Kontakt

Akademie für Politik und Zeitgeschehen
Leiter: Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser
Tel.: 089 1258-240 | Fax: -469
E-Mail: meier-w@hss.de

Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Aktiviere Cookies!
 
Seite hinzufügen
löschen
 

Aktives Altern und demographischer Wandel

Diskussion mit Martin Kastler, Jana Heinze, Sebastian Lentz, Karin Kekulé, Andreas Kruse, Sabine Wenng, Konrad Weckerle
Prof. Dr. Andreas Kruse, Leiter d. Instituts für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der demographische Wandel bringt es mit sich, dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zukunftsaufgaben von weniger und im Durchschnitt älteren Menschen bewältigt werden müssen. In der Öffentlichkeit werden allerdings die Leistungen und Potenziale älterer Menschen vielfach noch nicht angemessen wahrgenommen und gewürdigt. Dies hat die Europäische Kommission zum Anlass genommen, das Jahr 2012 zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" zu ernennen und damit ein wichtiges Signal hin zur Schaffung einer Gesellschaft für alle Altersgruppen zu geben. Aktives Altern bedeutet, bei guter Gesundheit und als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft älter zu werden, ein erfülltes Berufsleben zu führen, im Alltag unabhängig und als Bürger engagiert zu sein.  

Im Rahmen des Europäischen Jahres 2012 veranstaltete die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen eine Fachtagung zum Themenfeld "Aktives Altern und demographischer Wandel". Etwa 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich am 20. September 2012 im Konferenzzentrum München über die Chancen und Herausforderungen demographischer Alterung und die politisch-sozialen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Tagungsmoderation oblag Karin Kekulé vom Bayerischen Fernsehen BR.  

Die Fachtagung wurde eröffnet durch Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen und MDirig Franz Wölfl, Leiter der Abteilung Generationenpolitik und Sozialversicherung im Bayerischen Sozialministerium. Als erster Vortragender erläuterte Martin Kastler, MdEP, in seiner Funktion als Berichterstatter des Europäischen Parlaments und als Sozial- und Entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe die Hintergründe und Ziele des Europäischen Jahres 2012. Laut Kastler "hat das Europäische Jahr klar gemacht, Europa braucht eine echte, eine nachhaltige Kultur für aktives Altern und es kann noch viel mehr tun, um den demographischen Wandel aktiv zu gestalten". Im Anschluss daran stellte Dr. Jana Heinze (Referentin für demographischen Wandel bei econsense – Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft) personalpolitische Antworten auf den demographischen Wandel vor und veranschaulichte diese durch "Best-Practice-Beispiele" von BASF, BMW, SAP und Bayer. Mit dem von Bevölkerungsalterung und -schrumpfung besonders betroffenen Bundesland Sachsen-Anhalt befasste sich Prof. Dr. Sebastian Lentz, Direktor des Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig. Anhand einer Typisierung der demographischen Entwicklungstrends innerhalb Europas unterstrich er die Sonderstellung der neuen Bundesländer. Allerdings deuten sich in vielen Regionen Westdeutschlands, Italiens, Spaniens, Griechenlands und in den Alpenländern bereits vergleichbare Entwicklungen wie in Sachsen-Anhalt und den übrigen Teilen Ostdeutschlands an. Lentz folgerte daraus, dass es in diesen Regionen ein ähnliches Interesse an der Etablierung demographieorientierter Strukturprogramme geben dürfte und man daher kooperieren und voneinander lernen sollte. In seinem Impulsvortrag vor der Podiumsdiskussion sprach Prof. Dr. Andreas Kruse (Leiter des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) über aktuelle und zukünftige Chancen und Herausforderungen Aktiven Alterns. Kruse plädierte dafür, die bestehenden Altersbilder zu hinterfragen und das Humanvermögen älterer Menschen in der Arbeitswelt, der Zivilgesellschaft und für den Generationendialog kreativ zu nutzen. Eindringlich beschrieb er die Verletzlichkeit im Alter und mahnte eine Kultur an, in der diese Verletzlichkeit ohne Abwertung durch andere Menschen gelebt werden kann. Des Weiteren hob er die Relevanz sorgender Gemeinschaften hervor, in denen ältere Menschen für andere aktiv werden können, aber auch selbst Unterstützung finden.  

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch eine Podiumsdiskussion zu "Aktivem Altern in Eigen- und Mitverantwortung". Neben den genannten Referenten setzten auch Sabine Wenng (Leiterin der Koordinationsstelle Wohnen im Alter) sowie Prof. Dr. Konrad Weckerle (Landesvorsitzender der Senioren-Union der CSU) wichtige Diskussionsimpulse. So beobachtete Wenng bei den Wohnprojekten einen Wandel hin zur Weiterverbreitung und -entwicklung von Wohnmodellen, wobei das betreute Wohnen zuhause den größten Raum einnimmt. Wenng geht davon aus, dass alternative Wohnmodelle künftig zunehmen und sich ausdifferenzieren werden. Bereits heute unterscheidet man zwischen betreuten Wohnanlagen, Hausgemeinschaften, generationsübergreifenden Wohnprojekten und ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Weckerle machte in seinem Impulsstatement deutlich, dass Altern ein lebenslanger Prozess ist, der die Eigen- und Mitverantwortung von Jung und Alt betrifft. Er führte weiter aus, dass die Solidarität zwischen den Generationen nicht angeordnet werden kann, sondern aus dem gegenseitigen Verständnis zueinander erwachsen muss. Auch verlangt Generationensolidarität einen Beitrag von Alt und Jung, weil beide aufeinander angewiesen sind.  

Ein wichtiges Fazit der Veranstaltung lautete: Die für die Gesellschaft nützlichen Potenziale älterer Menschen sollen angemessen wahrgenommen und gewürdigt werden. Dazu bedarf es eines Altersbildes, das die Stärken älterer Menschen betont und dazu führt, dass diese ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten können. Leistungsfähigkeit, Kreativität und Innovationskraft sind auch jenseits der Lebensmitte vorhanden. Jedoch setzen aktives Altern und Generationensolidarität die Eigen- und Mitverantwortung sowie den Beitrag jedes Einzelnen voraussetzt. Auf Seiten von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen Anpassungen erfolgen, die sowohl Jugendschwund wie Alterung Rechnung tragen. Hierbei gilt es das Potenzial älterer Menschen verstärkt zu mobilisieren und es ihnen zu ermöglichen, ein unabhängiges Leben zu führen.

Das Programm zur Tagung