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Klimawandel als sicherheitspolitische Herausforderung
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen dieser Zeit und erfordert nun rasches Handeln – darin waren sich die Staats- und Regierungschefs letztes Jahr in Kopenhagen einig. In Cancun wird derzeit auf dem UN-Klimagipfel u.a. darüber beraten, wie der Temperaturanstieg konkret begrenzt werden kann, etwa durch Emissionszertifikate. Kein leichtes Unterfangen, ist doch der Klimawandel ein ungerechtes Phänomen: Die Hauptleidtragenden der Umweltveränderungen sind gerade die Ärmsten.
Die klimatischen Veränderungen werden die Anpassungsfähigkeit vieler Gesellschaften überfordern und damit das Konfliktpotenzial erhöhen. Gewalt und Destabilisierungsprozesse bedrohen die nationale und internationale Sicherheit in einem. So wird auch eine krisenpräventive Klimapolitik in den Fokus rücken müssen. Die sicherheitspolitischen Aspekte des Klimawandels waren daher auch Thema der Tagung, zu der die Hans-Seidel-Stiftung, die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik und die Clausewitz-Gesellschaft am 8. Dezember 2010 eingeladen hatten.

- Wolfgang Seiler
Die Entwicklungen und Auswirkungen des globalen Klimawandels stellte Prof. Dr. Wolfgang Seiler in seinem Vortrag dar: „Der Klimawandel ist unvermeidbar, das ist eine Tatsache! Seit 1880 haben wir einen Temperaturanstieg von einem Grad Celsius. Hinzu kommt jedoch die Erwärmung, die wir bereits ausgelöst haben, die aber aufgrund der physikalischen Trägheit des Systems noch nicht wirksam geworden ist“. Für den renommierten Klimaforscher ist es daher dringend geboten, sowohl die Ursache, die Emission von Treibhausgasen, zu reduzieren als auch Anpassungsstrategien zu entwickeln: „Sonst überrollt uns das Klimageschehen wir eine Bugwelle“.
Obwohl sich die meisten Diskussionen um den Temperaturanstieg drehen, sind es die Veränderungen des Niederschlagsverhaltens, die uns die größten Probleme bereiten werden, wie Seiler unterstrich: „Es ist das Wasser!“. Wassermangel und Überschwemmungen treffen ausgerechnet jene, die doch am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Steigt der Meeresspiegel, werden die dicht bevölkerten Küsten, wo auch die fruchtbarsten Böden sind, betroffen sein, etwa in Bangladesch oder im Nildelta. „Es wird Umweltmigration geben, und dies wird auch uns verstärkt betreffen“.
Zum Schluss verwies Seiler nochmals auf die Dringlichkeit des Problems: „Wir dürfen nicht länger warten! Bis Planungen in die Umsetzung gehen, vergehen oft Jahrzehnte, aber das darf uns nicht hindern, zu beginnen. Wenn wir den Klimawandel als Chance begreifen, durch den wir Arbeitsplätze schaffen und sozialen Frieden sichern können, dann ist Klimapolitik auch beste Wirtschaftspolitik“.

- Ernst Rauch
Ernst Rauch, Leiter des Corporate Climate Centre der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, schilderte, welche Konfliktpotentiale denkbar sind. Auch er ist überzeugt: „Der Klimawandel löst schwere Naturkatastrophen aus“. So hat sich deren Anzahl seit 1950 nahezu verdreifacht. Seit 1980 nehmen die versicherten Schäden jährlich um elf Prozent zu, was vor allem sozio-ökonomische Ursachen hat. Dabei geht die Schere zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern immer weiter auf, wie Rauch anhand von Zahlen- und Kartenmaterial aufzeigte. Die Bevölkerungsgruppen mit niedrigerem Einkommen sind meistens nicht versichert. Zugleich weisen die ärmsten Länder die höchsten Opferzahlen auf. „Dies verschärft die Sicherheitsrisiken“. Wichtiger als Subventionen und Donor-Gelder, die nicht nachhaltig wirken, ist eine stabile Ökonomik, findet Rauch.
Die hohe Informationsdichte der beiden Vorträge wurde auch in der nachfolgenden Diskussion fortgeführt – hier ein paar Eindrücke daraus:
Dr. Monika Lanik, Amt für Geoinformation der Bundeswehr: „Es ist wichtig, den Klimawandel nicht nur aus naturwissenschaftlicher Perspektive, sondern auch hinsichtlich seiner sozialen Auswirkungen zu betrachten. Der Klimawandel ist zwar nicht alleinige Ursache von Konflikten, ist aber ein verstärkender Faktor“.
Eckhard Volkmann, Referent im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: „Konflikte sind unser schlimmster Feind. Sie machen alles zunichte, was vorher aufgebaut wurde. Es gibt positive Beispiele im grenzübergreifenden Wassermanagement, von denen wir lernen wollen, wie sich Konflikte vermeiden lassen. Unser Sicherheitsbegriff geht über den militärischen hinaus“.
Dennis Tänzler, Senior Projekt Manager bei adelphi research in Berlin: „Das Beispiel Arktis zeigt, dass der Klimawandel durchaus Konflikte generieren kann. Wenn das Eis schmilzt, tun sich neue Schifffahrtswege und neue Fischfanggründe auf und der Zugang zu den dort vorhandenen Rohstoffen wird leichter möglich, so dass die Anrainerstaaten nun Dispute um die Territorialfrage führen. (...) Krisenprävention und Krisenreaktion sind Aufgabe der Außenpolitik. Außenpolitik sollte einem klimasensiblen Stress-Test unterzogen werden“.

- Florian Hahn
Bundestagsabgeordneter Florian Hahn, Mitglied im Ausschuss für Verteidigung: „Die Herausforderungen des Klimawandels gehen einher mit Energie- und Rohstoffverknappung und einem Bevölkerungswachstum. Dies erfordert neuartige Konfliktszenarien und ein Ineinandergreifen von Maßnahmen. Prävention wird immer wichtiger, aber auch die Einbeziehung der Wirtschaft. Wir haben die Diskussion in der CSU dahingehend aufgenommen“.
Tagungsbericht "Klimawandel als sicherheitspolitische Herausforderung"

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