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Neue Strategien für die Berglandwirtschaft

Der Alpenraum ist Lebens- und Wirtschaftsraum für über 13 Millionen Menschen. Die Berglandwirtschaft leistet als wichtiger Wirtschaftszweig unter schwierigen Bedingungen einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln, für den Umweltschutz sowie den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft - welche die Grundlage für den Tourismus in der Alpenregion bildet.

Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern
Alfred Enderle, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Oberallgäu

Neue Strategien für die Berglandwirtschaft standen im Mittelpunkt des agrarpolitischen Seminars vom 3. bis 5. Dezember 2011 in Wildbad Kreuth. Dabei ging es insbesondere darum, neue Ideen und Vermarktungschancen für Produkte und Dienstleistungen darzustellen, die es den Bergbauern ermöglichen, sich trotz schwieriger Bedingungen auf dem Agrarmarkt zu behaupten. Weitere Themen waren das Landwirtschaftliche Wissenssystem und die Vollzugsberatung des Kantons Bern (Schweiz) und die EU-Agrarpolitik nach 2013 mit ihren Auswirkungen für die Berglandwirtschaft.

Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, wies auf die Tatsache hin, dass das Einkommen, das mit klassischer Viehhaltung und Milchwirtschaft im Berggebiet erzielt werden kann, nicht mehr ausreicht. Bergbauern erwirtschaften rund 14 Prozent weniger Gewinn als die Bauern in Bayern durchschnittlich. Der Gewinnrückgang betrug von 2007 bis 2009 35 Prozent, was insbesondere am stark gefallenen Milchpreis lag.

Neue Ideen und Strategien sind nötig, damit die Berglandwirtschaft eine Zukunft hat. Hier heißt das Stichwort "Diversifikation", die "Zuverdienstmöglichkeiten". Neben den klassischen Feldern wie "Urlaub auf dem Bauernhof" oder Direktvermarktung (3.500 Direktvermarkter, 1.800 Bauernmärkte) haben insbesondere Frauen neue Erwerbsfelder entwickelt, beispielsweise das Projekt "Lern- und Erlebnisort Bauernhof". Hier gibt es mittlerweile rund 150 qualifizierte Erlebnisbauern und -bäuerinnen. Eine von ihnen, Katharina Kern von der Schweinsteigeralm, bietet Schulklassen Führungen und Tagesangebote, wo die Schüler Almerlebnisse mit Buttern und Käsen sowie intensiven Kontakt mit Kühen, Kälbern, Ponys und Ziegen haben. Unter dem Stichwort "Lernort Bauernhof" lassen Wanderungen am Gebirgsbach und über Almwiesen die Natur unmittelbar mit allen Sinnen erfahren und wecken Verständnis und Bewusstsein für natürliche Zusammenhänge. Selbst hergestellte Produkte sowie Brotzeitpakete runden das Almerlebnis genussreich ab. Weitere Projekte sind Almhütten als Tagungsorte für Manager, hauswirtschaftliche Fach- und Partyservices sowie Kooperationen zwischen Bauern und Gastwirtschaften mit regionalen Produkten. Im Rahmen des neuen Bergbauernprogramms der bayerischen Staatsregierung können Investitionen zur Diversifizierung mit einem stattlichen Zuschuss gefördert werden.

Alfred Enderle, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Oberallgäu, ist selbst Bergbauer. Er verwies auf die Chancen, aber auch Risiken für die Bergbauern in den nächsten Jahren. So gibt es in den Überlegungen des neuen EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos durchaus richtige Maßnahmen, wie die Förderung kleinerer Betriebe. Doch wenn man bedenkt, dass bayerische Betriebe mit durchschnittlich 28 Hektar um einiges größer sind als die durchschnittlichen europäischen Betriebe mit 11 Hektar, muss man aufpassen, dass diese auch zukünftig die benötigte Förderung durch die EU erhalten. Insbesondere in Osteuropa gibt es viele sehr kleine Betriebe (Sellbstversorger), die bisher noch keine Förderung erhalten. Wenn diese ins Förderprogramm aufgenommen werden, kann die Förderung für bayerische Betriebe deutlich geringer ausfallen. Und auch die bayerische Förderung hängt von den Rahmenbedingungen ab, die die EU setzt.

So sind auch aus Sicht von Alfred Enderle die Zuverdienstmöglichkeiten ein wichtiges Standbein für die Bergbauern in der Zukunft. Konkret nannte er die Vermarktung von gentechnikfreien Produkten, die Ausweitung von "geschützten Ursprungsbezeichnungen" für Produkte aus der Region (Rohstoffe und Herstellung vor Ort) und eine sinnvolle Bioproduktion. In diesem Zusammenhang forderte Enderle eine Ausweitung der Ausbildungsmöglichkeiten von Nebenerwerbslandwirten, die nicht dem staatlichen Rotstift zum Opfer fallen dürfen.

Peter Wäfler, Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern/Schweiz
Die Teilnehmer des Seminars

Dr. Peter Wäfler vom Amt für Landwirtschaft und Natur des Kanton Bern in der Schweiz, stellte in seinem Vortrag die "Doppelstrategie Land- und Ernährungswirtschaft 2025" vor, die, ähnlich wie der "Bayernplan 2020", die Weichen stellen soll für eine erfolgreiche Landwirtschaft auch in der Zukunft. Im Rahmen dieses Schweizer Programms sollen in den Bereichen Ernährungskette (von der Produktion über den Handel zum Verbraucher), Umwelt, ländlicher Raum (regionale Entwicklung, Tourismus, erneuerbare Energien, Raumplanung) und der Forschung und Wissensvermittlung neue Ansätze entwickelt werden. Ziel ist es, die Landwirtschaft stärker als Glied des gesamten Lebensumfeldes wahrzunehmen.

Diesem Ziel dient auch das Landwirtschaftliche Wissenssystem und die Vollzugsberatung des Kanton Bern, die das landwirtschaftliche Wissen bündeln und in die konkrete Bildung und Beratung der Akteure einfließen lassen sollen. Im Rahmen von staatlichen Direktzahlungen sollen darüber hinaus u.a. die Kulturlandschaften und deren Biodiversität erhalten, die Versorgungssicherheit gewährleistet und mögliche Anpassungen der Landwirtschaft sozialverträglich gestaltet werden. Insbesondere in der Schweiz ist es aufgrund der Möglichkeiten direkter Demokratie nötig, diese Maßnahmen intensiv zu kommunizieren, damit die Bürger diese auch akzeptieren und nicht verhindern.

Die EU-Agrarpolitik nach 2013 und deren Auswirkungen auf die Berglandwirtschaft erläuterte Ministerialrat Anton Dippold vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die EU-Kommission plant, eine Basisprämie zur Einkommenssicherung mit einer sogenannten verpflichtenden zusätzlichen Hilfe für bestimmte grüne Dienstleistungen zu verknüpfen.

Sowohl das Ministerium als auch der Bauernverband befürchten, dass die Vorschläge der EU-Kommission deutliche Kürzungen für die bayerischen Bauern mit sich bringen würden. Auch würden die Pläne eine Schwächung der Förderung für die benachteiligten Gebiete, zu denen das Berggebiet zählt, bedeuten. Deshalb plädiert Bayern dafür, das Zwei-Säulen-Modell, so wie es derzeit besteht, möglichst bei zu behalten. Nur mit einer ausreichenden staatlichen Förderung sind die schwierige Bewirtschaftung der Berglandwirtschaft und deren Beitrag zum Erhalt und der Pflege der Kulturlandschaft sicher zu stellen.