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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Unsere Russlanddeutschen - Integration und Zukunft

Adolf Fetsch, Bernd Rill und Alfred Eisfeld
Barbara Dietz, Waldemar Eisenbraun, Bernd Rill, Johannes Luff und Heinrich Olmer

Es ist viel die Rede von Migranten aus allen Weltgegenden, die an die Integrationsfähigkeit unserer bundesrepublikanischen Gesellschaft erhebliche Anforderungen stellen. Die sogenannten Russlanddeutschen kommen dabei oft zu kurz. Eine Expertentagung am 29. November 2011 im Konferenzzentrum München stellte sie daher thematisch in den Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen wurde eine besondere deutsche Bevölkerungsgruppe ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, nämlich die Aussiedler und Spätaussiedler aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion, deren Vorfahren vor vielen Generationen aus Deutschland nach Russland kamen, und die dann unter dem stalinistischen Terror unsäglich leiden mussten. Dabei handelt es sich bei ihnen gemäß Art. 116 unseres Grundgesetzes um deutsche Staatsbürger, die nach ersten Anlaufschwierigkeiten (die Ausreise begann schwerpunktmäßig Ende der 1980er-Jahre) leistungsfähige Mitglieder unserer Gesellschaft geworden sind. Wir haben in ihnen durchaus keine Gruppe hilfsbedürftiger Bittsteller vor uns, sondern vielfach qualifizierte Wirtschaftssubjekte, Steuer- und Beitragszahler, die sogar unsere demographischen Probleme etwas abzufedern helfen. Etwa 2,8 Millionen beträgt ihre Gesamtzahl in der Bundesrepublik, davon ca. 600 000 im Freistatt Bayern. Die Integration ist, insgesamt gesehen, noch nicht als abgeschlossen zu betrachten, aber die Probleme, die sie noch aufwirft, dürfen als überschaubar bezeichnet werden.

Adolf Fetsch

Hier nur drei Beispiele: Es wird moniert, dass der Zuzug mittlerweile fast zum Erliegen gekommen ist, obwohl noch hunderttausende Deutsche (genaue Zahlenangaben sind hier allerdings kaum möglich) in Sibirien, Kasachstan und anderen zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion auf ihre Ausreise warten. Das liege daran, führte Adolf Fetsch aus, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, dass der Nachweis von deutschen Sprachkenntnissen im Aufnahmeverfahren überbewertet werde. Man ignoriere, dass die Deutschen in der Sowjetunion von Staats wegen lange Jahrzehnte gewissermaßen geächtet waren, so dass sie ihre Muttersprache nicht im öffentlichen Raum pflegen konnten und auch keine Unterstützung für kulturelle Aktivitäten zur Sprachpflege erhielten. Mittlerweile würden ihnen in ihren Deportations- bzw. Siedlungsgebieten Deutsch-Kurse angeboten, doch deren positive Ergebnisse würden – völlig sinnwidrig – zu wenig anerkannt, da man im Aufnahmeverfahren auf den Spracherwerb in der Familie abstelle. Es fehle die Bereitschaft, sich auf die Vorstellung einzulassen, dass jemand sich zum Deutschtum bekennen könne, ohne die deutsche Sprache zu beherrschen, da man die besonderen historischen Gegebenheiten, denen die Deutschen in der Sowjetunion unterworfen waren, nicht berücksichtige.

Die Veranstaltung wurde musikalisch von Wladimir Wilkomirski (Violine) und Friedrich Hafner (Akkordeon) umrahmt.

Ferner müsste die Praxis der Anerkennung von in der Sowjetunion erworbenen Bildungsabschlüssen großzügiger gehandhabt werden. Wenn ein „drüben“ ausgebildeter Arzt hier nur als Krankenpfleger eingesetzt werden darf, dann bedeutet das eine Verschwendung an humanen Ressourcen. Die Bundesregierung bemüht sich um Modelle, die Einwanderung qualitativ zu steuern, so wie dies andere Länder mit starker Einwanderung schon lange praktizieren, aber paradoxerweise schöpfe sie dabei das Potenzial der Russlanddeutschen noch viel zu wenig aus. Jedoch sind dabei Detailprobleme nicht zu verkennen. So ist einem universitären Abschluss in Russland nicht immer diejenige Seriosität zuzuerkennen, die wir von in Deutschland erworbenen Studienabschlüssen erwarten. Auch in der Gewichtung von Fächern innerhalb einer Studienordnung können Unterschiede auftreten.

Drittens vermissen die Russland-Deutschen eine institutionalisierte Kulturförderung zu ihren Gunsten, wie sie den Vertriebenen zuteil wird. Denn die Russland-Deutschen haben ein diesen durchaus vergleichbares Schicksal erlitten. Sie sind sich - auch insofern mit Schlesiern, Ostpreußen, Sudetendeutschen etc. vergleichbar - einer besonderen Identität als Gruppe bewusst, die durch die Aufnahme in ihre alte Heimat nicht etwa infolge fortschreitender Assimilation zu verschwinden drohte. Das Gedenken an das gemeinsame, harte Schicksal, das historisch unverwechselbar ist, und das für das Bewusstsein der Einheimischen nicht einfach nachvollziehbar ist, hält die Russlanddeutschen auch hierzulande zusammen. Hier ist für das breite Publikum noch Informationsarbeit zu leisten, und eine Publikation der Bundeszentrale für Politische Bildung in diesem Zusammenhang wäre sehr wünschenswert.