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Integration: Erfahrungen aus der Wirtschaft

Karin Schwesig und Peter Weber beim Kamingespräch
Studenten der Hochschule für Angewandte Sprachen in der Diskussion

Das Seminar „Kooperation als Modell für Integration – Sind Erfahrungen aus der Wirtschaft auf die Gesellschaft übertragbar?“ sollte mit Blick auf die Integration von Minderheiten, etwaige Parallelen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft aufzeigen. Vom 21. bis zum 22. November 2010 fand hierzu im Bildungszentrum Wildbad Kreuth eine gemeinsame Veranstaltung mit der Hochschule für Angewandte Sprachen aus München statt, die ein Projektteam des Masterstudiengangs  „Interkulturelle Moderation und Mehrsprachige Kommunikation“ maßgeblich entwickelt hatte.

Interkulturelles Verständnis als Schlüsselfaktor für Unternehmenserfolg

Karin Schwesig, diplomierte Kauffrau mit langjähriger Führungserfahrung im Bereich Marketing und Vertrieb, sowohl in europäischen als auch in afrikanischen Ländern, lieferte exemplarisch einen umfassenden Einblick in den Alltag internationaler Unternehmen. Dabei ging sie intensiv auf den Umgang mit fremden Kulturen, angefangen von internationalen Unternehmenszusammenschlüssen, über Auslandsentsendungen von Fach- und Führungskräften, bis hin zum Aufbau eines Kundenstamms im Ausland, ein. Als möglichen Grund für das Scheitern internationaler Zusammenarbeit nannte Schwesig die Tatsache, dass es sich bei Integrationsmaßnahmen oft nur um „Lippenbekenntnisse“ handle, spätestens dann, wenn es zu finanziellen Engpässen kommt. Schon augenscheinliche Kleinigkeiten, wie ein unterschiedliches Zeitempfinden, könnten zu interkulturellen Missverständnissen führen. Als konkretes Praxisbeispiel berichtete sie von einem Besuch einer indischen Delegation bei einem fränkischen Unternehmen. So war den indischen Gäste eine Uhrzeit wie 9 Uhr 15 für eine Geschäftsbesprechung fremd. Dabei sei die Bereitschaft ausländischer Mitarbeiter, ihr Bestes geben zu wollen, meist sehr hoch. Wie jedoch dieses „Beste“ aussieht, sei von Kultur zu Kultur unterschiedlich, so Schwesig.

Interkulturelles Training als effizientes Instrument

Am anschließenden Kamingespräch, moderiert von den Studenten Michaela-Maria Horcicakova und Christoph Etzrodt, nahm neben Karin Schwesig auch der Vizepräsident der Hochschule für Angewandte Sprachen, Prof. Dr. Peter J. Weber, teil. Einer der Schwerpunkte war das Thema „Diversity Management“. Auch wenn wir diesbezüglich laut Karin Schwesig noch „nicht endgültig am Ziel angekommen“ sind, so sieht sie interkulturelles Training doch als äußerst effizientes Instrument an. Wären derartige Maßnahmen nicht auch auf die Gesellschaft übertragbar? „Unbedingt“, lautete Schwesigs Antwort. Sie sehe nach wie vor einen erheblichen Bedarf an dieser Art von Sensibilisierung im Integrationskontext. Allerdings sei sie positiv überrascht von der Entwicklung, die sich bei der Rekrutierung von Führungskräften zeige. Bei diesen wird zunehmend Wert auf die Fähigkeit zur Selbstreflexion gelegt.

Peter Weber hingegen nannte Belgien als Beispiel - ein Land, in dem das Bewusstsein für kulturelle Differenzen und Eigenschaften der Bevölkerung sehr ausgeprägt ist und in dem es im Zuge dessen scheinbar gehäuft zu dem Wunsch nach Aufteilung und Eigenständigkeit der einzelnen Bevölkerungsgruppen kommt. Kann gesteigertes Verständnis und Akzeptanz von Unterschieden zu einer noch größeren Abgrenzung führen? Dies verneint Weber und gibt eine Erklärung: Während die Menschen sich durchaus an die Sprachenvielfalt gewöhnt hätten, sei es die Politik, die dort immer wieder die Auseinandersetzung schüre, da es um Macht und Geld ginge.

Die Bewohner der Insel Albatros

Unter Einbeziehung einer Kurzvorführung mit dem Titel "Das Albatrosspiel“ konnte Studentin Miriam Frankenfeld in ihrem Vortrag „Interkulturelle Trainingsmethoden“ die Teilnehmer dafür sensibilisieren, dass Menschen, selbst wenn sie bereits interkulturelle Erfahrungen gemacht haben, Andersartigkeit meist auf Grundlage ihrer eigenen kulturellen Prägung bewerten und dass kein Mensch - selbst der Trainer nicht - vorurteilsfrei ist. Das Konzept des Vorurteils gelte als natürliche Schutzfunktion, so wie das Konzept der Kultur als Hilfe zur Umweltbewältigung dient, wie bereits aus einem Impulsreferat zum Thema Kulturschock der Studentin Jasmin Stiehle hervorgegangen war.

Diskussionen auch nach dem Seminar
Seminarleiterin Carolin Roth mit Miriam Frankenfeld

Diversity als Schlüssel zum Erfolg

Gabriela Pinto Meza, ebenfalls Studentin, bezog sich in ihrem Beitrag auf den Ansatz des Diversity Managements. Eine multikulturelle Belegschaft und die Offenheit für Andersartigkeit sei ein Erfolgsrezept für Firmen, so die peruanische Studentin. Dabei stellte die Referentin die jeweilige Sicht der Unternehmen und Mitarbeiter dar. Sie stellte ausgewählte, erfolgreich eingesetzte Maßnahmen zur Integration vor. Eine von ihr durchgeführte Umfrage unter Angestellten mit anderskulturellem Hintergrund bestätigt die Notwendigkeit solcher Maßnahmen. Auf Grund der fortschreitenden Integration der Mitarbeiter und den sich wandelnden Bedürfnissen sei zugleich eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der angebotenen Integrationsmaßnahmen erforderlich.

Babylon in unserer Stadt

Das Planspiel „Babylon in unserer Stadt“ bot den Teilnehmern die Chance, im Hinblick auf die Integrationsdebatte andere Perspektiven einzunehmen. In dem Rollenspiel geht es um die Auseinandersetzung zwischen dem Stadtrat der Gemeinde Marienstein und der Initiativgruppe „Bücher interkulturell“, die im Sinne der ausländischen Mitbürger für eine höhere Anzahl fremdsprachiger Bücher in der hiesigen Bibliothek kämpft. Die Teilnehmer konnten dabei in Rollen schlüpfen, die sie im echten Leben nicht unbedingt vertreten und somit leichter nachvollziehen, wie „die andere Seite“ zu ihren Argumenten kommt. Eine interessante Erfahrung für alle.

Selbstreflexion als erster Schritt in Richtung interkulturelle Kompetenz

Für Seminarleiterin Carolin Roth ging aus den Beiträgen und Diskussionen vor allem hervor, dass es beim Vergleich zwischen Wirtschaft und Gesellschaft gewisse Parallelen im Hinblick auf den Ursprung der Integrationsprobleme gibt. Vor allem das Fehlen des Bewusstseins über die eigene kulturelle Identität macht das Zugehen auf andere Kulturen schwer. Die Kompetenz der Selbstreflexion sei daher „der erste Schritt in Richtung interkulturelle Kompetenz – in der Wirtschaft gleichermaßen wie in der Gesellschaft“.

Kommentare der Teilnehmer zum Thema und zum Seminar