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Referat IV/6 Altstipendiaten
Prof. Hans-Peter Niedermeier
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Erstes offizielles Treffen aktiver und ehemaliger Stipendiaten
„Möge ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, aus dem intensive Kontakte und Netzwerke erwachsen", eröffnete Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair das ersten offiziellen Treffen aktiver und ehemaliger Stipendiaten am 12. Dezember 2009 in München. In seinem Vortrag erläuterte der Stiftungsvorsitzende die Bedeutung und Stellung politischer Stiftungen und ging auf das jeweils dahinterstehende Menschenbild ein: „Für die Hanns-Seidel-Stiftung ist dies ein explizit christliches Menschenbild, das uns bei unserer Arbeit als Kompass zur Orientierung dient.“ Dazu gehörten die Abgrenzung zu kommunistischen Gesellschaftsentwürfen, die Unverletzlichkeit der Menschenwürde, die Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen und das uneingeschränkte Bekenntnis zum Grundsatz der Solidarität.
Warum diese Werte so entscheidend sind, schilderte der Schriftsteller Reiner Kunze, eindrucksvoll in seinem Festvortrag. Kunze, ein ostdeutscher Lyriker mit bewegender deutsch-deutscher Biografie, war 1977 aus dem thüringischen Greiz nach Bayern übergesiedelt, nachdem er in seiner alten Heimat zur unerwünschten Person erklärt worden war. Leitmotiv des Referats war der Grundkonflikt eines Schriftstellers in einer Ideologie, die auf partieller Wahrnehmungsverweigerung beruht, und seine – weitreichenden – Folgen.
Früh war Kunze in der DDR mit dem SED‐Regime aneinandergeraten, als er sich gegen den „Sozialistischen Realismus“ wandte. Die Staatssicherheit nahm ihn ins Visier und wurde fortan zum stetigen Begleiter. Briefe an ihn wurden gelesen, zurückgehalten oder gar nicht zugestellt, immer mehr seiner Arbeiten durften in der DDR nicht veröffentlicht werden. Sein Leben glich dem eines Geheimagenten und war genauso gefährlich, nur dass keine fremde Regierung der Auftraggeber war; Auslöser der Repressalien war nichts anderes als die in Gedichte verpackte Beschreibung der sozialistischen Wirklichkeit.
Die Repressionen wuchsen von Jahr zu Jahr: Weggefährten wendeten sich von ihm ab; seine Frau, eine Ärztin, spürte den Druck der Staatssicherheit bei ihrer täglichen Arbeit; die Tochter wurde von der Oberschule gemobbt und verlor anschließend auch ihren Arbeitsplatz; Freunde wurden verhört und bedroht. Als ein Regierungsmitglied Kunze offen mit einem „Unfall auf der Autobahn“ drohte, als Prozesse gegen ihn angestrengt wurden, deren Strafmaß bereits feststand, als ihm mitgeteilt wurde, dass er in der DDR keine Zukunft hat, stellte er den Ausreiseantrag.
Zur traurigen Ironie der Geschichte gehört, dass Reiner Kunze und seine Familie auch in seinem neuen Leben, ja sogar noch im wiedervereinigten Deutschland Lügen und Unterstellungen, verbale Angriffe und Morddrohungen ertragen mussten. Einige der Leute, die damals die Verantwortung für den staatlichen Terror trugen, mischen heute wieder fest im politischen Geschehen mit. Für Reiner Kunze ist das kein Grund zur Anklage, aber sehr wohl zu einem engagierten Plädoyer für Freiheit und
Demokratie – „ein Bekenntnis zur Wahrheit gegenüber einer nur scheinbar fernen Zeit“, so fasste es CdAS‐Vorstandssprecher Dr. Christof Botzenhart zusammen. Er eröffnete den lockeren Erfahrungsaustausch zwischen den rund 200 aktiven Stipendiaten und CdAS‐Mitgliedern, bei dem der Festvortrag immer wieder ein Gesprächsthema war.
Heiko Richter

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