Kontakt

Referat IV/6 Altstipendiaten
Prof. Hans-Peter Niedermeier
Tel.: 089 1258-400 | Fax: -403
E-Mail: SchreyerBrummer@hss.de

Anschrift

Hanns-Seidel-Stiftung
Institut für Begabtenförderung
Lazarettstrasse 33
80636 München

Publikationen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

Therapie und Prävention des Burnout-Syndroms

Dass gerade leistungsstarken und hoch motivierten Menschen zuweilen "die Luft ausgeht", ist längst kein Geheimnis mehr. Mittlerweile lassen sich einige prominente Namen mit diesem Syndrom in Verbindung bringen. Der Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung – meist begleitet von verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen – wird als Burnout-Syndrom bezeichnet. Burnout ist nicht nur ein Stress-Symptom der helfenden Berufe, wie man zu Beginn annahm, sondern entsteht überall dort, wo die eigenen Leistungskapazitäten überbeansprucht werden. Über dieses aktuelle Thema informierte die Diplom-Ingenieurin Marion Kaiser, Trainerin in Arbeitsorganisation, Kostenmanagement und Personalführung sowie zertifizierter Coach mit mehreren Jahren Erfahrungen in Therapie und Prävention des Burnout-Syndroms. Die Veranstaltung wurde von Dr. Gudrun Hackenberg-Treutlein organisiert und moderiert.

Marion Kaiser und Dr. Gudrun Hackenberg-Treutlein

Das Burnout-Syndrom hat sich im Laufe der Zeit enttabuisiert und zieht zunehmend Aufmerksamkeit auf sich, da aufgrund des Arbeitsausfalls der Betroffenen großer volkswirtschaftlicher Schaden entsteht. Die Ursachen dieser Erkrankung liegen einerseits im Leistungsdruck durch Erziehung und Gesellschaft, andererseits im inneren Druck, beispielsweise durch zu hochgesteckte Ziele, Abhängigkeit von äußerer Bestätigung sowie Verleugnung und Verdrängung von Stress- und Überforderungssignalen. Die Symptome entwickeln sich von Warnsignalen am Anfang über Rückzug, Depression, psychosomatischen Reaktionen bis hin zu totaler Verzweiflung.

In diesem Kontext stellte Marion Kaiser das der Transaktionsanalyse entlehnte Modell der "inneren Antreiber", der handlungsleitenden, individuellen Glaubenssätze vor. Kritisch wird es, wenn diese sich verselbstständigen und das Steuer übernehmen. Dann kann es sein, dass aus einem Menschen, der seine Aufgaben in der Regel zügig erledigt, ein Mensch wird, der darum bemüht ist, immer mehr in immer weniger Zeit zu bewältigen, und schließlich durch das Leben hetzt. Oder aus einem Menschen, der stets einwandfreie Arbeitsergebnisse liefert, kann ein Perfektionist werden, der sich in Details verrennt und "vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht".

Für eine individuelle Prävention, so die Referentin, ist vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber von großer Bedeutung. Man sollte versuchen, eine Balance der vier Lebensbereiche Körper, Sinnfindung, Leistung/Arbeit und Kontakte aufzubauen. Mit dem Lebens-Balance-Modell verdeutlichte sie, dass es eben nicht ausreicht, "nur" für einen Einklang des privaten und beruflichen Bereichs zu sorgen, wie die meisten Menschen annehmen. Vielmehr gehört der Blick auf die Gesundheit - Bewegung und Entspannung - ebenso dazu wie eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sinn, also beispielsweise die Erwägung religiöser oder philosophischer Fragen. Summa summarum spielt die Eigenaktivität im Sinne von Selbstachtsamkeit oder Selbstfürsorge eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Der Heilungsprozess einer Person, die bereits "ausgebrannt " bzw. arbeitsunfähig ist, ist aufwendig. Neben einer therapeutischen Intervention besteht eine weitere mögliche Behandlungsmaßnahme eines Burnout-Syndroms im psychologischen Coaching, bei dem die individuellen Ursachen des Syndroms entschlüsselt werden und die Betroffenen lernen, die eigenen Reaktionsmechanismen zu kontrollieren. Körperliche Bewegung zur allgemeinen Regeneration und das Einsetzen verschiedener Entspannungstechniken spielen hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle. Frau Kaiser rät nicht sofort zu einem Arbeitsplatzwechsel, sondern plädiert dafür, zunächst das Leben wieder in eine Balance zu bringen. Bestimmte Gegebenheiten können allerdings einen Arbeitsplatzwechsel erforderlich machen.

Als Voraussetzung für eine Prävention in Betrieben nannte Frau Kaiser ein gesundes soziales Klima. Das Betriebsklima müsse regelmäßig beobachtet und evaluiert werden. Arbeitsbedingungen seien entsprechend zu verbessern, Informationen in Vorträgen begleitend anzubieten, Gesundheits- und Entspannungsräume könnten eingerichtet werden, ein Gesundheitsberater könnte angestellt werden, und Coaching könnte im Bedarfsfall stattfinden. Ein Wandel im Führungsverständnis ist laut Frau Kaiser notwendig. Die Betriebsführung müsse viel stärker auf soziale Gesundheit achten, Motivation und Anreize schaffen, mit dem Personal beständig im Gespräch sein und es dabei mehr fördern und beraten.

Jianfei Kralle