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Drogen und Drogenmissbrauch

Die Teilnehmer des diesjährigen Stipendiaten-Fachforums Medizin
Dr. Willi Unglaub, Leiter der Methadonambulanz am Bezirksklinikum Regensburg
Prof. Dr. Peter Betz, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Erlangen
Bernd Kreuzer, Bayerisches Landeskriminalamt
Karin Wiggenhauser, Diplompsychologin und Leiterin der Beratung bei Condrobs e. V.
Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel, Diplompsychologe und Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht
Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Rechts der Isar der TU München

Mediziner, Psychologen, Sozialpädagogen - das diesjährige Medizinfachforum lockte mit seinem breiten Themenkomplex Teilnehmer aus sämtlichen Fachdisziplinen vom 9. bis 11. Oktober 2009 nach Wildbad Kreuth. Unter dem Motto „Drogen und Drogenmissbrauch“ begrüßten die Fachforumssprecher Stephanie Egelseer, Markus Vallaster und Michael Ertl hochkarätige Spezialisten auf diesem Feld.

Dr. Willi Unglaub, Leiter der Methadonambulanz am Bezirksklinikum Regensburg, zeigte in seinem Vortrag auf, wie und mit welchen Medikamenten Heroinabhängige sich einer Substitutionsbehandlung unterziehen können, wie lange ein solche Behandlung dauert und was ihre Grenzen sind. Mithilfe dieser Ambulanzen können Opiatabhängige trotz ihrer Krankheit ein weitgehend normales Leben führen und ihre Sucht besiegen. Ziel der Einrichtungen ist es, die Suchtkranken schrittweise wieder in die Abstinenz zu begleiten. Dank verschiedener Ersatzsubstanzen wie Methadon, das dem Heroin in vieler Sicht ähnelt, allerdings keine Rauschwirkung mit sich bringt, kann dem Körper der Entzug erleichtert werden. Ein Team aus Ärzten, Pflegern und Psychologen steht den Abhängigen rund um die Uhr zur Verfügung.

Einen breitgefächerten Überblick über das Wirkungsspektrum von Betäubungsmitteln und deren forensische Relevanz lieferte Prof. Dr. Peter Betz, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Erlangen und selbst Altstipendiat. Wie unterschiedlich die Wirkungen und Einsatzbereiche von Drogen sein können, macht vor allem das Beispiel Canabis, eine typische Einstiegsdroge unter Jugendlichen, und dem gegenüber das GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) klar. Letzteres wird landläufig unter dem Namen K.O.-Tropfen gehandelt und immer häufiger  in Verbindung mit Vergewaltigungen genannt. Die Substanz, die nur kurze Zeit im Blut nachweisbar ist, hat nicht nur ein hohes Suchtpotential, sondern kann leider auch von Kriminellen einfach erworben werden. So gilt eine Vorläufersubstanz des GBL als Reinigungsmittel, welches legal vertrieben werden darf. Es zählt somit zu den sogenannte Dual-Use-Chemikalien.

Dieses Thema wurde auch von Bernd Kreuzer vom Bayerischen Landeskriminalamt aufgegriffen. In seinem Vortrag berichtete er von Neuheiten aus dem synthetischen Betäubungsmittelbereich und Aktuellem aus der Fahndung.  Besonders im Bereich der Amphetamine, zu denen psychotrope Substanzen wie Ecstasy zählen, wird in letzter Zeit ein kontinuierlicher Anstieg verzeichnet.

Die andere Seite der Sucht, nämlich Möglichkeiten um wieder herauszufinden, stand bei Karin Wiggenhauser im Mittelpunkt. Sie ist Diplompsychologin und verantwortlich für die Beratung bei Condrobs e.V., ein Verein zur Prävention und Suchthilfe in Oberbayern. So gibt es im Bereich der Prävention sogar schon Angebote an Kindergärten, wobei es hier vor allem um die Einbindung der Eltern in Themen wie Genuss und Konsum geht. Neben Beratungszentren betreut der Verein auch sogenannte Kontaktläden, Einrichtungen, in denen sich Betroffene aber auch Angehörige und Freunde treffen und Hilfe bekommen können. Auch das Thema Jugend und Alkohol spielt eine wichtige Rolle in der Präventionsarbeit des Vereins. Unter dem Motto „HaLT - Hart am Limit trinken“ klärt der Verein Jugendliche an Schulen über die Gefahren des Alkohols auf, bietet Risikochecks für das bewusste Erleben von Risikosituationen an und betreut betroffene Kinder und deren Eltern in Kliniken.

Mit einem grenzübergreifendem Ausblick beschloss Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel, Diplompsychologe und Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, den zweiten Tagungstag. Er berichtete über die Situation illegaler Drogen in Europa und stellte eine neue Studie zu finanziellen Aufwendung der Mitgliedsstaaten im Bereich Nachfrage- und Angebotsreduzierung vor. So kamen die Forscher in der Studie auf einen Betrag von 63 bis 74 Euro pro Einwohner an drogenbezogenen Ausgaben im Jahr. Berechnet auf die gesamte Bundesrepublik entspricht das in etwa 0,22 bis 0,26 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Der letzte Tag des Fachforums widmete sich einem ganz anderem Bereich des Themenkomplexes. Unter dem Motto „Neuro-Enhancement“, was zu Deutsch am besten dem Begriff Hirndoping entspricht, stellte Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universität München, Mittel und Wege vor, wie man sein Gehirn auf legale Art und Weise noch leistungsfähiger machen kann. So könnten Kakao und Schokoloade langfristig gesehen sich positiv auf die kognitive Leistung auswirken. Auch für Tee scheint dies zu gelten, während Koffeein eher kurzfristig die Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und das Arbeitsgedächtnis verbessert.

Bericht: Alina Bacher
Fotos: Stephanie Egelseer