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Starke Frauen aus dem Stammbaum Jesu

Theologin Anneliese Hecht

Im Advent lesen wir Christen gerne Texte aus den Anfängen der Evangelien, die uns auf die Menschwerdung Jesu Christi, auf Weihnachten, vorbereiten. Passend zur Adventszeit fand vom 23. bis 25. November 2012 in Wildbad Kreuth das Seminar „Starke Frauen aus dem Stammbaum Jesu“ mit der Dipl.-Theologin Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk in Stuttgart statt.

Anfangsgeschichten sind in der Bibel immer Wesensgeschichten, so die Theologin. Matthäus fängt sein Evangelium mit einem Stammbaum Jesu an, um dessen Wesen vorzustellen. In diesem kommen vier starke alttestamentliche Frauen vor. Der Stammbaum endet im Neuen Testament bei Maria, der Mutter Jesu.

Die Kanaaniterin Tarmar – die Stamm-Mutter des Hauses Juda

Neben vielen anderen spannenden Entdeckungen, die man in diesem Stammbaum am Beginn des Matthäusevangeliums machen kann, finden sich in dieser Darstellung der Vorfahren Jesu fünf Frauen. Fünf Frauen – das ist wenig neben 42 Männernamen. Wir lesen von Tamar (Mt 1,3; Gen 28), Rahab (Mt 1,5; Jos 2; Jos 6), Rut (Mt 1,5; Rut 1; Rut 4), Batseba, der Frau des Uria (Mt 1,6; 2 Sam 11; 2 Sam 12; 1 Kön 1; 1 Kön 2), und Maria, von der Jesus geboren ist (Mt 1,16; Mk 3,20-21, 31-35; 6,1-6; Joh 2,1-12; 19,25-27; Lk 1,26-38; Lk 1,39-55; Lk 8,19-21; 11,27f; Apg 1,14). Mit ihnen allen verbinden sich Lebensgeschichten – zum Teil sogar Anstößigkeiten. Darin liegt eine gewisse Überraschung, für manchen vielleicht sogar eine Irritation – und gleichzeitig liegt darin ein Anreiz, genauer hinzuschauen.

Die Stamm-Mutter eines fremden Stammes „mitten in Israel“ – Rahab und zwei Kundschafter aus Jericho

Die Frauen fallen auf in der Reihe von Namen und Geschichten. Sie fallen aus dem Rahmen und scheinen zunächst gar nicht gut zu passen. In der eindrucksvollen Reihe von Namen, die zu Männern gehören, die einen gewichtigen Platz in der Geschichte Israels einnehmen, tauchen plötzlich ausländische Frauennamen auf. Wir lesen von Rahab aus Jericho und von Rut, einer Frau aus Moab, von Tamar und von Batseba, der Frau des Hethiters Uria. Die Frauen aus Israel wie Sara oder Rebekka, Mütter Israels, erscheinen nur indirekt. Ausdrücklich erwähnt werden andere: zum Beispiel Rahab, eine Dirne in Jericho (Jos 2, Jos 6) und Batseba, die von König David (der im Stammbaum eine große Rolle spielt) gedemütigt und missbraucht wird. Später wird sie als Mutter des großen Königs Salomon, eine wichtige Position im Lande Israel einnehmen. 

Die Geschichte der Moabiterin Rut – szenisches Lesen

Und die Moabiterin Rut, die Ausländerin, ein Flüchtling. Sie ist arm und verwitwet. In heutiger Zeit würde man sie als Wirtschaftsflüchtling bezeichnen. Wir könnten ihr Leben und ihren Einsatz für ihre jüdische Schwiegermutter Naomi vielleicht romantisieren, aber es ist ein Kampf ums Überleben. Es sind Namen von Frauen, denen zunächst ein Makel anklebt. Schließlich treffen wir auf Maria, die als unverheiratete junge Frau ein Kind auf die Welt bringt. In der damaligen Zeit, eine Todsünde. Es sind diese Frauen, die im Stammbaum Jesu stehen. Menschen, die keine beneidenswerte Lebensgeschichte vorweisen und keine andere Wahl hatten. Eines haben alle diese Frauen gemeinsam: Sie zerbrechen nicht an ihrem Schicksal, sondern kämpfen ums Überleben und gehen am Ende als Siegerin hervor.

Die Heilige Familie – Maria-Jesus-Josef

Bei diesem Seminar ging es darum, den Stammbaum Jesu und darin diese sowohl bedeutenden als auch faszinierenden Frauen ausführlicher kennen zu lernen. Ohne sie wäre die Heilsgeschichte Gottes nicht so verlaufen, wie wir sie kennen. Und dabei sind sie alle Nichtjüdinnen von ihrer Herkunft her! Unkonventionell, offen für Neues und wagemutig sind sie allesamt. Sie lassen uns Gottes Wege in anderem Licht sehen und geben für unseren Glauben belebende Impulse. Der Stammbaum gipfelt schließlich nach vielen Männernamen wieder in einer Frau: auf Maria, der Mutter Jesu, die in ihrem biblischen Kontext mit zahlreichen Facetten erscheint.

Die Referentin konstatierte, dass alles, was im Leben geschieht, mit Gottes Heil zu tun hat und seine Heilswege anders verlaufen als die Menschen denken oder vermuten würden. Vor allem die Fremden kämen in der Bibel zu ungeheurem Segen, sodass man sagen könne, dass Gott sein Heil durch Fremde schafft. Das in jeder Hinsicht beeindruckende Seminar endete mit Worten von Hilde Domin: „Es knospt unter den Blättern, das nennen sie Herbst.“