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Die Grenzen des Wachstums - Verknappung von Schlüsselressourcen

Im Jahre 1972 veröffentlichte der Club of Rome seine zu großer Berühmtheit gelangte Studie "Die Grenzen des Wachstums", in der Zukunftsszenarien für die Entwicklung des Globus und der Menschheit und damit in Verbindung stehende Problemstellungen erörtert wurden. Inzwischen füllen diese Themen die Medienlandschaft: Klimakatastrophe, Überbevölkerung, Verknappung fossiler Energieträger, Wasserknappheit. Diesem Themenkomplex der Ressourcenverknappung widmeten sich Stipendiaten im Fachforum Physik / Ingenieurwissenschaften vom 27. Februar bis 1. März 2009 im tief eingeschneiten Wildbad Kreuth.

Die Teilnehmer des Fachforums

Der Blick war hierbei einerseits ganzheitlich-systemischer Art, um die Einzelproblematiken in ihren jeweiligen Verknüpfungen zu anderen Ressourcenproblemen zu sehen, andererseits wurde auch eine spezielle Problemstellung aufgegriffen, die sich fernab des öffentlichen Fokuses befindet, jedoch bereits auf kurzen Zeitskalen von bereits wenigen Jahren bis Jahrzehnten dramatische Auswirkungen auf die Gegebenheiten der Industriegesellschaften entfalten könnte: Die drastische Verknappung strategisch bedeutender Elemente, insbesondere von diversen Metallen und Halbleitern, die in sehr spezifischen Kontexten Einsatz finden und deren jährlicher Bedarf in einem bedenklichen Missverhältnis zur Jahresproduktion und zum mitunter geringen bis nicht vorhandenen Recyclingpotenzial steht.

Prof. Dr. Armin Reller von der Universität Augsburg stellte in seinem Vortrag "Wie viele Ressourcen braucht ein Mensch?" sehr plastisch den Zusammenhang von Rohstoffverbrauch, Wirtschaft, gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Rahmenbedingungen dar. Die demographische Entwicklung, der technologische Fortschritt und die Globalisierung der Wirtschaft führen zu einem extremen Anstieg des Ressourcenverbrauches und haben bereits jetzt einige dramatische ökologische Katastrophen herbeigeführt, was am Beispiel des Aralsees veranschaulicht wurde, der durch übergebührliche Wasserentnahme innerhalb eines halben Jahrhunderts auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Fläche reduziert wurde. Deutlich wurde, dass Fragen der Ressourcenverknappung nicht isoliert betrachtet werden können, sondern der Antworten sowohl aus Naturwissenschaft und Technik als auch aus nationaler und internationaler Politik bedürfen.

Prof. Armin Reller über ressourcenintensive Projekte

Prof. Dr. Wolfgang Brütting, ebenfalls von der Universität Augsburg, referierte über "Organische Halbleiter als Bausteine einer kohlenstoffbasierten Elektronik: Möglichkeiten und Grenzen". Neben den chemisch-physikalischen Grundlagen kohlenstoffbasierter Elektronik stellte Prof. Brütting deren mögliche Einsatzgebiete vor. Sehr deutlich erteilte der Referent der oft in populärwissenschaftlichen Medien geäußerten These eine Absage, die organische Elektronik wäre in der Lage, in einiger Zeit die konventionelle Technologie zu ersetzen: "Aus organischen Halbleitern werden Sie nie einen Pentium-Prozessor bauen können". So lieferte der Vortrag ein sehr differenziertes Bild: In einigen Bereichen, beispielsweise der Beleuchtungstechnik, wird die organische Elektronik zu Bedeutung gelangen und dort auch einen positiven Beitrag zur Ressourcenproblematik liefern können, manche völlig neue Anwendungen werden entstehen können auf Grund der vergleichsweise preisgünstigen Produktion organischer Elektronik, in anderen Bereichen hingegen, wie dem der Prozessortechnologie, stellen inhärente Gegebenheiten wie physikalische Grenzen eine unüberwindbare Hürde dar, diesen Bereich durch organische Elektronik zu erschließen.

