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Institut für Politische Bildung
Leiter: Dr. Franz Guber
Tel.: 089 1258-230 | Fax: -338
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Jugend im Dialog 2012 - Wie wollen wir in Zukunft leben?

Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier führte in den 1. Jugendkongress ein...
...und diskutierte anschließend mit Hans Zehetmair moderiert von Franz Guber (Mitte).

"Wie wollen wir in Zukunft leben?" ist das diesjährige Leitthema politischer Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung. In einer Zeit gravierender und rasanter Veränderungen in allen Lebensbereichen ist Information, Orientierung und Transparenz besonders wichtig. Nur wer die komplexen, politischen und gesellschaftlichen Abläufe und Zusammenhänge kennt und versteht, kann aktiv in unserer Demokratie mitwirken. Mit dem 1. Jugendkongress  "Jugend im Dialog 2012"  am 21. Juli 2012 im Konferenzzentrum München folgten zahlreiche junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren der Einladung, um gemeinsam mit Experten aus Politik und Wissenschaft über ausgewählte Zukunftsfragen zu diskutieren. In seiner Begrüßung verwies der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair auf die stark von Unterhaltungsbedürfnissen geleitete Gesellschaft, in der es Politik nicht immer leicht habe. Bildung sei manchmal anstrengend, so wie die Gestaltung unserer Demokratie auch manchmal anstrengend sei. Aber diese Anstrengung sei notwendig. In diesem Zusammenhang zitierte Zehetmair auch den bekannten Soziologen Max Weber: "Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich." Diese Gedanken griff der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Gerd Strohmeier von der TU Chemnitz auf und verwies auf die Vielzahl der globalen politischen Herausforderungen in der Welt von morgen. Er führte in die drei Themen der nachmittäglichen Foren ein. Diese waren überschrieben mit drei zentralen Themen, die für junge Menschen von besonderer Bedeutung sind: Erstens "Wie verändern Internet und soziale Medien die Politik?", zweitens "Für eine lebenswerte Welt von morgen: Umwelt schützen - Energie sichern" und drittens "Frieden, Sicherheit und Entwicklung: Verantwortung für die "Eine Welt". Die Plenumsdiskussion ging aber über diese Einzelfragen hinaus. Es entwickelte sich vielmehr eine angeregte Diskussion darüber, wie man junge Menschen für Politik interessieren und begeistern könne. Es wurden Fragen nach mehr Partizipationsmöglichkeiten und mehr direkter Demokratie intensiv und kontrovers diskutiert..

Wie verändern Internet und Sozale Medien die Politik? (Forum 1)

Im Forum 1 diskutierten Andreas Jungherr, Miriam Trescher (Moderation), Reinhard Brandl und Matthias J. Lange. (v.l.n.r.)

