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Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

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Referat IV/3 Universitätsförderung für
Geistes-, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
Dr. Gabriele-Maria Ehrlich
Tel.: 089 1258-330 | Fax: -403
E-Mail: ehrlich@hss.de

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Hanns-Seidel-Stiftung
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Europäische Identität

"Europa braucht eine Seele", sagte der einstige Präsident der EU-Kommission, Jacques Delors, ein französischer Sozialist. Und er hat Recht: Die Friedensvision der Gründungsväter des vereinten Europa verpflichtet dazu, die EU nicht zum reinen Markt, zur Freihandelszone verkommen zu lassen. "Die Frage nach den Grenzen Europas ist die Frage nach Europas Identität", sagte der damalige Kommissionspräsident Romano Prodi. Auch er hat Recht: Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union machen die Frage nach der Identität Europas dringlicher.

Worin besteht aber das Wesen dieses Kontinents? Worin das Ziel seiner Einigung? 28 Stipendiatinnen und Stipendiaten befassten sich ein Wochenende lang unter der Anleitung von Fachreferenten mit der Frage nach der Identität Europas.

Die Stipendiatengruppe mit Dr. Rainer Glagow (r.)
Die Stipendiatengruppe mit Dr. Rainer Glagow (r.)

Zur Einleitung der Thematik stellte Prof. Dr. Immo Eberl vom Historischen Seminar der Universität Tübingen, Vertrauensdozent der Hanns-Seidel-Stiftung, das Christliche Abendland als das geistesgeschichtliche Fundament Europas dar, das sich aus der Symbiose der antiken griechischen Philosophie, des römischen Rechtsdenkens und der jüdisch-christlichen Religion entwickelte. Trotz Kleinstaaterei und vieler politischer Auseinandersetzungen hätten die Völker Europas viele historische Erfahrungen gemeinsam. Die Vielfalt Europas sei ein konstitutives Element. Geformt worden sei der gesamte Kontinent durch die Christianisierung Europas.

In Abgrenzung zum Abendland mit seinen Werten der persönlichen Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichen Gerechtigkeit basiert nach Dr. Rainer Glagow, Islamwissenschaftler und Sachbuchautor in Berlin, die islamische Identität auf den Prinzipien der Unterwerfung unter Allahs Weltordnung, des Vorranges des Kollektivs vor dem Individuum und des dreistufigen koranischen Menschenbildes. Ein Freiheitskonzept fehle dem Islam, der eine Religion des Seins, der Stagnation sei. Für eine Historisierung des Korans biete sich keine Möglichkeit an.

Beide Wertesysteme seien in vielem nicht miteinander zu verbinden, und der Dialog mit dem Islam deshalb schwierig, weil die Kenntnisse über den Islam nicht weitreichend genug wären und eigene Standpunkte zugunsten einer Scheinharmonie aufgegeben würden. Auch der Islam befinde sich heute in einer Identitätskrise, auf die er mit Stärkung der religiösen Grundlagen reagiere. Um den gegenwärtigen negativen Trends der gesellschaftlichen Entwicklung im Westen zu begegnen, verwies Dr. Glagow auf eine Wiederbelebung der christlich-abendländischen Werte, und hinsichtlich der EU-Mitgliedschaft der Türkei bekräftigte er die Notwendigkeit auch einer geografischen Definition Europas.

Vertrauensdozent Prof. Dr. Rudolf Streinz
Vertrauensdozent Prof. Dr. Rudolf Streinz

Mit der europäischen Einigung hat sich die jahrhundertealte Idee von Frieden und Verständigung verwirklicht, was seine Entsprechung im Verfassungsvertrag findet. Prof. Dr. Rudolf Streinz, Staats- und Europarechtler an der LMU in München und Vertrauensdozent der Hanns-Seidel-Stiftung, referierte über den Verfassungsgedanken in der europäischen Integration, über die Probleme des aktuellen Verfassungsprozesses, seine Grundlagen, Werte und Perspektiven sowie über die Zukunft des Verfassungsvertrages und die Europäische Union.

Die Frage nach der Zieldefinition der Einigung Europas, welche Ideale und Interessen Europas in der Welt zu vertreten und zu verteidigen hat, beantworteten Martina Kastler, ehem. Stipendiatin und Pan-Europa-Mitglied, und Martin Kastler, ehem. Stipendiat und MdEP a. D. Mit der friedlichen Integration und den christlichen Werten Freiheit, Frieden, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Menschenwürde verbinde sich eine besondere Verantwortung für Europa, Probleme in der Welt zu lösen. Durch Wahrung und Verteidigung der Menschenrechte und Schutz der Minderheiten könne Europa auch sein eigenes Erbe bewahren und seine Identität festigen.

Mit Interesse und Engagement verfolgten die Stipendiatinnen und Stipendiaten das Seminar und freuten sich in den Pausen über sommerliches Bergwetter und gesellige Grillabende in der Molkehalle des Bildungszentrums.