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Expertentagung: Weltwirtschaft im Wandel

Josef Braml, Martin Wagener, Christian Hacke, Werner Weidenfeld
Heinz Gärtner, Alexander Wolf, Stefan Fröhlich

Die Expertentagung am 22./23. November 2012 stand unter dem Motto „Weltwirtschaft im Wandel – Herausforderungen für die transatlantischen Beziehungen“. Im ersten Panel wurden Faktoren des weltwirtschaftlichen Wandels erörtert. Der Moderator Prof. Dr. Christian Hacke, (ehem. Universität Bonn), zeigte einleitend auf, dass es um vier Punkte gehe, nämlich um die Fragen nach Führung, Verantwortung, Legitimität und Macht.
Prof. Dr. Martin Wagener (Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung) beschäftigte sich mit den Folgen der strategischen Schwerpunktverlagerung der USA in den Pazifik. „Die präventive Eindämmung Chinas ist ein Hauptziel des Amtsinhabers im Weißen Haus.“ Dies könne zu einer Konfliktverschärfung im pazifischen Raum führen. Aufgrund dieser Entwicklung und des geringen finanziellen Spielraums der USA werden die Europäer in den nächsten Jahren stärker gefordert sein.
In seinem Impulsvortrag über die Krise Europas warf Prof. Dr. Werner Weidenfeld (Ludwig-Maximilians-Universität München) die Frage auf, ob die EU noch weltpolitisch handlungsrelevant sei. „Um eine Chance zu haben, gehört zu werden, müssen wir als EU gemeinsam auftreten.“ Außerdem hob er hervor, dass die Bedeutung von smart power im Verhältnis zur soft und hard power erheblich zugenommen hat. „Heute ist die Deutungs- und Erklärungsmacht am wichtigsten.“
Dr. Josef Braml (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin) konstatierte in seinem Impulsvortrag die Handlungsschwäche des liberalen Hegemons. Nur wenn die USA Sicherheit, freien Handel und eine stabile Leitwährung gewährleisten kann, sei sie als solcher zu bezeichnen. „Momentan ist dies nicht zu 100 Prozent gegeben.“ Braml kam zu dem Schluss: „Der liberale Hegemon wird zukünftig nicht mehr so liberal sein, sondern seine nationalen Interessen enger auslegen.“ Globale Ordnungsaufgaben werden daher stärker verteilt werden.

30 Experten waren der Einladung nach Wildbad Kreuth gefolgt

Im zweiten Panel standen die transatlantischen Unterschiede in der Krisenbewältigung im Fokus. Der Moderator, Prof. Dr. Stephan Bierling (Universität Regensburg), stellte eingangs die berechtigte Frage, ob Wirtschaftspolitik  nicht die eigentliche Machtpolitik des 21. Jahrhunderts sei.
Prof. Dr. Matthias Fifka (Cologne Business School) zeigte Ähnlichkeiten und Unterschiede im Umgang der USA und Europas mit der Finanzkrise auf. Es gebe viele Parallelen bei der Geld- und Fiskalpolitik, allerdings sei die Geschwindigkeit der Umsetzung von Maßnahmen und Reformen unterschiedlich, ebenso wie die Ansätze der Finanzmarktreform. Auf beiden Seiten des Atlantiks könne jedoch nur nach der Trial-and-Error-Methode vorgegangen werden: „Niemand weiß was passiert, wenn man eine Maßnahme ergreift.“
Im Rahmen seiner Betrachtungen der Machtverschiebungen aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise beleuchtete Dr. Jens van Scherpenberg (Ludwig-Maximilians-Universität München) die Währungsfrage als Machtfrage. Mit Blick auf die Euro-Krisenpolitik habe Deutschland die Hegemonialrolle angenommen, auch wenn dies nicht das Ziel von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewesen sei. „Der Euro ist weiterhin stark.“  Damit stelle er eine Konkurrenz zum Dollar dar, dessen Status als Weltreservewährung aufgrund der massiven Verschuldung der USA gefährdet sei.  

Das dritte Panel, moderiert von Alexander Wolf  (Akademie für Politik und Zeitgeschehen, Hanns-Seidel-Stiftung), beschäftigte sich mit der Zukunft der transatlantischen Beziehungen. „Seit 89/90 ist das transatlantische Verhältnis pragmatischer geworden“, so Prof. Dr. Stefan Fröhlich (Universität Erlangen-Nürnberg), der den Fokus seines Kurzvortrags auf geoökonomische und geopolitische Faktoren legte. Aufgrund des globalen Bedeutungsgewinns u. a. der BRIC-Staaten hat sich das geopolitische Koordinatensystem verschoben und es ist zu Akzentverlagerungen in internationalen Organisationen gekommen. „In der Finanz- und Wirtschaftskrise wurden zudem von beiden Partnern die makroökonomischen Instrumente sehr unterschiedlich eingesetzt“, so die Feststellung Fröhlichs. Als Folge habe die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen abgenommen.
Mit einem umfassenden Überblick über die aktuelle Forschungsdiskussion versuchte Prof. Dr. Heinz Gärtner (Österreichisches Institut für internationale Politik, Wien) die Frage nach der Machtdiffusion im post-transatlantischen Zeitalter zu beantworten. Bezeichnent sei, dass Europa in der außenpolitischen Debatte nur als Fußnote vorkomme. Um die transatlantischen Beziehungen zu stärken, müsse sich Europa „wichtig machen“ und einen Beitrag zur Lösung der globalen Probleme leisten. „Sonst wird Europa nicht ernst genommen und in der Diskussion über Machtverschiebungen nicht vorkommen.“

In den ausgiebigen Diskussionen in der Expertenrunde konnten viele Aspekte vertieft erörtert werden. Im Fokus stand u.a. China im globalen Wirtschafts- und Ordnungssystem und dessen Einfluss auf die transatlantischen Beziehungen. Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, stellte abschließend in Aussicht, dass sich die Transatlantik-Tagung im kommenden Jahr mit den „Krisenherden der Weltpolitik – Herausforderungen für die transatlantischen Beziehungen“ beschäftigen werde.

Tagungsbericht