Das Thema "direkte Demokratie" leitete bereits in das Forum 1 über: Sich mit seinem Abgeordneten auf Facebook befreunden, politische Fragen online diskutieren, vielleicht sogar per Mausklick abstimmen? „Wie verändern Internet und Soziale Medien die Politik?“ bzw. führen die sozialen Netzwerke zu mehr politischer Partizipation? Matthias Lange, Journalist, Blogger und Social-Media-Experte vertritt die Ansicht, das Internet sei längst fester Teil unseres Alltags - man vernetze sich völlig selbstverständlich auf Facebook und trage das weltweite Netz quasi in der Hosentasche mit sich. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Reinhard Brandl,  Mitglied der Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages, betrachtete das Thema „Internet und Politik“ aus Politiker-Sicht: Einerseits böte das neue Medium Internet sowohl für Politiker als auch für andere Interessenvertreter aus der Mitte der Gesellschaft neue, direktere Zugangschancen zur Öffentlichkeit ohne den Umweg über die traditionellen Medien. Dies könne, zumindest theoretisch, den politischen Prozess bereichern. Gleichzeitig bestünde jedoch für bereits etablierte Parteien und politisch Aktive das Risiko des Kontrollverlustes über eigene Positionen und Aussagen, die im Internet rasend schnell und im schlimmsten Fall verfälscht oder aus dem Kontext gerissen verbreitet werden könnten. Andreas Jungherr, politischer Soziologe von der Universität Bamberg, erläuterte die forschungspraktische Sichtweise, der zufolge der Erfolg des Internets Teil einer generellen Veränderung der Gesellschaft sei: Heute, da geographische und soziale Bindungen schwächer werden, die Mobilität und Individualisierung der Menschen jedoch gleichzeitig zunehmen, bietet das Internet nicht nur jedem die Möglichkeit, sich einfacher und weitreichender zu informieren, sondern selbst Aufmerksamkeit für eigene Thesen und Informationen zu erlangen. „Das Internet verändert vielleicht die Kommunikation zwischen Wähler und politischem Vertreter“, so Brandl, „nicht jedoch die konkreten Inhalte der Politik.“ Nicht nur die Kommunikation, sondern auch das Verhältnis zwischen Bürger und Abgeordnetem sieht Social-Media-Experte Lange im Wandel: „Man wird in Zukunft eher auf Augenhöhe diskutieren.“ Dass sich Transparenz und Zugang zur poltischen Bühne in Zukunft weiter verbessern werden, glaubt auch Andreas Jungherr - „zumindest für die, die das Internet auch politisch nutzen.“ Da dies aber bislang eine überschaubare Gruppe sei, erwartet der Wissenschaftler keinen Umsturz der bestehenden Verhältnisse.

Für eine lebenswerte Welt von morgen: Umwelt schützen - Energie sichern (Forum 2)

Katrin Albsteiger, Matthias Plank (Moderator), Markus Blume und Gerd Ganteför diskutierten im Forum 2. (v.l.n.r.)

Das Forum 2 „Für eine lebenswerte Welt von morgen: Umwelt schützen - Energie sichern" lebte von Diskussionen zur Umsetzung der Energiewende. So erklärte die JU Landesvorsitzende Katrin Albsteiger, dass man den heutigen Stand auch für die Nachwelt bewahren muss. Sie betonte deutlich, dass sie hinter der Energiewende stehe und den Beschluss an sich auch nicht weiter diskutieren wolle, sondern vielmehr deren Umsetzung. Der Landtagsabgeordnete Markus Blume bekräftigte, dass es eine Frage der Grundwerte sei, die Schöpfung zu bewahren. Ziele der Umweltpolitik seien Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit und Bezahlbarkeit. Prof. Dr. Gerd Ganteför von der Universität Konstanz sieht drei wesentliche Faktoren, die in Zukunft relevant sind: das Bevölkerungsproblem, Klima und Energie. Des Weiteren stellte er in Frage, ob Deutschland international eine Vorreiterrolle einnehmen kann und bezweifelt, dass andere Länder dem deutschen Vorbild folgen werden. Dass man die Energiewende auch auf regionaler Ebene angehen kann, zeigt das Vorzeigeprojekt „Energiewende Oberland“. Das Projekt hat sich zum Ziel gemacht die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau bis zum Jahr 2035 energieunabhängig zu machen, d.h. es soll keine Energie „importiert“ werden. Blume verdeutlichte, dass der Staat dieses Projekt auch stark unterstütze. Generell ist es aber wichtig, dass man sich breit aufstellt und in keine einseitigen Abhängigkeiten gerät, so Blume. Prof. Gerd Ganteför stellte ergänzend auf die Frage nach aktueller Forschung die Konzepte Geothermie und Fusion vor. Energieffizienz war ein weiteres Schlagwort, das in der Diskussion immer wieder fiel. Der Stromverbrauch der Bevölkerung wird weiter steigen, deshalb ist eine breite Aufklärung immer bedeutender, wie jeder einzelne energieeffizienter leben kann. Auch Gas- und Dampfkraftwerke, so Katrin Albsteiger, sind kaum wirtschaftlich zu betreiben. Es müssen mehr erneuerbare Energien an den Markt. Das Fazit der Diskussionsteilnehmer: es wurde aktuell ein politischer Rahmen gesetzt, aber die spannende Frage der Umsetzung ist noch nicht abschließend gelöst.

