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Referat IV/5 Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (JFS)/ Fachforen
Isabel Küfer
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Fachforum Medien: Medien unter Druck
Wenn die Medienlandschaft unter dem Druck der ökonomischen Situation oder konkurrierender Angebote steht, ist das nicht allein für die Unternehmer, sondern insbesondere für die Journalisten von Bedeutung. Die Presselandschaft klagt über sinkende Leserzahlen und Anzeigenerlöse, der Hörfunk muss sich im rauen Wettbewerb behaupten und nicht nur das Fernsehen wird vom Internet im Kampf um die Aufmerksamkeit der Mediennutzer bedroht. Mit dieser breit angelegten Thematik befassten sich Stipendiaten und Altstipendiaten beim diesjährigen Fachforum Medien vom 28. bis 30. September 2007 in Wildbad Kreuth. Unter dem Motto "Medien unter Druck" standen Vertreter aus dem Unternehmerbereich zusammen mit aktiven und ehemaligen Journalisten den Fachforums-Teilnehmern Rede und Antwort.

- Hans Werner Kilz, Chefredakteur SZ
Für den Einführungsvortrag am Freitagabend konnte Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, gewonnen werden. Er ging dabei insbesondere auf die Gesamtsituation der Medienbranche ein. Nachdem sich die ökonomische Situation wieder verbessert habe und eine Konsolidierungsphase eingetreten sei, würden derzeit spektakuläre Übernahmen die Medienlandschaft prägen. "Die Investoren locken etablierte Marken und das Online-Geschäft", so Kilz. Daneben seien neue Geschäftsstrategien und Kostensenkungen derzeit Thema. Für die Zukunft stehe die Medienbranche vor großen Herausforderungen. Laut einer Umfrage könnten 34 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nicht auf den Computer verzichten, aber lediglich zwei Prozent nicht auf Zeitungen. Doch Kilz hatte auch positive Botschaften für die Fachforums-Teilnehmer parat. Auch künftig sei wichtig, die Qualität der Zeitungen hochzuhalten. Dies gehe nur mit gut ausgebildeten und motivierten Journalisten. Nach dem Einführungsvortrag nutzten die Stipendiaten und Altstipendiaten ausgiebig die Gelegenheit zu diskutieren und Detailfragen an den Chefredakteur heranzutragen, die dieser ausführlich beantwortete.
Der Samstag begann mit einer Podiumsdiskussion zum Fachforumsthema. Dr. Franz Eibl, ehemaliger Journalist in der Politikredaktion einer Tageszeitung und nun Pressesprecher der Stadt Bamberg, stand thematisch für die Journalisten- und PR-Seite. Die unternehmerischen Aspekte beleuchtete Andreas Scherer, Geschäftsführer der Presse Druck GmbH (u.a. Augsburger Allgemeine) und neuer Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger. Für den immer noch wachsenden Online-Bereich, der schon am Freitagabend mehrfach angesprochen worden war, stand der Leiter des Ressorts "Netzwelt" bei Spiegel Online, Frank Patalong.
Zunächst ging Andreas Scherer auf die wirtschaftliche Situation bei den Tageszeitungen ein. Dank der konjunkturellen Erholung würden wieder mehr Stellenanzeigen geschaltet, jedoch würden andere Anzeigenarten, wie zum Beispiel die für Kfz, mehr und mehr nur noch im Internet auftauchen. Als Strategie für die Zukunft müssten sich Zeitungsverlage noch stärker medienübergreifend positionieren.
Dr. Franz Eibl kritisierte, dass sich der wirtschaftliche Druck sehr auf die Journalisten auswirke, die teilweise mit Zeitverträgen und untertariflicher Bezahlung abgespeist würden. "Wir haben eine zunehmende Entprofessionalisierung im Journalismus", klagte Dr. Eibl. Er riet, flexibel zu bleiben und einen Wechsel in den PR-Bereich in Erwägung zu ziehen. Die Idealvorstellung, die Außenstehende vom Journalistenberuf hätten, entspreche häufig nicht der Realität.
"Ich bin ein Zeitungsmacher - ich mach's nur online", begann Frank Patalong sein Statement und ging darin auf die Besonderheiten im Online-Journalismus ein. Nachdem diverse Internet-Bereiche bis Ende der 90er Jahre Millionengräber waren, würden dort nun die Werbeeinnahmen steigen. Auch Patalong unterstrich die Qualität, an dem sich der Online-Journalismus messen lassen müsse. Suchmaschinen wie Google würden jedoch Uniformität belohnen. Je gleichförmiger und häufiger dieselben Artikel im Internet veröffentlicht würden, um so höher steige die Platzierung bei Google. Aktuelle, selbst recherchierte und exklusive Inhalte hätten so geringere Chancen, Beachtung zu finden.
Bei der anschließenden Diskussion erkundigten sich die Fachforums-Teilnehmer unter anderem zur Leserorientierung und zu Chancen beim Wechsel des Journalisten in den PR-Bereich. Am Samstagnachmittag standen Workshops auf der Tagesordnung. Im ersten Thema ging es um Chancen und Risiken von Seitenwechsel und Selbständigkeit. Beim zweiten Workshop wurden Aspekte und nötige Rahmenbedingungen beim "Berufsziel Journalist" erarbeitet. Das dritte Thema war eine Fallstudie aus dem Medienmanagement, in dem die Teilnehmer gemeinsam eine Strategie für ein Anzeigenblatt erarbeiteten.
Der Club der Altstipendiaten (CdAS) hatte am Abend zu einem Empfang geladen. Hier bot sich die Gelegenheit, Inhalte zu vertiefen und sich in geselliger Runde auszutauschen. Am Sonntagvormittag wurden zunächst die Workshopergebnisse im Plenum, zu dem Prof. Hans-Peter Niedermeier, Leiter des Förderungswerks der Hanns-Seidel-Stiftung, gestoßen war, präsentiert. Danach wurde das Thema für das Fachforum Medien 2008 bestimmt: Beim nächsten Mal werden verstärkt cross-mediale Beziehungen im 21. Jahrhundert betrachtet. Als Termin steht das Wochenende vom 26. bis 28. September 2008 bereits fest. Die Organisation verantworten die neu gewählten Fachforumssprecher Ute Badulescu, Universität Regensburg, Dagmar Diener, Universität Trier, und Anton Preis, WHU Vallendar.
Bericht und Bildmaterial: Anton Preis

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