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Als Vertreter der Hebräischen Universität auf der "StudyWorld2009"

Die internationale Hochschulmesse StudyWorld2009 in Berlin zog knapp 10.000 Besucher an

Ich studiere momentan Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem und zwar als Gaststudent an der englischsprachigen Rothberg International School.

Eines Tages bekam ich von der Graduate Studies Direktorin meiner Universität ein Schreiben, in dem sie nach Interessierten suchte, die die Hebrew University auf der Internationalen Hochschulmesse StudyWorld 2009 am 15. und 16. Mai 2009 in Berlin vertreten möchten. Diese jährlich stattfindende Messe informiert über Bachelor- und Masterstudiengänge an Hochschulen aus aller Welt sowie über Auslandspraktika. Ich rechnete mir als Gaststudent zwar keine großen Chancen aus, diese Aufgabe übertragen zu bekommen, dennoch reichte ich meine Bewerbung ein.

Ich wurde von Iris Avivi zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem Stellvertretenden Dekan Shimon Lipsky eingeladen. Nach einer kurzen Unterhaltung stand fest: Ich durfte die bedeutendste Hochschuleinrichtung Israels und eine der angesehensten Universitäten der Welt auf der Studienmesse in Berlin vertreten. In ein paar Briefings erhielt ich die wichtigsten Informationen und wurde mit Informationsbroschüren ausgestattet.

Der Flug nach Deutschland wurde am Security Check am Flughafen in Tel Aviv zu einem Geduldspiel. Weil ich Material bei mir hatte, das ich nicht selbst ausgesucht oder gekauft hatte, musste dies auf jegliche Fremdstoffe hin überprüft werden. Wenn man hier in Israel lebt, kennt man dieses Security Prozedere und hat סבלנות (man spricht "saflanut", zu Deutsch: Geduld, manchmal braucht man auch mehr davon).

Am Donnerstagabend, dem Vorabend vor Messebeginn, hatte ich mein erstes Treffen in Berlin mit den anderen drei Vertretern des Israel Universities Consortium, darunter die Tel Aviv University, The Technion Israel Institute of Technology, die University of Haifa und die Hebrew University. Gemeinsam mit den zuständigen deutschen Koordinatoren und Ansprechpartnern für jüdische Studenten versuchten wir, die besonderen Beweggründe zusammenzustellen, die für ein Studium in Israel sprechen.

Warum sich ein Studium in Israel lohnt

Ich erklärte, warum es sich aus meiner Sicht lohnt, ein ganzes Studienjahr in Israel zu verbringen: Man kann an einem einzigen Tag in Jerusalem oder Israel eine Fülle von Erfahrungen machen, vielleicht sogar mehr als im ganzen Leben zuvor. Woran liegt das? Wenn man als Student der Politikwissenschaften nach Jerusalem kommt, ist schon allein der Anblick dieser Stadt sehr beeindruckend. Dieser Balagan (zu Deutsch: Chaos) von Kulturen und Religionen macht vieles begreiflich.

Der Unterschied der Kulturen wird überdeutlich. Ich finde, man muss es selbst erlebt haben, um dann von sich glauben zu können, etwas beurteilen zu können. Dabei sind diese eigenen Erlebnisse nur kleine Ausschnitte der Realität. Man hat nie einen Krieg miterlebt, man hat nie Freunde dabei verloren, man wurde nie von Soldaten diskriminiert. Was erfährt und lernt man nicht alles, wenn man, wie ich, einen palästinensischen Freund hat und dieser im Nachbardorf von Jerusalem lebt!

Viel Zeit für Fragen und Antworten bei den Gesprächen mit jüdischen Studenten in einem Berliner Café.

Für mich gab es viele Gründe, die einen Studienaufenthalt in Israel interessant und besonders wertvoll machten. Ich freute mich über die Gelegenheit, diese aus meiner Sicht und dem eigenen Erleben heraus darlegen zu können. Da es für jüdische Studenten wegen des Shabbats nicht möglich war, die "StudyWorld2009" zu besuchen, sprachen wir bereits an diesem Donnerstagabend in einem Café zwei Stunden lang mit ihnen über Studienmöglichkeiten in Israel und beantworteten Fragen zu Studienfächern, -dauer und -gebühren, Aufenthaltskosten sowie den zahlreichen Stipendienangeboten.

Am Messestand der israelischen Universitäten

Josef Herbasch war offizieller Vertreter der Hebräischen Universität. Daneben seine Kolleginnen von den anderen drei israelischen Universitäten.

Am 15. Mai 2009 war der erste Messetag der "StudyWorld2009". Bereits um 8 Uhr morgens trafen wir uns vor dem Russischen Haus der Wirtschaft und Kultur in Berlin, indem die Messe stattfand, um uns registrieren zu lassen und unseren Stand einzunehmen.

Die interessierten Schüler und Studenten kamen "wellenartig". Nach ruhigeren Phasen konnten wir immer wieder nur mit Mühe dem Ansturm und den Fragen der Besucher gerecht werden. Ich versuchte, auch so manchem noch uninteressierten Schüler das Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem schmackhaft zu machen:

Man lebt in "der Stadt der Religionen" - die wichtigste der Juden, die zweitwichtigste der Christen und die drittwichtigste der Muslime. Man hat nicht weit zum Toten Meer, nicht weit zur Welt-Partystadt Tel Aviv und auch nicht weit zum Mittelmeer. Im naheliegenden Negev gibt es die Möglichkeit, zu klettern und zu wandern. Möchte man Palästina kennenlernen, ist es nicht weit bis nach Jericho und nach Ramallah, wo die Regierung Palästinas angesiedelt ist.

Auch was das Studium betrifft, ist die Hebrew University eine gute Wahl. Hier lehren teilweise die weltbesten Professoren ihres Fachgebiets. Ich habe momentan die Möglichkeit, Professor Immanuel Etkes in der Geschichte des Modernen Judentums zu hören. Als interessierter Kursteilnehmer will man am liebsten nie wieder von seiner Seite weichen und immer seinen Gedanken lauschen.

Das Studienprogramm ist vielfältig. Selbst Medizinstudenten haben die Möglichkeit, an einem Sommerkurs an der Hebrew Uni zu studieren. Sie können dort an einem Programm in Kooperation mit dem Hassadah Krankenhaus teilnehmen, das traumatisierte Kinder behandelt. Das sind zumeist Kinder, deren Eltern bei Terroranschlägen verstorben sind oder die selbst Opfer von Terroranschlägen wurden.

Wer möchte, kann die hebräische Sprache in einem Jahr soweit lernen, dass das hebräischsprachige Studium an der Hebrew University keine Schwierigkeiten mehr bereitet und damit die Tür zu jedem Studiengang offen steht.

Am Samstagvormittag war von uns ein Informationsvortrag über Studieren in Israel zu halten. Nach einer kurzen gemeinsamen Vorstellung konnte jeder Vertreter wesentliche Details und das Studienprogramm seiner Universität in einem Kurzreferat präsentieren. Nach diesem Vortrag wie auch aus den Gesprächen am Messestand zeigte sich, dass die meisten der an einem Studium in Israel Interessierten die Hebräische Universität in Jerusalem wählen würden, wobei dies sicherlich nicht an mir lag, sondern eben an Jerusalem.

Ich bin froh, diese ehrenvolle und zugleich anstrengende Aufgabe übernommen zu haben. Das Engagement hat sich auch für mich in vielerlei Hinsicht gelohnt.

Josef Herbasch, Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung und derzeit Gaststudent in Jerusalem

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