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 Referat IV/2 Hochschulförderung (HAW) und Promotionsförderung
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Politik, Wirtschaft und europäische Werte

Gruppenfoto mit Dr. Angelika Niebler im Europäischen Parlament

Stipendiaten des Promotionskollegs "Werteorientierung und Wertevermittlung in der modernen Gesellschaft" der Hanns-Seidel-Stiftung und der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, unternahmen von 13. bis 15. Oktober 2009  zum Thema "Politik, Wirtschaft und europäische Werte" eine Studienreise nach Brüssel.

Zum Auftakt folgten die Promotionsstipendiaten im Rahmen einer historischen Stadtführung zunächst frühneuzeitlichen Spuren Brüssels, indem sie unter anderem die Grand-Place erkundeten, um anschließend über den belgischen Königspalast in das Quartier Européen zu gelangen. Diesem Fußmarsch, der beispielhaft eine Brücke von der Nationalstaatlichkeit zur Europäischen Union schlug, folgte ein Empfang in der Brüsseler Verbindungsstelle der Hanns-Seidel-Stiftung. Angela Ostlender, Projekt Manager Europapolitischer Dialog, lud zu einem Gespräch über "Arbeit und Auftrag der Politischen Stiftungen in Brüssel" ein. Besonderes Interesse galt  hierbei den Stiftungsaktivitäten zur europapolitischen Öffentlichkeitsarbeit, wie etwa die jährlichen Tagungen mit jungen amerikanischen und russischen Thinktank-Experten.

Gespräch mit Dr. Ingo Friedrich in der Bayerischen Landesvertretung

Gespräche mit den Europaparlamentariern, Dr. Angelika Niebler, Parlamentarische Geschäftsführerin der CSU-Europagruppe, und Dr. Ingo Friedrich, Vizepräsident des Europäischen Parlaments a.D. und Präsident des europäischen Wirtschaftssenats, boten nicht nur einen Einblick in die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments, sondern vertieften gleichsam eine Auseinandersetzung um europäische Werte. Während Dr. Angelika Niebler einräumte, dass Grundsatzdebatten um europäische Werte im parlamentarischen Alltagsgeschäft nur im Zusammenhang mit der Frage nach einer europäischen Verfassung eine Rolle spielten und demgegenüber eher Großprojekte wie "Airbus" oder "Galileo" identitätsstiftenden Charakter generierten, knüpfte Dr. Friedrich grundsätzlich an der EU-Grundrechtecharta als gemeinsame europäische Grundlage an. Gerade die Frage, ob eine Integration der Türkei in die Europäische Union möglich ist, spitzte die für die Studienreise zentrale Frage nach europäischen Werten jenseits von wirtschaftlichen Voraussetzungen zu. Dr. Friedrich illustrierte die Notwendigkeit gemeinsamer Werte für ein stabiles politisches Profil Europas.

Eine Werksführung bei Audi Brussels sowie die anschließende Diskussionsrunde mit der Generaldirektorin der Human Ressources, Stefanie Ulrich, und Dr. Thomas Hasenbank zum Thema "Corporate Social Responsibility am Beispiel Audi Brussels" hat auf die kulturell bedingten Alltagsschwierigkeiten eines Nationen übergreifenden Unternehmens hingewiesen.

Neben vielen offenen Punkten kann als ein Zwischenergebnis nicht allein des Gespräches mit Heidrun Piwernetz, Leiterin der Vertretung des Freistaates Bayern bei der Europäischen Union, die Erkenntnis festgehalten werden, dass bei allen Einigungsbestrebungen gerade die rund 300 Regionen der Europäischen Union an politischer Stärke und kultureller Identität gewinnen. So auch Bayern, das mit seiner Vertretung mitten im Herzen der europäischen Institutionen beispielhaft für eine der erfolgreichsten und wirtschaftlich stärksten Regionen der Europäischen Union steht.

Ebenso war wiederholt der Rekurs auf Kategorien wie "Tradition", "Skepsis" und "Modernität" zu beobachten. Bei aller Antagonie scheint es sich hier um allgemein verstandene Signaturen europäischer Werte zu handeln, welche die visionäre Idee einer europäischen Einheit bei gleichzeitiger kultureller Vielfalt möglich werden lässt. Fraglich ist, ob das Christentum, wie es noch bei Erasmus den Mittelpunkt seiner Vision einer wohlgeordneten Welt, Ausgangspunkt einer europäischen Wertedebatte sein kann. Gleichermaßen bleibt das typisch europäische Element europäischer Werte zu bestimmen. Die Dringlichkeit einer grundsätzlichen europapolitischen sowie wissenschaftlichen Diskussion um europäische Werte haben letztlich alle Gespräche verdeutlicht.

Von Gloria Conrad
Fotos: René Brugger