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Referat IV/3 Universitätsförderung
Dr. Gabriele-Maria Ehrlich
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Geist aus der Retorte? - Experimentierfeld Mensch
Die Beschäftigung mit einer hochaktuellen Thematik lockte 47 Stipendiaten vom 5. bis 7. Juni 2009 zum Seminar ins Bildungszentrum Wildbad Kreuth: Der Mensch als Experimentierfeld der Forschung.
Die Bedrohung, die der zivilisierten Menschheit durch eine entfesselte Gentechnik erwachsen, ist immens: Der Mensch soll industriell produziert werden, und sogar die Schaffung von Chimären aus dem Erbgut von Mensch und Tier wird angestrebt. Die Gefahr liegt nicht nur in den Versuchen selbst, sondern in dem weltanschaulichen Nihilismus, der sie ermöglicht und der Überzeugung von der Sonderstellung des Menschen und seiner geistigen Würde endgültig den Abschied gibt. Das Seminar der Universitätsförderung sollte zu dem geistesgeschichtlichen Hintergrund für dieses nihilistische Denken und zum aktuellen Stand der Forschung und ihrer ethischen Bewertung Rede und Antwort stehen.
Welchen Stellenwert hat die Menschenwürde?

- Gabriele Ehrlich und Professor Axel Bauer
Unter dem Titel "Wird der Mensch zum Tier? Chimären und Hybride als Gefahr für die Würde des Menschen" führte Prof. Dr. med. Axel Bauer vom Institut für Geschichte der Medizin in Heidelberg die Brisanz des gegenwärtigen gentechnischen Forschungsstandes vor Augen und die damit verbundenen noch ungelösten wissenschaftlichen, rechtlichen und ethischen Probleme. Der heutige Mensch stehe vor der Entscheidung – so Prof. Dr. Bauer, ob er sich weiterhin als Geschöpf von einem persönlich handelnden Gott, bzw. von der anonym wirkenden Natur gestaltet annehmen wolle, oder ob er "die biologische Fortentwicklung seiner Art als Designer in die eigenen Hände nehmen möchte." Das werfe die Frage auf, welchen Stellenwert die Menschenwürde an sich habe.
Der Geist des Menschen ist keine "Phrase"
Prof. Dr. Walter Hoeres, Philosoph aus Frankfurt, hielt der manipulativen Biologie in seinem Vortrag "Experimentierfeld Geist? - Anfragen an die manipulative Biologie" entgegen, dass sie die Frage, was der Mensch ist, unkritisch überspringe und ihn in ihren Experimenten wie ein beliebiges Ding behandle. Denn alle Versuche, das Erbgut des Menschen zu manipulieren, ja sogar mit dem der Tiere zu kreuzen, scheitern daran, dass er ein Geist bestimmtes und einzigartiges Wesen sei. Prof. Dr. Hoeres mahnte an, dass die Rede vom "Geist" keine Phrase sei, sondern darauf beruhe, dass er sich in seinem Denken nach logischen, ästhetischen und moralischen Gesetzen richte, die in keiner Weise aus Hirnprozessen ableitbar seien. Alle Versuche, den Unterschied von tierischer Intelligenz und menschlichem Geist zu nivellieren, scheitere daran, dass nur der Mensch sich freimachen könne von allen vitalen Bedürfnissen, um nach dem Sein und Wesen der Dinge zu fragen.
Lücken im Embryonenschutzgesetz

- Rainer Beckmann präsentiert Fakten zum Embryonenschutzgesetz
Mit dem Thema "Sicherung des Humanum – Das Embryonenschutzgesetz auf dem Prüfstand" zielte der ehemalige Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung, Rainer Beckmann, Richter am Amtsgericht Würzburg, auf die Frage nach der Diskrepanz von rechtlichen Vorgaben und den Handlungsspielräumen, die sich aus den Lücken im Embryonenschutzgesetz ergeben würden.
Da die Anmaßung des Menschen, lebendige Materie schaffen zu wollen, so alt wie die Menschheit ist, warnte die ehemalige Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung, Dr. Cornelia Wolfgruber, mit ihrer Präsentation "Frankenstein: Mythos oder Wirklichkeit? Zur Entstehung und Rezeptionsgeschichte in Literatur und Film" vor den Gefahren einer entgrenzten menschlichen Vernunft, die sich selbst zu Gott erhebe und das Produkt seiner Hybris am Ende mit Schrecken bekämpfen würde.

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