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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Starke Frauen Starke Worte: Im Gespräch mit Serap Cileli

Daniela Arnu und Serap Cileli im Gespräch

In der Veranstaltungsreihe Starke Frauen Starke Worte nahm die Menschenrechtlerin Serap Cileli Stellung bezüglich der Rechte und der gelebten Realität muslimischer Frauen – auch in Deutschland. Serap Cileli, die in der Türkei geboren wurde und in Deutschland aufwuchs, wurde selber mit 12 Jahren von ihren Eltern zum ersten Mal zwangsverlobt und mit 15 von Deutschland aus in die Türkei verheiratet. Sie fand in ihrer eigenen Familie keinerlei Unterstützung und wurde, wie sie es ausdrückt, „von ihren Eltern in ein Gefängnis übergeben.“ Ihr Vater drohte sogar, sie umzubringen, wenn sie sich ihm widersetze oder versucht hätte, vor ihrem Schicksal zu fliehen.

Seit ihrer geglückten Flucht vor fast 20 Jahren setzt sie sich in Deutschland für muslimische Mädchen und Frauen ein, denen ein ähnliches Schicksal widerfährt. Bei Starke Frauen Starke Worte erzählte Serap Cileli aber nicht nur von ihrer Arbeit und ihrem Leben, sondern kritisierte auch die Politik und die Gesellschaft in Deutschland und verlangt nach einer „harten Hand der Politik.“ Nach 50 Jahren, in denen der deutsche Staat in erster Linie auf Freiwilligkeit gesetzt und Angebote bereitgestellt hat, die lange Zeit nicht in Anspruch genommen wurden, müsse man erkennen, dass die Integration auf diesem Weg nicht gelingen könne. „Wir brauchen Druck und Sanktionen – nicht um die Menschen zu bestrafen, sondern um ihnen den richtigen Weg zu weisen.“ „Denn die Integration“ so Cileli weiter, „fängt im Elternhaus an. Die Werte und Traditionen dieses Landes müssen den Kindern im Elternhaus vermittelt werden. Es ist ein Problem, wenn die Kinder der dritten und vierten Generation sich hier nicht heimisch fühlen, wenn sie sich mehr von diesem Land entfernen als ihre eigenen Eltern und Großeltern.“

Daniela Arnu, Serap Cileli, Ursula Männle und Isabelle Kürschner

Cileli selbst arbeitet auch an Schulen und leistet dort Präventionsarbeit, denn sie erkennt: „Die Lehrer sind oft allein gelassen mit diesen Kindern. Ich arbeite an der Basis, ich spreche mit türkischen Mitbürgern.“ Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ist Cileli überzeugt: „Es ist ein langwieriger Prozess. Wir brauchen ein Konzept der Aufklärung. Wir werden erst spätere Generationen erreichen. Das ist sehr frustrierend. Es bewegt sich sehr langsam, es ist ein unermüdlicher Kampf. Es gibt Tage, an denen ich mich frage, wieso machst du das, kommst du überhaupt voran? Mir gehen die Entwicklungen in diesem Land einfach zu langsam. Vieles wird relativiert und verlangsamt. Es gibt Zeiten, wo ich einfach aufgeben möchte. Doch wenn ich dann einen Hilferuf bekommen, von einem 11- oder 12-jährigen Kind, einem Mädchen, das mir schreibt, bitte hilf mir, meine Eltern wollen mich zwangsverheiraten, dann muss ich einfach helfen.“

Ein Interview mit Serap Cileli erscheint in der Januar/Februar-Ausgabe 2011 der Politischen Studien.