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Referat III/5 Recht, Geschichte und Kultur
Dr. Birgit Strobl
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Reformation und Gegenreformation in München

Augustinerkloster – heute Jagdmuseum
Karl der Große an der Fassade der Michelskirche
Die Teilnehmer mit Dr. Barbara Kink an der Mariensäule (Kampf des Putto mit der Schlange im Hintergrund)

Als Reaktion auf die Reformation in Deutschland wurden in Altbayern an vielen Orten Mariensäulen aufgestellt. Sie demonstrieren das Festhalten der bayerischen Herzöge am katholischen Glauben und sind auch ein politisches Bekenntnis. Der Informationstag, der am 13. November 2010 im Konferenzzentrum München zum Thema Reformation und Gegenreformation stattfand, beschäftigte sich mit den Ursachen und Auswirkungen der Glaubensspaltung. Bei einer anschließenden Stadtführung zu Stationen des allmählichen Zusammenwachsens von katholischer und evangelischer Bevölkerung wurden die Ereignisse der letzten Jahrhunderte auch für uns heute erlebbar gemacht.

Sehr früh schon reagierten die bayerischen Herzöge auf die Entwicklungen, die der Thesenanschlag Luthers ausgelöst hatte und die in der Folgezeit ganz Deutschland erschütterten. Auf der Konferenz von Grünwald – in München herrschte zu dieser Zeit die Pest – beschlossen sie schon wenige Monate nach der Reichsacht Luthers Religionsmandate, die z.B. den Druck evangelischer Werke und deren Verbreitung unter Strafe stellten. Nirgendwo sonst nördlich der Alpen hat die Gegenreformation so früh begonnen. Warum Bayern beim katholischen Glauben geblieben ist, lässt sich letztendlich nicht bestimmen. Sicher war jenseits der persönlichen Glaubensüberzeugung auch ein politisches Kalkül dahinter gestanden. Erst das Primogeniturgesetz Albrecht IV. ermöglichte eine Vereinigung der zuvor in Teilherzogtümer aufgespaltenen Herrschaft. Durch eine Glaubensspaltung im Land wollte man diese eben erst wiedergewonnene Einheit nicht wieder aufs Spiel setzen.

München als Hauptstadt der Gegenreformation hat mit seinem ehemaligen Augustinerkloster einen Originalschauplatz zu bieten. Hier hat Luther 1511 übernachtet und „gut baptisch geprediget“. 1558 entbrannte zudem ein Sängerstreit zwischen Augustinern, die Marienlieder sangen und Handwerkern, die mit lutherischen Chorälen und deutschen Psalmen dagegenhielten. Auch an der Kirche St. Michael als eine der Grablegen der Wittelsbacher lässt sich einiges ablesen. Sie ist ein ganz frühes Beispiel für Barock in Bayern. Rom wurde damit nach München gebracht. Die Fassade zeigt Ahnherren, auf die sich die Wittelsbacher berufen, so auch Karl der Große. Das konsequente Vorgehen gegen den evangelischen Glauben kann man an der Mariensäule beobachten. Hier stehen sogenannte Heldenputti, darunter einer, der gegen eine Schlange kämpft. Sie steht als Symbol für Ketzerei und Unglauben.

Relief am Max-Denkmal vor der Oper
Im Brunnenhof der Residenz: einst Kirchenraum, heute Theater

Unter König Max I. Joseph ändern sich die Verhältnisse langsam. Die Regenten der Folgezeit sind bewusst mit einer evangelischen Prinzessin verheiratet. Auch die evangelische Bevölkerung soll sich repräsentiert fühlen. Das Denkmal vor der Oper zeigt deshalb auch folgerichtig die „Versöhnung der Religionen“ im Relief.
Da mit den evangelischen Königinnen nun auch Räume für den Gottesdienst gebraucht werden, richtet man in der Residenz einen provisorischen Kirchenraum ein. Heute steht an dieser Stelle das Cuvilliéstheater.

Luther hatte die weiträumigen Konsequenzen der Glaubensspaltung sicher nicht beabsichtigt, als er seine Thesen in Wittenberg anschlug. Dies erlebt man oft bei der Betrachtung historischer Ereignisse. Auch Michail Gorbatschow hat sich in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhanges immer wieder derart geäußert. Wenn er vorausgesehen hätte, dass die Reformen von Glasnost und Perestroika diese Folgen haben würden, hätte er sie sicher nicht gewagt.