Kontakt
Referat II/7 Arbeit und Soziales, Demographischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren
Dr. Susanne Schmid
Tel.: 089 1258-213 | Fax: -469
E-Mail: schmids@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
Starke Frauen Starke Worte: Botschafterinnen im Gespräch
Heute ist es selbstverständlich, dass die Diplomatie auch ein weibliches Gesicht hat. 17 der 150 Diplomatischen Vertretungen in Berlin werden derzeit von Frauen geleitet. Obwohl diese Anzahl immer noch sehr gering erscheint und Frauen damit als Botschafterinnen in Berlin nur knapp elf Prozent ausmachen, ist diese Entwicklung durchaus positiv zu betrachten. Denn es ist noch gar nicht allzu lange her, dass Frauen in vielen Funktionen „die Erste“ sein mussten. Bei der Veranstaltung „Botschafterinnen im Gespräch“ aus der Reihe Starke Frauen Starke Worte am 16. Dezember 2010 konnten die Gäste erfahren, wie Frauen das männlich geprägte Feld der Diplomatie gestalten und verändern können.
Nach den Eingangsstatements der Bundestagsvizepräsidentin und Mitglied des Vorstands der Hanns-Seidel-Stiftung, Gerda Hasselfeldt, sowie der bayerischen „Botschafterin“ in Berlin, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Emilia Müller, berichteten die Gäste auf dem Podium von ihren Erfahrungen als Frauen im diplomatischen Dienst und in der internationalen Politik. Deutschland, das wurde schnell deutlich, fehlt es besonders im Bereich der Diplomatie nach wie vor an Vorbildern. Im Gegensatz zu anderen Ländern gab es in der Bundesrepublik noch nie eine Außenministerin und auch unter den entsandten Botschaftern machen Frauen lediglich zehn Prozent aus. Dies ist im internationalen Vergleich ein sehr geringer Anteil.
Die Podiumsteilnehmerinnen waren sich einig, dass die Bundesrepublik, was die Karrierechancen von Frauen angeht, im Vergleich zu anderen Ländern zehn bis 15 Jahre hinterher hinkt. Schuld sind insbesondere veraltete Rollenmuster, die gerade Frauen mit Familie strukturell benachteiligen, so das Urteil der Disputantinnen, die selbst auf persönliche Erfahrungen im internationalen Umfeld zurückblicken können. Umso wichtiger sind deshalb der Austausch und die Vernetzung untereinander, um Erfahrungen weiterzugeben und gemeinsam für Verbesserungen einzutreten.
Frauen können im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik bisher nur auf eine relativ kurze Geschichte zurück blicken. Im Jahre 1953 wurde Margarethe Sztollar-Gröwel erste Leiterin einer deutschen Auslandsvertretung in Houston, Texas. Bis die erste Frau als Botschafterin ins Ausland entsandt wurde, dauerte es noch einige Jahre: 1969 wurde Professorin Ellinor von Puttkamer Botschafterin beim Europarat in Straßburg. Heute leiten immerhin 21 Frauen die gut 200 deutschen Vertretungen im Ausland. Insgesamt macht ihr Anteil unter den Mitarbeitern im Auswärtigen Amt 45 Prozent aus. Allerdings wird bei genauerem Hinsehen deutlich: Je höher es in den Hierarchie-Ebenen nach oben geht, desto weniger Frauen sind dort zu finden. Im Höheren Dienst ist das Geschlechterverhältnis bereits 75 zu 25 Prozent. In den Vorzimmern, bei den Schreib- und Telefondiensten sind es hingegen vier zu 96 Prozent.
Doch es gibt auch Anlass, optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn der Trend weist eindeutig nach oben: In den letzten 5 Jahren wurden im Schnitt über 42 Prozent Frauen als Anwärterinnen im Auswärtigen Amt eingestellt. Und während 2001 nur 7,3 Prozent der Führungskräfte weiblich waren, sind es heute immerhin schon 17,6 Prozent. Zwar geht es nur langsam voran, doch zeigen die Zahlen deutlich, dass das Auswärtige Amt sich erfolgreich darum bemüht, mehr Frauen für den diplomatischen Dienst zu gewinnen und sie auch aktiv in Führungspositionen zu befördern.

Themen

