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Referat IV/3 Universitätsförderung
Dr. Gabriele-Maria Ehrlich
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E-Mail: ehrlich@hss.de
Anschrift
Hanns-Seidel-Stiftung
Institut für Begabtenförderung
Lazarettstrasse 33
80636 München
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850 Jahre München - die Stadt im Dritten Reich
Im Rahmen des diesjährigen Gedenkens an 850 Jahre Bestehen der Stadt München organisierte die Hanns-Seidel-Stiftung für ihre Stipendiaten am 23./24. Mai 2008 ein Seminar zum Thema "Die Stadt im Dritten Reich". München gilt als besonderes Zentrum des Nationalsozialismus: 1919/20 Entstehung der NS-Bewegung, 1933 Errichtung des ersten Konzentrationslagers in Dachau, ebenso 1933 München als "Hauptstadt der deutschen Kunst" und 1935 "Hauptstadt der Bewegung". München war Kultort der NSDAP.
Andererseits war die Gleichschaltung Münchens und Bayerns im März 1933 besonders dramatisch und gewaltsam. Die Wahlergebnisse der NSDAP waren in München weit unterdurchschnittlich und Verfolgung und Widerstand besonders ausgeprägt: Er reichte vom katholischen Jugendwiderstand, studentischen und monarchistischen Widerstand, dem Sperrkreis über den der Arbeiterbewegung bis zum konfessionellen Widerstand.
45 Stipendiatinnen und Stipendiaten folgten der Stadtführung von Prof. Dr. Dr. Peter Hartmann durch München an die einschlägigen Orte des Nationalsozialismus. Prof. Dr. Hartmann, ehemaliger Professor für Allgemeine und Neuere Geschichte an der Universität Mainz, erläuterte den geschichtlichen Hintergrund der ?Machtergreifung? der Nationalsozialisten, die Übertragung der Regierungsgewalt an die NSDAP und den unmittelbar danach einsetzenden Prozess der "Gleichschaltung".
Dr. Andreas Heusler vom Direktorium des Münchner Stadtarchivs zeichnete die Situation der Münchner Juden von 1933 bis 1945, die geprägt war von Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung. Die jüdische Bevölkerung als der "rassenpolitische Hauptfeind" war bis 1938 in erster Linie Ziel feindlicher Kampagnen von staatlichen und parteilichen Dienststellen und wurde ab dem Jahr 1938 Opfer der Initiative der Geheimen Staatspolizei.

- Prof. Dr. Hans Günter Hockerts
Widerstand kam von Einzelpersonen und einzelnen Gruppen. Zu den bekanntesten Münchner Widerstandsgruppen zählte die der Studenten der "Weißen Rose", deren Motivation ausdrücklich christlich bestimmt gewesen sei und gestärkt worden sei durch die Empörung über das unwürdige NS-Regime, wie Prof. Dr. Michael Kißener vom Historischen Seminar für Zeitgeschichte an der Universität Mainz darlegte.
Die Tragweite der christlich geprägten Milieuresistenz erklärte Prof. Dr. Hans Günter Hockerts, Professor für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte an der LMU, wonach die Standards der Milieuresistenz noch keinen politischen Widerstand bewirkten, aber Abstand zum Nationalsozialismus, aus dem dann Verweigerung, Protest und aktiver Widerstand erwachsen konnte. Mit zahlreichen Beispielen von Einzelpersonen, Kreisen und kleinen Gruppen zeigte Prof. Dr. Hockerts die Bedeutung der persönlichen Entscheidung für eine Fundamentalposition auf.
Abschließend verdeutlichte Prof. Dr. Ludwig Eiber vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg die Verweigerung der Arbeiter und Arbeiterbewegung in München, die sich zunächst in der Bewahrung des eigenen Standpunkts gegen die um sich greifende Begeisterung für den Nationalsozialismus äußerte, um dann vielfach in Opposition zu münden, besonders im Krieg.

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