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Generationengerechte Gemeinde

Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern

Die Generationengerechte Gemeinde stand im Fokus einer Fachtagung der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern am 7. November 2012 im Konferenzzentrum München. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich über die unterschiedlichen Aktivitäten der Kommunen, der Wohnungswirtschaft und der Bayerischen Staatsbauverwaltung zum generationengerechten Bauen.

Die Moderation der Gesamtveranstaltung übernahm Daniela Arnu vom Bayerischen Rundfunk.

Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, unterstrich in seinen einführenden Worten, dass aufgrund des demographischen Wandels immer mehr ältere Menschen in allen Bereichen der gebauten Umwelt auf Barrierefreiheit und Unterstützung angewiesen sein werden, um möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt leben zu können. Politik und gesellschaftliche Entscheidungsträger seien daher gefordert, den Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft rechtzeitig und auf unterschiedlichste Weise gerecht zu werden.

(v.l.n.r.) Joachim Paas, Joachim Herrmann, Ursula Männle, Josef Poxleitner

Im anschließenden Impulsvortrag informierte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann über die vielfältigen Aktivitäten seines Hauses zur Umsetzung einer „Baupolitik für alle Generationen“. Eingangs veranschaulichte er anhand der sich nach oben hin verbreiternden Alterspyramide Bayerns, dass der Anteil der über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 von 26% auf 34% steigen dürfte. „Wenn die Menschen immer älter werden, ändern sich auch ihre Bedürfnisse. Darauf müssen wir uns einstellen, sei es bei der medizinischen Versorgung, bei der Ausstattung der Wohnungen, bei der Erreichbarkeit der Geschäfte im Ort, bei der Gestaltung der Straßen und Plätze“, so Minister Herrmann.

Konrad Weckerle, Landesvorsitzender der CSU Senioren-Union

Um die Kommunen bei den Herausforderungen des demographischen Wandels zu unterstützen hat die Staatsregierung im November 2011 als Teil ihrer Zukunftsinitiative „Aufbruch Bayern“ den Aktionsplan „Demographischer Wandel“ beschlossen. Das Innenministerium ist hier in mehreren Handlungsfeldern aktiv: Vom Städtebau und der städtebaulichen Erneuerung über Straßen und Plätze bis hin zu den staatlichen Gebäuden und dem Wohnungsbau. Ein sehr wichtiger Bereich ist dabei die Barrierefreiheit, denn die Gestaltung von Straßen, Wegen und Plätzen sowie öffentlich zugänglichen Gebäuden ohne Hindernisse ist Voraussetzung, um allen Menschen eine uneingeschränkte und gefahrlose Nutzung zu ermöglichen. Kurze Wege zu Versorgungseinrichtungen und ein optimiertes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtern den Alltag zusätzlich. Barrierefreie Wohngrundrisse verknüpft mit bedarfsgerechten sozialen Angeboten wie nachbarschaftliche Unterstützung und professionelle Pflegeleistungen bei Bedarf werden Senioren wie Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht. Vor diesem Hintergrund mahnte der Innenminister jedoch an: „Wegen des großen Altbaubestands gelten nur etwa 5% der Mietwohnungen in Bayern als barrierearm. Das ist zu wenig! Wir brauchen mehr seniorengerechte Wohnungen. Und wir brauchen in Bayern allgemein mehr Wohnungsbau.“ Daher sind staatlich geförderte Neubauten bereits seit 5 Jahren ausschließlich barrierefreie Mietwohnungen. Der Innenminister endete seine Rede mit folgendem Appell: „Meine Damen und Herren, ich fordere Sie alle auf: Bringen Sie Ihre Anliegen, Wünsche und Erwartungen an seniorengerechtes Bauen in alle staatlichen und kommunalen Planungen ein. Und ich fordere vor allem alle Kommunen und staatlichen Ämter auf, viel mehr als bisher Senioren in alle Planungen einzubeziehen, sie aktiv zu beteiligen und ihre Belange so gut wie irgend möglich zu berücksichtigen. Mit Senioren – für Senioren!“

(v.l.n.r.) Herbert Blascheck, Joachim Herrmann, Daniela Arnu (Moderation), Konrad Weckerle, Reinhard Zingler

Anschließend folgten drei Impulsstatements zur „kreativen Gestaltung von Generationengerechtigkeit“:

Prof. Dr. Konrad Weckerle, Landesvorsitzender der Senioren-Union der CSU, machte deutlich, dass die meisten älteren Menschen in der Heimatgemeinde wohnen bleiben wollen. Er mahnte daher an, dass die Städte und Gemeinden ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter auch ermöglichen müssen. Bemühungen zum Erhalt der Nahversorgungsinfrastruktur und ein gut funktionierendes Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs sollten daher ganz oben auf der kommunalpolitischen Agenda stehen. Auch müssen Treffpunkte für Jung und Alt (z.B. Gastwirtschaften) erhalten werden, um den intergenerationalen und örtlichen Zusammenhalt zu bewahren.

Reinhard Zingler, Architekt und Geschäftsführer der Joseph-Stiftung in Bamberg, stellte das Wohnmodell „In der Heimat Wohnen – ein Leben Lang! Sicher und selbstbestimmt“ vor. So leben in der Bamberger Wohnanlage Senioren, Familien und Menschen mit Behinderung in 29 barrierefreien Wohnungen zusammen. Zusätzlich besteht ein soziales Netz aus nachbarschaftlichen Unterstützungsangeboten und die Möglichkeit professioneller Pflege.

Herbert Blascheck, 1. Bürgermeister des Marktes Langquaid, informierte über das kommunale Engagement für Senioren in Langquaid. So beherbergt z.B. das „Seniorenservicehaus“ ambulant betreute Wohngemeinschaften mit 24 Bewohnern, ein Mehrgenerationenhaus als Veranstaltungs- und Begegnungszentrum inklusive ehrenamtlicher Nachbarschaftshilfe sowie ein Beratungsbüro und das Projektbüro „Soziale Stadt“. Auch gibt es in Langquaid einen kostenlosen Seniorenbus.

Abgerundet wurde die Fachtagung durch eine Diskussion mit allen Referenten. Aus dem Publikum kamen wichtige Anregungen, so sollten z.B. Einfamilienhäuser bereits als bedarfsorientierte, teilbare Eigenheime konzipiert werden, um lebenslaufspezifische Wohnbedürfnisse zu berücksichtigen. Auch wurden verschiedene Vorschläge zur Sicherung medizinischer Versorgung auf dem Lande (z.B. kommunale Ärztehäuser) diskutiert.

Die Gestaltung des demographischen Wandels ist eine der großen politischen Zukunftsaufgaben Bayerns. Die Fachtagung konnte aufzeigen, wie man der demographischen Entwicklung durch kreative Lösungsansätze gerecht werden kann.

Redemanuskript Joachim Herrmann

Präsentation Joachim Herrmann

Präsentation Herbert Blascheck

Redemanuskript Reinhard Zingler

Präsentation Reinhard Zingler