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Der Mythos RAF

Dr. Alexander Straßner ist Akademischer Rat am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg und gilt als ausgewiesener Experte im Bereich der Terrorismus- und Extremismusforschung. Am 19. November 2008 hielt er vor den Stipendiatengruppen der Universität und der Fachhochschule Regensburg der Hanns-Seidel-Stiftung im Hans-Linder-Hörsaal der Universität Regensburg einen Vortrag über die Rote Armee Fraktion.

Dr. Alexander Straßner
Dr. Alexander Straßner

Dr. Straßner begann seinen Vortrag mit der politikwissenschaftlichen Differenzierung von Terror und Terrorismus. Demnach wird Terror von Staats wegen, also von oben gerichtet, in Unrechtsregimen gegen die Bevölkerung ausgeübt. Der indes von unten gegen ein bestehendes politisches System verübte Terrorismus hat die Destabilisierung oder gar den Sturz dieses politischen Systems zum Ziel. "Ein Terrorexperte", so Dr. Straßner "werde in den Medien folglich falsch dargestellt, denn eigentlich bedeute diese Bezeichnung, dass der erwähnte Experte Spezialist auf dem Gebiet von Folter und Tyrannei sei".

Im Vortrag wurde zwischen drei Terrorismustypen unterschieden: Dem nationalseparatistischen Terrorismus, dem sozialrevolutionären Terrorismus und als dritten dem religiös motivierten Terrorismus. Die RAF lässt sich dem Typ sozialrevolutionärer Terrorismus zuordnen. Dr. Straßner wies weiter auf den aktuellen Umgang der Medien mit der RAF hin, wie z. B. auf den aktuell in den Kinos gezeigten, auf dem gleichnamigen Sachbuch des ehemaligen Spiegelchefredakteurs Stefan Aust basierenden "Baader-Meinhof-Komplex". Vor diesem Hintergrund warnte Dr. Straßner davor, anzunehmen, dass die RAF mit der Ermordung Hans Martin Schleyers und dem Selbstmord der Stammheiminhaftierten ein Ende fand. Vielmehr agierten im Anschluss an diese Ereignisse noch eine zweite und sogar bis in die 1990er Jahre eine dritte Generation der RAF.

Terrorismus, so Dr. Straßner, sei in der heutigen Zeit entgegen der Medienberichterstattung nicht ausschließlich islamistischer Natur, sondern trage auch bei Al Qaida neben den religiösen auch weiterhin sozialrevolutionäre Züge. Immer dann, wenn ein politisches System in eine sozioökonomische Schieflage gerate, bilde es Nährböden für sozialrevolutionäres Gedankengut und extremistische Propaganda.

Bericht: Aletta Hofmann, Stipendiatensprecherin der Hochschulgruppe Regensburg