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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Der schwierige Weg des Islam in die Moderne

Im Oktober des letzten Jahres veröffentlichte der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad sein Buch „Der Untergang der islamischen Welt“. Er prognostiziert darin den Niedergang der islamischen Welt in absehbarer Zeit. Seit der „Jasmin-Revolution“ in Tunesien, Ende Dezember 2010, befindet sich die arabisch-islamische Welt nun im radikalen Wandel. Dieses aktuelle Thema wurde vom 15. bis 17. Juli 2011 in Wildbad Kreuth eingehend erläutert und diskutiert.

Für Hamed Abdel-Samad kann ein „Gottesstaat“ nicht die Lösung sein

Das letzte Kapitel seines Buches überschrieb Abdel-Samad mit „Aufbruch oder Zusammenbruch“ und inzwischen ist es tatsächlich zu einem Aufbruch in mehreren arabischen Staaten gekommen, auch wenn die weitere Entwicklung noch im Dunkeln liegt. Dass ein „Gottesstaat“ nicht die Lösung ist, dafür bieten Iran und Afghanistan abschreckende Beispiele. Dass die Religion ein Teil des Problems und nicht ein Teil der Lösung ist, sieht Abdel-Samad durch ihre Rolle in der Vergangenheit als erwiesen an.

Die Betrachtung der Geschichte verführt dazu, sagt Abdel-Samad, allein den eigenen Standpunkt für richtig zu halten und aus der Distanz zur westlichen Welt die eigene Identität zu betonen. Dabei verdanken wir einander viel: Große Zeiten der Wissenschaft und Kultur im arabischen Raum, in denen sich altgriechische Elemente mit arabischen verbanden, haben sich bis zu uns ausgewirkt und das Mittelalter beeinflusst. Andererseits ist die europäische Aufklärung bislang einmalig in der Welt geblieben, während sich im arabischen Raum in den vergangenen Jahrhunderten wieder die Religion an die erste Stelle gesetzt hat und nicht das Wissen. Eine moderne Theologie des Islams muss die Aussagen des 7. Jahrhunderts und damit den Koran für die heutige Zeit verstehbar machen, und auf die Führungsrolle im Staat verzichten.

Senem Özkul belegte mit Zahlen, dass der Anteil der Frauen in leitenden Funktionen in der Türkei deutlich höher ist als in Deutschland
Elif Duygu Cindik bezeichnete sich als „Brückenbauerin und Mediatorin“ zwischen den Kulturen von Orient und Okzident

Zwei türkischstämmige Frauen, die Literaturwissenschaftlerin Dr. Senem Özkul  und die Münchner Psychiaterin und Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Elif Duygu Cindik, beschäftigten sich mit der Lage und Rolle der Frauen in der Türkei und der türkischstämmigen Frauen in Deutschland. Seit Atatürk, konstatierte Özkul, ist der Islam nicht mehr Staatsreligion und die Türkei damit Vorreiter im islamischen Bereich. Bereits 1924 wurde die Koedukation eingeführt und 1925 Fes und Kopftuch abgeschafft. Nichtsdestotrotz gibt es derzeit Anlass zur Sorge angesichts des Erstarkens religiöser Symbole in der Türkei. Nach Ansicht Özkul bestimmen Herkunft und Erziehung – wie in Deutschland – den Werdegang junger Frauen, zudem das soziale und örtliche Umfeld und die Schulbildung. Sie belegte mit Zahlen, dass der Anteil der Frauen in leitenden Funktionen in der Türkei deutlich höher ist als in Deutschland.

Eine „Patchworkidentität“ bescheinigte sich Elif Duygu Cindik, die sich als Deutsche türkischer Abstammung bezeichnet und in Deutschland und in Harvard studiert hat, während ihre Großeltern noch aus einfachen Verhältnissen stammten. Angst vor Islamisierung sei auch vielen Türken gemeinsam, genauso wie die Ansicht, dass Religionsunterricht unter staatlicher Kontrolle stattfinden muss.

Herbert Mair berichtete von den vielen vertanen Chancen beim Ausgleich politischer Interessen zwischen arabischen Staaten und Israel

Herbert Mair, Journalist, der Jahrzehnte den Orient bereist hat und dessen Geschichte kennt, berichtete von den vielen vertanen Chancen beim Ausgleich politischer Interessen zwischen arabischen Staaten und Israel. Er urteilte besonders kritisch über die Rolle Saudi-Arabiens, da es mit viel Geld den Terrorismus unterstütze. Er äußerte aber auch die Überzeugung, dass die Aufklärung in die arabischen Staaten kommen und es ein gewaltfreies Leben geben werde.

Die Referenten stellten sich auch den zahlreichen Fragen der Seminarteilnehmer. Dabei ging es vor allem um die Revolution im arabischen Raum, die durchaus nicht überraschend kam. Sowohl Cindik und Abdel-Samad bezeichneten sich als „Brückenbauer und Mediatoren“ zwischen „Streithähnen“. Abdel-Samad sprach von „zwei Geschwindigkeiten“, in denen die Entwicklung in den arabischen Staaten ablaufen werde, und er wagte die Prognose, dass es in den nächsten zehn Jahren schon zwei bis drei demokratische Staaten geben werde, während die anderen noch etwas länger brauchen würden.