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"Menschen in Europa"

Podiumsdiskussion: "Moral in unserer Gesellschaft - Ein Fremdwort?"
Dem Gedanken der fortschreitenden Integration unseres Kontinents entsprungen, lädt die Verlagsgruppe Passau - u. a. Herausgeberin der Passauer Neuen Presse - seit 1996 alljährlich zur Veranstaltungsreihe "Menschen in Europa". Dieses mittlerweile etablierte Projekt führte namhafte Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens in die Dreiflüssestadt Passau, darunter Kofi Annan, Horst Köhler, Christo und Jean-Claude, Karl Kardinal Lehmann. Einen weiteren Höhepunkt versprach die Abschlussveranstaltung von "Menschen in Europa 2008" am 28. November 2008, die Erzbischof Reinhard Marx und Unternehmer Randolf Rodenstock auf einem Podium vereinte - im Beisein der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung.

Erzbischof Marx im Kreise der Passauer Stipendiaten
Erzbischof Marx im Kreise der Passauer Stipendiaten

„Ein Leben auf dem Niveau von Hartz IV kann keine Perspektive sein“
In sachlicher Hinsicht hingegen vermochte das Thema des Abends "Moral in unserer Gesellschaft - ein Fremdwort?" die beiden Diskutanten in zahlreichen Details nicht zu verbinden. Sehr zur Freude des Publikums, das Zeuge einer kontroversen Auseinandersetzung wurde.

Angesichts der virulenten Finanzmarkt- und Konjunkturkrisen war es keine Überraschung, dass der Moderator, ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, den Fokus der Diskussion von Beginn an auf die Wirtschaft richtete. "Es gibt keine Gruppe, in der Elite-Anspruch und Fehlverhalten so auseinanderklaffen", urteilte Baumann in seinem Eingangsstatement über Manager und Unternehmenslenker, und verband damit die zentrale Frage, ob dieser Personenkreis jegliche Moralvorstellungen über Bord geworfen hätte.

Der neue Oberhirte von München und Freising, Erzbischof Reinhard Marx, übte vehemente Kritik an der eindimensionalen Orientierung vieler Unternehmen, die Umsatz, Gewinn, Rendite und Aktionärsinteressen absolute Priorität beimessen. "Wenn wir sagen: Weltweit gibt es Fonds, da müssen wir mithalten - dann ist das langfristig selbstzerstörerisch. Wir brauchen einen neuen ordnungspolitischen Rahmen", forderte Marx, der die Akzeptanz der Marktwirtschaft in Gefahr sieht. Nicht nur wegen des (scheinbar) eingeschlagenen Kurses von Managereliten, sondern auch wegen der schwindenden sozialen Komponente unserer Wirtschaftsordnung: "Ein Leben auf dem Niveau von Hartz IV kann keine Perspektive sein".

Dass Kirchenmann Marx sich pragmatisch, gar politisch den aktuellen ökonomischen Herausforderungen annäherte und nicht in Predigermanier den Zeigefinger erhob, erhöhte die Anschaulichkeit der Diskussion erheblich. Der Erzbischof war in seinem Element. Als profilierter und renommierter Sozialethiker bemühte sich Marx stets, aus den Positionen der christlichen Soziallehre heraus Antworten auf die wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen unserer Zeit zu geben.

"Wir brauchen Moral, weil wir ohne Regeln auf den Märkten nicht bestehen können“
Mit Spannung erwartete das Publikum auch die Ansichten von Randolf Rodenstock, der in seiner Funktion als Präsident der Bayerischen Wirtschaft die Vermittlung eines breiteren Meinungsbildes für sich beanspruchen konnte. "Wir brauchen Moral, weil wir ohne Regeln auf den Märkten nicht bestehen können", stellte Rodenstock voran, doch in Anbetracht zahlreicher sich anschließender Statements geriet die Aussage zum Lippenbekenntnis. Eine Kostprobe: "Bei der Frage der Rendite gebe es eben keine optimale Gewinnhöhe. Das Maß aller Dinge ist a) die Erwartung der Kapitalmärkte und b) das Renditeniveau der internationalen Konkurrenz", verteidigte der Wirtschaftsfunktionär die Entscheidung Nokias zur Schließung des Bochumer Werks.

Bedauerlicherweise erstickte Moderator Baumann alle Bemühungen und Versuche der beiden Gäste, die Diskussion thematisch auf eine breitere Basis zu stellen, im Keim, und suchte stets den Bezug zur Wirtschaft. Daher blieb die - in Anbetracht der Themenwahl erwartete - gesellschaftliche Dimension des Abends (z. B. Vermittlung von Werten an Kinder und Jugendliche, Familie, Bildung) weitgehend im Dunkeln. Insofern liegt es nun an den Besuchern, selbst Antworten und Lösungen zu finden bei der von Baumann propagierten Suche nach einem "geistig-moralischen Rettungspaket".

Ein Bericht von Johannes Pinkl, Stipendiatensprecher der Hochschulgruppe Passau