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Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

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Referat IV/3 Geistes-, Sozial- Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (Uni)
Dr. Gabriele-Maria Ehrlich
Tel.: 089 1258-330 | Fax: -403
E-Mail: ehrlich@hss.de

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Sterbehilfe - Freitodbegleitung oder würdiges Sterben?

Die teilnehmenden Stipendiatinnen und Stipendiaten
Die teilnehmenden Stipendiatinnen und Stipendiaten

Aufbauakademie der Universitätsförderung in Wildbad Kreuth
Zwei Ängste bewegen die Menschen früher oder später: Sterben zu müssen und nicht sterben zu können. Mit dem Gedanken an den Tod verbindet sich die Frage nach den ungewissen Umständen, unter denen der Tod eintreten wird: Sterben unter Leid und Schmerz, im Krankenhaus oder zu Hause, bei Bewusstsein oder ohne Bewusstsein, allein oder mit einem sorgenden Menschen an der Seite. Mit dem Fortschritt der medizinischen Möglichkeiten wächst unsere Furcht vor dem Einsatz künstlicher, lebensverlängernder Maßnahmen in der letzten Lebensphase aus Angst vor einer Leidensverlängerung. Deshalb wünscht die Mehrheit der Bevölkerung laut Umfragen eine Zulassung der aktiven Sterbehilfe bei aussichtsloser Krankheit. Aber was verbirgt sich konkret hinter dem Begriff "Sterbehilfe"? Welche Handlungen sind gemeint? Bedeutet sie Beistand im Sterben oder Nachhilfe zum Sterben? Was heißt "in Würde sterben"?

35 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung stellten sich vom 30. November bis 02. Dezember 2007 der Herausforderung dieses Themas im Bildungszentrum Wildbad Kreuth.

Dr. Stefan Lorenzl (li.) nahm sich viel Zeit für das Gespräch mit den Stipendiaten
Dr. Stefan Lorenzl (li.) nahm sich viel Zeit für das Gespräch mit den Stipendiaten

Priv.-Doz. Dr. Stefan Lorenzl, Facharzt für Neurologie und Palliativmedizin im Klinikum Großhadern, erläuterte zunächst die Bedeutung der Palliativmedizin als Betreuung Schwerstkranker für die letzte Lebensphase mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien mittels hochqualifizierter Beurteilung und Behandlung von Schmerzen sowie physischer, psychosozialer und spiritueller Probleme. Hinsichtlich der Sterbehilfe traf er folgende begriffliche Unterscheidungen: Unter "aktiver Sterbehilfe" seien Handlungen zu verstehen, die den Tod eines Menschen gezielt herbeiführen sollen - mit dessen ausdrücklicher oder mutmaßlicher Einwilligung; bei "passiver Sterbehilfe" werde durch Nicht-Einleiten oder Nicht-Fortführung lebenserhaltender Maßnahmen das Sterbenlassen verwirklicht, und von "indirekter Sterbehilfe" spreche man bei zulässiger Leidenslinderung durch Schmerzbehandlung oder ggf. Sedierung unter Inkaufnahme der Lebensverkürzung. Es gelte das Maß der medizinischen Intervention zu erkennen, um dem Sterben Raum und Zeit zu geben und damit ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

Angelpunkt der Diskussion über Freitodbegleitung oder den assistierten Suizid ist das Verständnis von Autonomie. Deshalb stellte Gerhard Rampp, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, die Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht am Lebensende: "Wem gehört mein Leben"? Die DGHS fordert das Recht auf Autonomie hinsichtlich eigener Vorstellungen und Wünsche bei der Wahl des Todeszeitpunkts.

Rainer Beckmann, Staatsanwalt in Würzburg und aktives Mitglied der Juristen-Vereinigung "Lebensrecht", stellte dann die Rechtsfragen des assistierten Suizids dar. Er verwies auf die Ängste des Menschen, die den Wunsch nach Sterbehilfe motivierten, und veranschaulichte, dass die Selbsttötung kein Akt der Autonomie sei, weil sie die Vernichtung des Autonomiesubjekts einschließe und dadurch dem Autonomiebegriff in sich widerspräche. Die Bedeutung der Einstellung des Menschen zur Selbsttötung resultiere aus ihrem Einfluss auf die Einstellung zur Tötung auf Verlangen. Da grundsätzlich das Selbstbestimmungsrecht von Schwerkranken und Sterbenden zu stärken sei, sofern es nicht gegen das Tötungsverbot ausgespielt werde, seien auch die Patientenverfügungen innerhalb ethischer Grenzen voll zu respektieren. Allerdings ergäben sich in der Praxis eine Reihe von Fragen bezüglich der Reichweite, Kontrolle, Verbindlichkeit, Wirksamkeit der Verfügungen, die eine Gratwanderung zwischen Autonomie und Fürsorge darstellten, wie auch die rechtspolitischen Diskussionen zeigten sowie die drei vorliegenden Gesetzesentwürfe.

Prof. Dr. Josef Schuster SJ
Prof. Dr. Josef Schuster SJ

Prof. Dr. Josef Schuster SJ von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, Lehrstuhl für Moraltheologie, betrachtete das Sterben des Menschen aus theologischer Sicht. Der Jesuit erläuterte die Streitpunkte der Sterbehilfedebatte in den unterschiedlichen Positionen der Aussagen der christlichen Tradition und des kirchlichen Lehramtes sowie bei den kausaltheoretischen Überlegungen und dem Intentionalitätsargument. Er wies zum Abschluss darauf hin, dass die Theologie das Faktum des Todes immer im Glauben zu deuten versuchte. Tod als Ende des Lebens werde zugleich als Vollendung des Lebens angesehen, als Tor zur Ewigkeit. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, dieses Ende in seiner Unverfügbarkeit anzuerkennen. Die Hoffnung wider den Tod befreie den Christen zu einer Ethik der Lebensbejahung und Weltverantwortung.

Die beeindruckenden Filme des vielfach ausgezeichneten Regisseurs Bernd Umbreit "Meine letzten Worte an Euch. Gedanken von Sterbenden" und "Hollands langer Schatten" (Kurzbeschreibungen unter undefinedwww.umbreit-film.de) sowie ein Film des Regisseurs Kronawitter über die Arbeit im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin im Klinikum Großhadern ließen ein nachdenkliches und tief bewegtes Publikum zurück.