Kontakt

Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
Tel.: 089 1258-226 | Fax: -469
E-Mail: franke@hss.de

Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Aktiviere Cookies!
 
Seite hinzufügen
löschen
 

Energieperspektiven in Europa

Diskutierten gemeinsam die Energie-Strategien der EU und der Mitgliedsländer: Harald Bradke, Werner Burkhart, Peter Witterauf, Henning Arp, Severin Fischer
Henning Arp hielt einen Vortrag über den Energiefahrplan der EU

Ausstieg aus der Atomenergie, Ausbau der erneuerbaren Energie und Klimaschutz - das sind Ziele, die sich Deutschland mit der „Energiewende“ gesteckt hat. Doch wie sieht es in den anderen Ländern Europas aus: Welche Akzente setzen sie in ihrer Energiepolitik? Welche Vorstellungen verfolgt die Europäische Union in ihrem Energiefahrplan? Diesen und weiteren Fragen stellte sich das Energiepolitische Kolloquium am 24. Juli 2012 in München.

Vor gut einem Jahr fasste Deutschland den Beschluss zur Energiewende – ein Thema, das weithin mit Spannung beobachtet wird, wie die Hanns-Seidel-Stiftung auch in ihren Auslandsvertretungen feststellt, so Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Witterauf in seiner Begrüßung. Für die Ethik-Kommission Sichere Energieversorgung, die im Vorfeld des Beschlusses eingesetzt worden war, stand fest: Wir müssen wo immer möglich die Risiken minimieren. Zur Atomkraft gibt es jetzt und perspektivisch Alternativen (siehe Bericht von Alois Glück). Die Umsetzung indes ist alles andere als einfach. Die Vorauss etzungen für Sonnen-, Wind-, Wasser- oder Biomassenutzung sind nicht überall gleich und neue Anlagen und Technologien stoßen hierzulande oft auf Widerstände.

Wie unterschiedlich die Energiestrategien und die Voraussetzungen sind, veranschaulichten die Referenten in der Diskussion. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Werner Burkhart, Vize-Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation a.D., hat das Reaktorunglück von Fukushima in weiten Teilen der Welt nicht viel geändert: „Es sind nur wenige Länder, die die Kernkraft deswegen in Frage stellen. Andere Entwicklungen, wie neue Erdgasfunde oder Nutzungsmöglichkeiten von Schiefergas, spielen bei der Wahl des Energiemix eher eine Rolle wie auch die Tatsache, dass der Neubau eines Atomkraftwerkes spezielles Knowhow und gewaltige Finanzmittel erfordert“. Der Berliner Politikwissenschaftler Severin Fischer verwies auf die sehr heterogene Situation innerhalb der Europäischen Union (EU), in der es zwar gemeinsame Zielvereinbarungen gibt, der Energiemix aber Ländersache sei. Demnach sieht sich Großbritannien stark dem Klimaschutz verpflichtet und setzt daher auf einen Mix aus Kernenergie, erneuerbare Energien und fossile Brennstoffe mit CCS-Technologie (CO2-Abscheidung und –Speicherung). Polen hingegen sei bei der Energieerzeugung nach wie vor von seinen Stein- und Braunkohlevorkommen abhängig.

„Fest steht: Der derzeitige Energiemix ist nicht nachhaltig“, so Dr. Henning Arp, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in München. Es sind noch große Anstrengungen notwendig, um das Dekarbonisierungs-Ziel der EU zu erreichen. Dieses sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent zu senken (im Vergleich zum Jahr 1990). Mit dem "Energiefahrplan 2050" hat die Europäische Kommission verschiedene Szenarien erarbeitet und ausgewertet. Dabei zeigt sich - egal, wie der Energiemix aussieht - Energieeinsparung und Energieeffizienz sind das oberste Gebot. Das zweite wichtige Element ist die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien. Speichertechnologien sind für die weitere Entwicklung ein kritisches Element, sie müssen einen erheblichen Beitrag leisten, falls ihre Kommerzialisierung gelingt. Auch Gas wird für den Umbau des Energiesystems von entscheidender Bedeutung sein. Die Kapitalkosten werden steigen, da Investitionen in Kraftwerke und Stromnetze, intelligente Stromzähler, Dämmstoffe etc. notwendig sind. Mit der Modernisierung des Energiesystems sind, so Arp, allerdings auch große Chancen für Industrie und Dienstleistungsanbieter sowie Forschung und Innovation verbunden. Dies sah auch Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke so. Der Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme im Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sieht außerdem noch enorme Potentiale für mehr Energieeffizienz, die – obwohl hoch rentabel - oft allein aus Kenntnismangel, anderen Prioritäten und nur kurzfristig gedachten Renditevorstellungen scheitert: „Wir müssen hier ein Bündel von Hemmnissen abbauen.“

Auch wenn Fischer den Energiefahrplan der EU aufgrund der eingeschränkten Kompetenzen als „Simulation“ bezeichnet, so versprachen sich die Diskutanten insgesamt doch eine Reihe von Vorteilen, die eine stärker europäisch ausgerichteten Herangehensweise mit sich brächte. Erneuerbare Energien könnten dann dort zum Einsatz kommen, wo sie besonders rentabel sind. Flexible Ressourcenverfügbarkeit und Marktintegration würden im Vergleich zu parallelen nationalen Systemen nicht nur Effizienz-, sondern langfristig auch Kostenvorteile ermöglichen. Hinsichtlich der Versorgungssicherheit bestünden ebenfalls mehr Optionen– ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn man bedenkt, dass die Nachfrage nach Energie weltweit steigt und dies bedeutet, dass die EU einer zunehmenden Konkurrenz um Energieressourcen ausgesetzt ist, so Arp.

Links:

Europäische Kommission: Energiefahrplan 2050. Brüssel, den 15.12.2011

Europäische Kommission: Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050. Brüssel, den 8.3.2011

Energie-Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung in Brüssel vom 25. April 2012

Energie-Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung zum Thema Kernfusion am 21. Juli 2010