Frieden, Sicherheit und Entwicklung: Verantwortung für die "Eine Welt" (Forum 3)

Richard Asbeck, Florian Hahn, Manuela Scheuermann (Moderation) und Carlo Masala im Forum 3. (v.l.n.r.)
Annette Resch, Olivia Pauthner und Anne-Nikolin Hagemann präsentierten abschließend die wesentlichen Diskussionsergebnisse der drei Foren. (v.l.n.r.)

Im Forum 3 "Frieden, Sicherheit und Entwicklung: Verantwortung für die "Eine Welt" stellte der Bundestagsabgeordnete Floria Hahn zunächst klar, dass die innere und äußere Sicherheit unseres Landes ein zentrales Thema sein sollte. Er ist der Meinung, dass uns das subjektive Gefühl der Sicherheit, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat, trügt und die Bedeutung der Außen- und Sicherheitspolitik stark unterschätzt werde. Er führte drei globale Herausforderungen an: die immer weiter steigende Weltbevölkerung, die Ressourcenknappheit und den Klimawandel. Hahn setzt sich für eine stärkere Mitwirkung Deutschlands in den internationalen Organisationen ein. Darüber hinaus müssen wir mehr Verantwortung in der Welt übernehmen und dürfen uns nicht vor unserer Führungsrolle scheuen. Die Gründe für die gewachsenen Ansprüche an uns sind unter anderem die wirtschaftliche Stärke und die Zuverlässigkeit Deutschlands. Ein weiterer Grund dürfte laut Hahn, auch die Umorientierung der USA Richtung asiatisch-pazifischer Raum sein, weshalb Europa in der Lage sein muss für seine Sicherheit selbst zu sorgen. Prof. Dr. Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München begann seine Ausführungen mit der Situation des Kalten Krieges, die seines Erachtens eine einfache bzw. klare Situation war. Die Welt war unterteilt in „gut“ und „böse“. Diese Unterscheidung ist heute nicht mehr möglich, was unter anderem die gewachsene Herausforderung für Deutschland zur Folge hat, sich in Krisen, sowie allgemein außenpolitisch zu positionieren. Als Beispiel für die Schwierigkeit Stellung zu beziehen führte er die derzeitige Situation in Syrien an. Masala ging noch weiter auf die neuen, komplizierteren Herausforderungen ein und stellte die Frage: „Was geht uns das eigentlich an?“ Seiner Ansicht nach ist das Ziel deutscher Außen- und Sicherheitspolitik nicht vordergründig „Gutes zu tun“, sondern unsere Freiheit und die Sicherheit unseres Landes zu verteidigen. Eng verknüpft damit ist die Gefahr des Cyber-Terrorismus. Wir befinden uns in einer starken Abhängigkeit von Technologie, was uns verwundbar macht. Richard Asbeck, Auslandsmitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Israel und den Palästinensischen Gebieten, skizzierte schwerpunktmäßig den Nahostkonflikt Seiner Einschätzung nach ist derzeit eine Zwei-Staatenlösung nicht in Sicht, allen voran wegen der völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik Israels. Er ging auch auf die schwierige Lage Israels ein, das als sehr kleines Land von politisch instabilen Staaten umgeben ist, die Israel teilweise feindlich gesinnt sind. Viele der Diskussionsfragen drehten sich um geforderte Führungsrolle Deutschlands. Für viele junge Teilnehmer war es unvorstellbar, dass wir ob unserer Geschichte dazu in der Lage sind mehr „Führung“ zu übernehmen und dies wirklich vom Ausland gewünscht wird.

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