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Christen in Bedrängnis

Wo bleibt der Aufschrei des „christlichen“ Westens?

Hans Zehetmair

Es ist ein Schweigen, das hellhörig machen sollte. Über 100 Millionen Christen in wenigstens 50 der knapp 200 Staaten dieser Erde leiden heute unter Diskriminierung, Verfolgung, Folter oder Todesnot. Auch wenn zwischen der Art der jeweiligen Bedrängnis genau unterschieden werden sollte, das Faktum bleibt: Sie sind die größte bedrängte Religionsgemeinschaft dieser Erde. Mehr als drei Viertel aller weltweit aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Verfolgten sind Christen. Wohl noch nie in seiner 2000-jährigen Geschichte hat das Christentum eine derartige Verfolgungswelle erlebt. Doch kaum jemand spricht darüber. Die Reaktion des „christlichen“ Westens ist in aller Regel blanke Gleichgültigkeit.

Wenn im April 2007 drei Mitarbeiter eines christlichen Verlagshauses im türkischen Malatya – man kann es nicht anders nennen – rituell geschlachtet werden oder wenn die radikal-islamische Terrorgruppe Boko Haram über Weihnachten 2011 im westafrikanischen Nigeria über 200 Gottesdienstbesucher ermordet, um den Druck auf die Christen zu erhöhen, die muslimisch geprägten Regionen im Norden zu verlassen, dann schaffen es diese Meldungen bestenfalls auf die hinteren Seiten unserer Zeitungen und Magazine.

Doch wer schreibt über das Leiden der Internierten in den Arbeitslagern Nordkoreas? Wo lesen wir etwas über die Gräueltaten der arabischen Dschandschawid unter südsudanesischen Christen? Wer berichtet über die Begleiterscheinungen des Arabischen Frühlings – der längst in einen Islamischen Frühling zu kippen droht – für die geschätzt acht Millionen Kopten in Ägypten? Wer trägt den Massenexodus irakischer Christen an die mediale Weltöffentlichkeit? Wer spricht über die Unterdrückung der christlichen Minderheit in Saudi-Arabien, einem Land, das wie so viele keine Religionsfreiheit kennt? Wo werden die Sorgen der syrischen Christen öffentlich gemacht, im Zuge der blutigen Unruhen dieser Wochen und Monate zwischen alle Fronten zu geraten und aus dem Land getrieben zu werden? Wer benennt die dramatische Situation in Israel und Palästina, der Geburtsstätte des Christentums, in der ein endgültiges Ausbluten der christlichen Gemeinden in greifbare Nähe gerückt ist?

Verfolgung hat viele Gesichter und eine Konstante: Während wir schweigen, leiden und sterben Menschen. Männer, Frauen, Kinder, die jeden Tag damit leben, nicht nur, aber eben auch für ihren Glauben benachteiligt, unterdrückt, verfolgt oder im schlimmsten Falle getötet zu werden. Das Jesuswort „Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“ aus Matthäus 10,22 gewinnt erschreckende Realität und erinnert einmal mehr daran, dass die Bedrängnis um des Glaubens an Jesus Christus willen sowohl biblisch als auch historisch betrachtet nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall christlicher Existenz zu betrachten ist.

Wo bleibt der Aufschrei des „christlichen“ Westens? Wo bleibt unser Aufschrei? Es ist schwer zu begreifen und noch schwerer zu ertragen, dass die dramatische Situation von über 100 Millionen Christen noch nicht zu einem deutlich hörbareren Aufschrei bei Medien, Kirchen und Politikern aller demokratischen Länder geführt hat. Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft St. Egidio, spricht mit Recht von einem „Massenmartyrium“, das „von einem ganzen Volk von Christen“ erlitten werde. Das Thema Christenverfolgung muss deshalb mit Nachdruck auf die Agenda von Europäischem Parlament und den Vereinten Nationen gesetzt werden.

Als Christen in der „freien Welt“ haben wir eine besondere Verantwortung für unsere verfolgten Glaubensschwestern und Glaubensbrüder. Sie sind auf unsere Stimme angewiesen. Wir dürfen nicht so lange schweigen, bis die Steine schreien.

Ihr Prof. Dr. h. c. mult. Hans Zehetmair
Staatsminister a. D., Senator E. h.
Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

Der vollständige Beitrag ist erschienen in "Stimmen der Zeit. Die Zeitschrift für christliche Kultur"