln der SS aus Deutschland nach Südtirol verschleppt und schließlich am 30. April 1945 im Hochpustertal befreit. Nach dem Krieg bekleidete er wichtige Ämter im Erzbistum München und Freising: Weihbischof (1947), Domprobst (1955) und Regionalbischof (1968). Er starb am 14. Dezember 1973 in München.
Zu Neuhäuslers wichtigsten Aufgaben als kirchenpolitischer Referent gehörte die Übermittelung von Dossiers über die Übergriffe des Nazi-Regimes auf die katholische Kirche an den Vatikan. Einer der „mutigsten Briefboten“ war der spätere CSU-Gründungsvorsitzende Josef Müller, der häufig dienstlich (als Rechtsanwalt und Offizier der Abwehr) nach Rom reiste. Mit Mut, Geschick und Kaltblütigkeit steckte er die geheimen Unterlagen in Koffer oder Aktentasche und schleuste sie unentdeckt nach Rom. Neuhäusler und Müller lernten sich 1933 kennen, als Müller die Interessen der Katholischen Kirche juristisch vertrat. Bald entwickelte sich eine persönliche Freundschaft. So organisierte Neuhäusler, dass Müller 1934 in der Krypta des Petersdoms in Rom heiraten konnte. Als 1943 auch Josef Müller verhaftet wurde, durchlitten beide ihre Gefangenschaft im KZ Dachau und wurden 1945 zusammen in Südtirol befreit.
Die gemeinsamen Erlebnisse und die Freundschaft mit Johannes Neuhäusler prägten sicherlich den späteren Politiker Josef Müller bei der Gründung und Führung der CSU.

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