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Kirche im säkularen Staat: Symposium über Naturrecht, Entweltlichung und Ökumene

Albert Schmid
Walter Schweidler, Hans Zehetmair, Albert Schmid, Johannes Reiter
Thomas Söding
Dorothea Sattler

Ein Jahr nach dem Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hat die Hanns-Seidel-Stiftung am 24. September 2012 gemeinsam mit dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern zentrale Themen des Besuches aufgegriffen. Im Mittelpunkt des Symposiums standen die Rolle der Kirche im säkularen Staat, Ökumene und das Stichwort „Entweltlichung“.

Vom 22. bis 25. September 2011 hatte Papst Benedikt XVI. Deutschland besucht. Ein Jahr danach standen zentrale Themen seiner Deutschlandreise im Mittelpunkt eines gemeinsamen Symposiums von Hanns-Seidel-Stiftung und Landeskomitee der Katholiken in Bayern. 

Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees, beklagte zu Beginn eine „auch in der katholischen Öffentlichkeit bisher unzureichende Rezeption der zentralen Anliegen dieses historischen Besuches“ in Deutschland. Für den Papst sei der Besuch ein Höhepunkt seines Pontifikates gewesen, den er gut vorbereitet habe. Mit seiner Rede im Bundestag habe er sich an die säkulare Gesellschaft gewandt. In Erfurt habe er mit den Partnern der Ökumene gesprochen und die Agenda der Ökumene vom Kopf auf die Füße gestellt, indem er die Christologie in den Mittelpunkt rückte. Die katholische Kirche Deutschlands sei Adressat der Freiburger Rede gewesen, aus der das Wort der Entweltlichung in der öffentlichen Diskussion geblieben sei.

Der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Hans Zehetmair, stellte das Thema des Symposiums in den aktuellen Zusammenhang. In europäischer Dimension müsse man über die verschiedenen Modelle der Zuordnung von Kirche und Staat nachdenken. In den arabischen Ländern Nordafrikas stelle sich bei den Versuchen der Neuordnung nach dem arabischen Frühling die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Religion noch einmal ganz neu und radikaler.

Walter Schweidler, Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, und Johannes Reiter, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie am Fachbereich Katholische Theologie der Universität Mainz, referierten anschließend über die Frage nach einer Renaissance des Naturrechts. Auf den Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit verwies zunächst Walter Schweidler. Beide seien Anliegen und Aufgaben eines funktionierenden Staatswesens. Eine Renaissance des Naturrechts habe nach dem Ende der NS-Herrschaft stattgefunden und sei in das Grundgesetz der Bundesrepublik eingeflossen. Naturrecht gelte heute jedoch als katholische Sonderlehre, zum einen, weil es eine Tendenz zum Rechtspositivismus gebe, von der her das Naturrecht abgelehnt würde.

Johannes Reiter formulierte die komplexe Frage aus moraltheologischer Sicht. Wie schon bei König Salomo stelle sich die Frage nach dem Maßstab für politische Entscheidungen auch heute. Es gehe um die Unterscheidung von Gut und Böse. Hier greife die Gerechtigkeit, die wiederum dem natürlichen Recht entspringe. Jeder wisse, „was sich von selbst versteht“, „was sich gehört“ oder was „die Aufgabe der Familie ist“, auch ohne staatliche Gesetzgebung, der diese allgemeingültigen Prinzipien zugrunde liegen, so Reiter. Bei Paulus findet er einen Hinweis im Römerbrief: „Wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das Gute tun…“. Das Gute zu tun und das Böse zu lassen sei Ausdruck des Strebens nach Glück, das allen Menschen innewohnt, auch wenn sie als Mittel dahin manchmal Wege wählen, die nicht zielführend seien.

Des Stichworts „Entweltlichung“ nahm sich sodann Thomas Söding an, Lehrstuhlinhaber für neutestamentliche Exegese an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Für ihn sei die Rede des Papstes keine Absage an das Staatskirchenrecht, sondern eine Unterscheidung dessen, was des Staates und was der Kirche ist. Die Sendung der Kirche brauche eine gewisse Distanz gegenüber der Welt, in die sie hinein gesendet ist. Es gehe also gerade um eine neue Qualität der Hinwendung zur Welt.

Dorothea Sattler, Leiterin des Ökumenischen Instituts an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, war eingeladen über „Aktive Partnerschaft auf dem Weg der Ökumene“ zu sprechen. Sie verwies auf die Alternativlosigkeit des Weges der Ökumene. Es werde allerdings skeptisch nach den Zielen dieses Weges gefragt. Benedikt XVI. denke eher eschatologisch, also endzeitlich, als institutionell: die Ökumene werde sich am Ende der Zeiten zeigen. Sattler wies darauf hin, dass in der katholischen Delegation im Erfurter Augustinerkloster keine ausgewiesenen ökumenische Theologen mit dabei gewesen seien. In den Gesprächen habe der Papst ausdrücklich Martin Luther genannt und gewürdigt, besonders dessen Frage nach einem gnädigen Gott, die für ihn leitend gewesen sei.

Der Begriff Entweltlichung, so Albert Schmid, bleibe noch eine große Herausforderung. Er schloss die Tagung mit einem Zitat Benedikts XVI.: „Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, dass wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen (…) Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube.“

Vorstehender Text von "Gemeinde creativ"  erschien in der Ausgabe 5/2012