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Referat II/5 Technologie, Medien und Kultur, Jugend und Gesundheit
Prof. Dr. Siegfried Höfling
Tel.: 089 1258-246 | Fax: -469
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Dialog digitale Zukunft

Ulrich Wilhelm, Hans Zehetmair, Thomas Knüwer, Wolfgang Büchner, Eberhard Sinner, Werner Weidenfeld, Bernd Lenze
Werner Weidenfeld
Ulrich Wilhelm und Hans Zehetmair

Am 12. November 2012 lud der medienpolitische Arbeitskreis der Hanns-Seidel-Stiftung erstmals zu einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema digitale Zukunft ein. Im Mittelpunkt standen Bedeutung und Notwendigkeit des Qualitätsjournalismus für die digitale Gesellschaft. “Der Kampf um den Bildschirm" lautete der Titel des Vortrags von  BR-Intendant Ulrich Wilhelm, in dem es um die Zukunft des Qualitätsjournalismus im Zeichen von Smart-TV ging. Wilhelm beschrieb darin die revolutionären Innovationen der Kommunikationsmedien. Schnelle und unkomplizierte Übertragung mittels Breitbandtechnologie und die Möglichkeit, Informationen gleichzeitig zu jeder Zeit zu Verfügung zu haben, bestimmen die Kommunikation, die Informations- und Wissensvermittlung in der gesamten Welt. Inhalte werden aufgrund der neuen Kommunikationsstrukturen nun von einer Vielzahl von Infrastrukturbetreibern geschaffen, die im originären Sinne zuvor keine Inhaltsproduktion betrieben haben. Mit Hilfe der unterschiedlichen Medien und digitalen Plattformen, vor allem auch der „Social Media“ werden zunehmend Teilöffentlichkeiten, also stark differenzierte Zielgruppen geschaffen. Dies geschieht über die Bildung von Nutzerprofilen, Suchalgorithmen und anderen Vorsortierungen. Eine hochspezifizierte, freie und pluralistische Gesellschaft braucht aber einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Für diesen öffentlichen Diskurs bedarf es des Qualitätsjournalismus. Der Journalist überprüft seine Informationsquellen, bürgt für sein Informationsprodukt. Er kann auch verantwortlich für seine Berichte gemacht werden. Qualitätsmedien bilden Verantwortungsgemeinschaften. Sie sind unverzichtbar für die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Im digitalen Zeitalter muss der Qualitätsjournalismus mehr Anstrengungen unternehmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Er muss in den unterschiedlichen Medien auffindbar sein. Daher wird es unverzichtbar, dass Qualitätsjournalismus zur linearen Nutzung auch die interaktive und die „On-Demand-Nutzung“ betreibt. Das lineare Fernsehen wird auch in Zukunft seine Stärken ausspielen können, vor allem wenn es sich auf bestimmte Anlässe, wie z.B. Wahlnächte oder Sportereignisse bezieht. Zugleich muss es aber auch interaktiver werden und seine Inhalte nicht-linear und „On-Demand“ präsentieren können. Nur so können gesamtgesellschaftliche Öffentlichkeiten erreicht werden. Im Fernsehen der Zukunft wird der Nutzer nicht mehr unterscheiden zwischen Internet- und Rundfunksignal.

Beim Blick auf die digitale Zukunft oder auf eine digitale Gesellschaft unterstrichen die Podiumsteilnehmer aus dem Bereich des öffentlich-rechtlichem Rundfunks (Ulrich Wilhelm), der Printmedien (Martin Balle, Wolfgang Büchner) der Digitalen Medien (Thomas Knüwer) und der politischen Wissenschaft (Werner Weidenfeld) die Bedeutung einer differenzierten Betrachtungsweise der "Digitalen Revolution". Das Leben im digitalen Zeitalter wird immer komplexer. Menschen benötigen angesichts dieser Masse an auf sie einströmenden Informationen eine angemessene Filterung. Es gibt ein menschliches Bedürfnis nach Erklärungen, Deutungen und sinnvollen Zusammenhängen und Mustern. Digitale Medien mit ihren Algorithmen zeichnen sich durch einen Mangel an Deutungskraft aus. Qualitätsjournalismus kann diesen Mangel ausgleichen, sofern er sich seiner Leistungsstärke bewusst bleibt bzw. wieder bewusst wird und entsprechende Unterstützung erfährt. Neue Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus in den traditionellen Medien, aber besonders im digitalen Netz, sind nötig, denn die derzeitigen originären journalistischen Modelle sind bis auf wenige Ausnahmen nicht wirtschaftlich. Zum Qualitätsjournalismus gehört, dass man sein Publikum kennt. Im regionalen Bereich sind die Möglichkeiten nicht richtig erschlossen, hier ließe sich auch im Internet das notwendige Geld für guten Journalismus verdienen (lokaler Aspekt). Qualitätsjournalismus muss in der digitalen Welt um Aufmerksamkeit kämpfen, Themenstrecken bauen, mehrere Ressorts und Wissensgebiete einbinden und wichtige Themen zeitlich präsent halten. Der Aufmerksamkeitsaspekt ist ein existentieller Faktor des Qualitätsjournalismus im multimedialen Zeitalter. 

Neben dem Wunsch nach Individualität und dem hohen Wert der Kommunikationsfreiheit, der vor allem bei jungen Menschen besonders ausgeprägt ist, spielt die generelle menschliche Sehnsucht nach Zugehörigkeit, kollektivem Erleben und Verbundenheit eine wichtige Rolle. Alle Medien müssen daher interaktiver werden. Das Senden und Verbreiten von Informationen allein reicht nicht aus. Der Dialog mit den Nutzern (nicht Konsumenten) muss zukünftig in allen Medien anders als bisher organisiert werden.

Politik ist auf Interessensausgleich bedacht. Im öffentlichen Diskurs wird um den Konsens gerungen, um politische Entscheidungen vorzubereiten. Digitale „Liquid Democracy“ ist eine gute Strategie zur politischen Entscheidungsvorbereitung, die allerdings einer redaktioneller Ebene bedarf („Liquid Publishing“). Politik braucht hierfür die gesamtgesellschaftliche Öffentlichkeit, sie braucht alle Medien. Eine demokratische Gesellschaft, die nicht synchronisiert ist, die sich in Teilöffentlichkeiten zersplittert, hat große Schwierigkeiten zu diskutieren. Sie verliert ihren Zusammenhalt (Gemeinschaftsaspekt). Der Zielgruppenaspekt sollte für den Qualitätsjournalismus von nachrangiger Bedeutung sein. Trotz oder gerade wegen der Schnelligkeit, Gleichzeitigkeit und Allgegenwärtigkeit digitaler Medien ist für den gesamtgesellschaftlichen Diskurs Entschleunigung notwendig. „Nicht allein die technischen Möglichkeiten, sondern den Menschen zu sehen“ war das Schlusswort des umsichtig leitenden Moderators Eberhard Sinner. Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die Vertreter der verschiedenen Medien nicht in ihren Gräben verharren, sich abschotten und Verdrängungskämpfe organisieren, sondern dass sie sich ihrer gemeinsamen Verantwortung für die pluralistische, demokratische Gesellschaft bewusst sind. Qualitätsjournalismus kann die sinnvolle Klammer für das Zusammenwirken der traditionellen und neuen Medien sein, mit der die digitale Zukunft gestaltet werden kann. Videos von der Veranstaltung folgen in Kürze.

 

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