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Yes, we can! Regensburger Stipendiaten auf den Spuren Barack Obamas

The Land of the Free and the Home of the Brave? Die USA nach der Präsidentenwahl

Zum Abschluss des Wintersemesters 2008/2009 stand auf dem Semesterprogramm der Stipendiatengruppe der Universität und der Hochschule Regensburg ein ganz besonderer Programmpunkt: Vom 20. bis 22. März 2009 hatten wir die Gelegenheit, uns in Wildbad Kreuth zu einem tagesaktuellen Thema mehrere Vorträge von Experten anzuhören, ihnen Fragen zu stellen und mit ihnen zu diskutieren. Die Tagung trug den Titel „The Land of the Free and the Home of the Brave? Die USA nach der Präsidentenwahl”.

Obamas Zauberwort ist "Dialog"

Barack Obama
Barack Obama (Foto: James O' Malley, Quelle: flickr, Creative Commons)

Der erste Programmpunkt des Seminars war eine Vorführung des Films „Die Lust an der Freiheit“ (1987) von Rüdiger Löwe und Henric Wuermling. Die Stipendiaten freuten sich, einen der beiden Autoren, Rüdiger Löwe, am Freitagabend zu begrüßen. Löwe ist Redaktionsleiter für den Bereich Internationale Sicherheitspolitik beim Bayerischen Fernsehen und kennt die Vereinigten Staaten von zahlreichen beruflichen und privaten Aufenthalten. Im Anschluss an den Film plauderte Rüdiger Löwe beim Kamingespräch mit den Stipendiaten ein bisschen aus dem Nähkästchen, erzählte viel aus seinem Leben, wie er durch ein Stipendium die Gelegenheit bekam, in die USA zu gehen und woher seine Begeisterung für dieses Land kommt. Wir bekamen dabei interessante Einblicke in den reichen Erfahrungsschatz eines Mannes, der auch schon bei Hillary und Bill Clinton zum Lunch eingeladen war und mit denen ihn eine lange Freundschaft verbindet.

Am Samstagvormittag hielt Rüdiger Löwe dann einen Vortrag zum Thema „Der Einfluss der amerikanischen Kultur auf Europa“. Er griff dabei in erster Linie den Vorwurf vieler Europäer auf, die Amerikaner seien überhaupt nicht kulturfähig, und erläuterte, dass sich das amerikanische Kulturverständnis eben vom europäischen unterscheide: Kulturschaffende in den USA seien zum einen viel stärker am Markt orientiert als dies in  Europa der Fall sei, und zum anderen herrsche in den Vereinigten Staaten eine antielitäre Einstellung vor. Während es dort weit verbreitet ist, beispielsweise Kurse (auch Fernkurse) zu besuchen, um zu lernen, wie man ein Buch schreibt, meine man bei uns, „ein Dichter muss vom Himmel fallen“. Unser Referent vertrat die Haltung, Europa müsse zu sich selbst finden und Amerika gegenüber selbstbewusster auftreten: „Nicht jammern, sondern selber machen!“, so Löwe.

Bei seinem letzten Vortrag am Samstag stellte Löwe Überlegungen zu der Frage an, was sich mit Barack Obama als Präsident wirklich verändern wird. Er resümierte die großen Herausforderungen, die auf den neuen Präsidenten zukommen (Eindämmung der Finanzkrise, Reformierung des Sozialstaates und Erneuerung der Infrastruktur, vor allem im Bereich Energie und Umwelt) und zeigte einige Beispiele auf, die Hinweise darauf sein können, wohin Obamas Politik Amerika führen wird: Die angekündigte Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo oder die Kampagne „Buy American“, eine Aufforderung Obamas, nur amerikanische Produkte und keine Importe mehr zu kaufen. Weiter führte Rüdiger Löwe aus, dass das Volk gar nicht davon ausginge, Obama könne alle seine Wahlversprechen erfüllen – radikale Änderungen solle der neue Präsident sowieso tunlichst vermeiden, um keine einflussreichen Gegner vor den Kopf zu stoßen. „Obamas Zauberwort ist Dialog“, so Löwe, „er signalisiert extrem hohe Gesprächsbereitschaft in alle Richtungen.“ Doch insgesamt sei es noch zu früh, um jetzt schon Prognosen zu machen – welche Veränderungen Obamas Plänen folgen werden, zeige sich erst in der Zukunft.

Kommt eine Revitalisierung der transatlantischen Beziehungen?

Um die Zukunft und speziell um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen ging es auch am Samstagnachmittag. Dr. Alice Neuhäuser, Altstipendiatin und am Institut für Sozialforschung, Informatik und Soziale Arbeit in Berlin tätig, stellte in ihrem Vortrag Überlegungen dazu an, wie sich das Verhältnis zwischen Amerika und Europa nach der Präsidentschaftswahl verändern könnte. Sie glaubt an eine Revitalisierung der transatlantischen Beziehungen, auch wenn dabei Großbritannien eine deutlich wichtigere Rolle spielen werde als Deutschland. Denn Großbritannien habe durch die historische Verbundenheit mit den USA eine „Brückenposition in Europa“, die Belebung der „special relationship“ zwischen beiden Ländern dürfe somit ein Anliegen von Präsident Obama sein.

Dr. Neuhäuser wies allerdings auch darauf hin, dass sich die USA insgesamt mehr Richtung Asien als Richtung Europa orientiere – Hillary Clintons erste Auslandsreise ging beispielsweise nicht nach Europa, sondern nach Asien.

Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte Dr. Johannes Urban am Sonntagvormittag mit seinem Vortrag zum Thema „Obama 08. Was wir aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf lernen können.“ Dr. Urban arbeitet im Referat Strategische Kommunikation, Internet und Reden des Bundesministeriums des Innern (Stab Leitungsbereich). In einem sehr interessanten, mit Videoausschnitten veranschaulichtem Vortrag brachte er uns einige Strategien Obamas näher, die ihm zum Erfolg verholfen hatten: die intelligente Nutzung neuer Technologien (vor allem sozialer Netzwerke im Internet), die Mobilisierung von Menschen durch Idealismus, eine einfache, verständliche und konsistente Art zu kommunizieren, das reaktionsschnelle und glaubwürdige Abwehren von Angriffen und das Schmieden von Allianzen. Im zweiten Teil seines Vortrags und in der sich anschließenden Diskussion ging es um die Anwendbarkeit dieser Methoden auf Deutschland und auf das Superwahljahr 2009. Er wünsche sich nicht, einen amerikanischen Wahlkampf in Deutschland erleben zu müssen, und man könne die Wahlkampftaktik Obamas sicher nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, so Urban. Dennoch könne man sich von ihm inspirieren lassen, um neue Wege einzuschlagen und alte Fehler nicht zu wiederholen.

Bericht von Viktoria Müller

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