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Michail Gorbatschow erhält Franz Josef Strauß-Preis 2011

Theo Waigel, Horst Seehofer, Michail Gorbatschow, Hans Zehetmair

Die Bekanntschaft von Michail Gorbatschow und Franz Josef Strauß reicht zurück auf eine Begegnung im Dezember 1987: Generalsekretär Gorbatschow empfing den CSU-Vorsitzenden Strauß in Moskau. Dieses Treffen beider Politiker in Zeiten des Kalten Krieges war wegbereitend für die spätere Überwindung des Ost-West-Konflikts. Die Hanns-Seidel-Stiftung ehrt mit der Preisverleihung am 10. Dezember 2011 an Michail Gorbatschow einen Staatsmann des 20. Jahrhunderts, der das Selbstbestimmungsrecht der Völker anerkannte und sich als Wegbereiter der Wiedervereinigung für Deutschland, für Europa und für den Frieden in der Welt große Verdienste erworben hat.

Zur Preisverleihung im Kaisersaal der Münchner Residenz waren 600 Gäste geladen. Das Ereignis wurde live vom Bayerischen Fernsehen übertragen. Michail Gorbatschow ist der 8. Preisträger des 1996 von der Hanns-Seidel-Stiftung ins Leben gerufenen Preises in Erinnerung an das politische Lebenswerk des CSU-Politikers und Staatsmanns Franz Josef Strauß.

Der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair und Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung bezeichnete Gorbatschow in seiner Begrüßungsrede als „eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte, die die Welt fundamental zum Besseren verändert hat“. Gorbatschow habe sich um den Weltfrieden und die Wiedervereinigung in hervorragender Weise verdient gemacht, so Zehetmair, und fügte hinzu: „Sie haben in der früheren Sowjetunion ‚Neues Denken‘ initiiert, das die jahrzehntelange Aufteilung der Welt in zwei hochgerüstete, weltanschaulich entgegengesetzte Blöcke beendet hat!“

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte den Preisträger in seiner Festrede: „Michail Gorbatschow ist ein Staatsmann, der eine historische Mission mit echter persönlicher Leidenschaft verfolgt hat. Ein Staatsmann und Freund der Deutschen, der sich selbst und sein Schicksal hintan gestellt hat für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und für die Freiheit der Menschen."

Die Laudatio auf Preisträger Michail Gorbatschow hielt der frühere Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Der Laudator selbst war am 29. Dezember 1987 mit Franz Josef Strauß nach Moskau gereist, um Michail Gorbatschow im Kreml für drei Stunden zu treffen. „Was Gorbatschow damals gegenüber Strauß andeutete, wurde zwei Jahre später durch den Fall der Mauer und drei Jahre danach durch die Wiedervereinigung Realität. Diese einzigartige Entwicklung macht Michail Gorbatschow zu einem hervorragenden Träger des Franz-Josef-Strauß-Preises“, erklärte Waigel, der gleichzeitig auch an die Worte von Strauß erinnerte und ihn mit „Ich komme mit besten Gefühlen aus dem Kreml" zitierte.

Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Franz Josef Strauß-Preis vom Stiftungsvorsitzenden Hans Zehetmair überreicht. Die Urkunde ist von Hans Zehetmair und Horst Seehofer gemeinsam unterzeichnet.

In seiner Preisträgerrede erwähnte Michail Gorbatschow ebenso wie Waigel die einprägsame Begegnung von 1987: „Strauß hat auf mich einen starken Eindruck gemacht. Ich sah vor mir eine Persönlichkeit, die beharrlich ihre Ansichten vertritt und über einen weiten sowie realistischen Blick auf die Welt, die Situation in Europa, die Rolle der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland in der Weltpolitik verfügt."

Der frühere Staatspräsident Michail Gorbatschow ist seit 1996 der 8. Franz Josef Strauß-Preisträger. Vor ihm erhielten den von der Hanns-Seidel-Stiftung verliehenen Preis u.a. Helmut Kohl, Roman Herzog und George Bush sen.

An der Preisverleihung haben rund 600 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirchen und Verbänden u.a. teilgenommen.