"Seltene Metalle und Zukunftstechnologien" war der Titel des Vortrags von Dr. Michael Scharp, der den weiten Weg aus Berlin vom "Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung" auf sich genommen hatte. Vor dem Hintergrund der Rohstoffverknappung ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, wie sich der Verbrauch der Rohstoffe entwickeln wird und inwiefern Ressourcen durch gezieltes Recycling z. B. wertvoller Metalle aus Elektrogeräten geschont werden können, führte Dr. Scharp aus.

Eine Problematik stellt dabei der hohe Anteil dissipativer Nutzung von Rohstoffen dar, bei dem eine Wiederverwertung von Beginn an ausgeschlossen ist. Beispielsweise werden jedes Jahr mehr als 100.000 Tonnen Strontium mittels Feuerwerkskörpern unwiederbringlich an die Umwelt abgegeben. Ferner hat die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien entscheidenden Einfluss auf die Reichweite der uns gegebenen Materialien. Eine Einführung von Lithium-Ionen Akkumulatoren als Hochleistungsspeicher in Hybridfahrzeugen kann einen Mangel an Lithium und Kobalt auslösen, da die Fördermengen dieser Materialien nicht beliebig angepasst werden können. Es gilt also in Zukunft zu entscheiden, welche Technologie mit welchen Ressourcen ausgestattet wird.

Die neuen Fachforumsprecher (v.l.) Johannes Ziegmann, Sergej Müller und Andreas Hartmann

Immer wieder betont wurde im Laufe des Fachforums die Bedeutung verbindlicher politischer Rahmenbedingungen, ohne die seitens der Wirtschaft nur schwierig ein schonender Umgang mit Ressourcen denkbar ist, so lange dieser zu ökonomischen Nachteilen führt. Einen Vorschlag zur Überwindung genau dieser Problematik stellte PD Dr. Dirk Solte vom "Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung" aus Ulm dar. Sein Vortrag "Weltfinanzsystem am Limit - Die Krise als Chance für einen global "Deal"  zur Lösung der Ressourcenproblematik" lieferte zunächst einen sehr erhellenden Einblick in die Mechanismen des internationalen Finanzsystems sowie die Grundlage für das Verständnis der Ursachen der jüngsten globalen Finanzkrise. Die Lösungsstrategien zur Überwindung der Finanz- wie der Ressourcenproblematik gleichen sich frappierend. Durch die rasante Entwicklung hin zu einer globalisierten Weltwirtschaft verlieren die einzelnen Nationalstaaten mehr und mehr an Bedeutung. Nur durch verbindliche globale Standards, sei es im Finanzsektor, sei es im Hinblick auf Sozial- und Umweltstandards sind die Probleme der Gegenwart zu lösen. Die Stärkung der internationalen Organisationen, insbesondere der Vereinten Nationen und ihrer einzelnen Organe vermögen das Betreiben einer Weltinnenpolitik zu gewährleisten, die durch das Schaffen verbindlicher Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer eine rücksichtslose Ausbeutung der Welt verhindern kann und einen Zustand nachhaltigen Wirtschaftens etablieren kann.

Zum Ende des Forums galt es wieder für die Teilnehmer, auch das zukünftige Geschick des Fachforums in gute Hände zu legen. Hierfür wählten die Mitglieder des Forums die beiden neuen Sprecher Johannes Ziegmann und Sergej Müller und bestätigten den bereits amtierenden Sprecher Andreas Hartmann. Diese machten sich sogleich beschwingt mit ersten Ideen an die Vorbereitung des Forums 2010, das sich aus Sicht des Physikers und Ingenieurs mit "Logistik in der globalisierten Welt" beschäftigen wird.

Bericht: Bernhard Kick und Andreas Hartmann
Fotos: Andreas Hartmann