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 Referat IV/2 Hochschulförderung (HAW) und Promotionsförderung
Dr. Rudolf Pfeifenrath
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Europäische Sicherheitspolitik

Aufbauakademie für Stipendiaten in Wien

Wenn von Wien die Rede ist, assoziiert so mancher damit geschichtsträchtige Prachtbauten, die an den Glanz der KuK-Zeit erinnern wie die Hofburg, Schloss Belvedere und Schönbrunn, erlesene Kaffeehäuser, den gotischen Stephansdom im inneren Stadtbezirk oder den Prater mit dem Riesenrad. Dass die schöne Donaumetropole noch ganz anderes mehr zu bieten hat und international sowie sicherheitspolitisch im Fokus Europas steht, erfuhren 20 Stipendiaten in einer Aufbauakademie vor Ort. Dr. Rudolf Pfeifenrath, Leiter der Fachhochschul- und Promotionsförderung des Förderungswerks der Hanns-Seidel-Stiftung, hatte das Seminar in Kooperation mit der Bundeswehr, vertreten durch die Jugendoffiziere Hauptmann Christoph Langer (Bundeswehr Kempten) und Hauptmann Kwam Walton (Bundeswehr München), vom 7. bis zum 11. März 2010 in Wien organisiert. Mit von der Partie waren zudem zwölf Referendarinnen und Referendare für das Lehramt aus Kempten.

Am Ort der einstigen Türkenbelagerung: Der Kahlenberg vor Wien

„Krisenprävention, Friedenssicherung und Peacekeeping im internationalen Konzert der Nationen“ lautete das Thema – was am ersten Tag der Akademie bereits vorbereitend auf der Hinfahrt nach Wien im Bundeswehrbus in Gruppenarbeit erörtert wurde, so dass die knapp sechs Stunden Fahrtzeit zügig vorüber gingen. Ein Stück Kriegsgeschichte begingen die Stipendiaten und Referendare am Ende der Fahrt bei einem Gang auf den Kahlenberg, der einst das Schlachtfeld der zweiten Türkenbelagerung Wiens darstellte. Dr. Rudolf Pfeifenrath schlug in seinem Vortrag zur Türkenbelagerung im 17. Jahrhundert den Bogen zu den historisch bedingten Vorbehalten Österreichs gegen einen EU-Beitritt der Türkei in diesem Jahrhundert. Wien entging damals der türkischen Bedrohung, die personifiziert war im Großwesir und General Kara Mustafa, und blieb so in seiner Pracht erhalten, welche die Seminarteilnehmer nach Ankunft in der österreichischen Hauptstadt in der unverzichtbaren Stadtrundfahrt ausführlich bestaunen konnten.

Der zweite Tag führte die Gruppe in das knapp drei Stunden südwestlich gelegene Graz, in dem sich eine Zentrale des Streitkräfteführungskommandos des österreichischen Bundesheeres befindet, die zweite Zentrale ist in Salzburg angesiedelt. Gastgeber war Oberst Gerd Schrimpf, der zusammen mit Major Edgar Strasser, Oberstleutnant Josef Anderle und Vizeleutnant Othmar Wohlkönig die Struktur und den Aufbau sowie Aufgaben und Einsätze des Bundesheeres im Rahmen internationaler Friedenssicherung darlegte. Dabei kamen auch kritisch die finanziell schwierige Situation des Bundesheeres, das mit zu geringen finanziellen Mitteln ausgestattet sei, sowie der Sicherheitseinsatz im Burgenland zur Diskussion. Besonders spannend gestaltete sich die Einweisung in die Operationsleitungszentrale, handelt es sich hierbei doch um die Schaltstelle für alle militärischen und sicherheitspolitischen Unternehmungen des Bundesheeres Österreichs. Schließlich endete auch der zweite Tag der Aufbauakademie mit einem Stadtrundgang, diesmal ging die Tour durch die steirische Landeshauptstadt. Knapp drei Stunden trotzten die Seminarteilnehmer der Eiseskälte mit ihrem Führer Oberstleutnant Reinhard Stradner an der Spitze, was angesichts der Schönheit von Graz sehr lohnenswert war.

Gruppenbild vor dem imposanten UNO-Gebäudeensemble

Das internationale Parkett beschritt die Gruppe am dritten Tag: Morgens stand zur Einstimmung ein Besuch bei der Deutschen Botschaft in Wien auf dem Plan, in welcher Militärattaché und Oberstleutnant im Generalstabsdienst Jan Timmering von seiner Arbeit berichtete und auch generell die Aufgaben des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Botschaft in Wien beleuchtete. So erfuhren die Stipendiaten und Referendare, dass Wien mit drei deutschen Botschaftern ausgestattet ist: Einer für den Staat Österreich, einer für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) und einer für die Vereinten Nationen (UNO). Letztere war das nächste Ziel auf der Agenda der Aufbauakademie: Nach einer kurzen Führung durch das imposante Gebäudeensemble im so genannten „Internationalen Zentrum Wien“ folgte ein Vortrag von Dr. Thomas Pietschmann über die Arbeit und Aufgaben des Programms der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Nach knapp 180 PowerPoint-Folien mit Statistiken zur Entwicklung des Drogenhandels sowie Drogenkonsums und der Antidrogenprogramme der UNO waren die Seminarteilnehmer bestens informiert . Anschließend berichtete Ayhan Evrensel, Press and Public Information Officer bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), über das Tätigkeitsspektrum der IAEO und vor allem über Proliferation als Problem heutiger Sicherheitspolitik mit den Beispielen Iran und Nordkorea.

Zurück aus der extraterritorialen UNO-City gestaltete sich der vierte Tag Wien-spezifischer: Bei einer Führung durch das Heeresgeschichtliche Museum in einem prächtigen, ehemaligen Arsenalgebäude durchwanderten die Seminarteilnehmer die Militärgeschichte der Habsburgmonarchie und Österreichs vom 16. Jahrhundert an bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Großes Interesse fand das Automobil und die Kleidung, in welcher der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 erschossen wurde, was in einer Kettenreaktion rund einen Monat später den Ersten Weltkrieg auslöste. Amtsdirektor Oberst Regierungsrat Otto Krammer vom Referat Museumspädagogik war der Gruppe ein kundiger Führer. Gedenktafeln und Gräber der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs besichtigten die Stipendiaten und Referendare im Anschluss bei einem Spaziergang über den weitläufigen Wiener Zentralfriedhof, auf dem viele Berühmtheiten wie Ludwig van Beethoven oder Falco ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Den gut gepflegten Ehrengräbern standen Schuttberge von bei den Weltkriegen zerstörten Grabsteinen gegenüber sowie die verwitterten und Moos-überwachsenen, alten jüdischen und christlichen Grabsteine. Auch der letzte Besichtigungstermin an diesem Tag stand im Zeichen der Vergangenheit, allerdings einer glorreichen Vergangenheit, die beim Rundgang durch Schloss Schönbrunn an der Architektur, der prächtigen Ausstattung der Zimmer sowie der eindrucksvoll gestalteten Gartenanlage spürbar wurde.

Die Seminarteilnehmer zu Besuch in der OSZE

Der fünfte und letzte Tag des Kooperationsseminars stand ganz im Zeichen der OSZE, der heute 56 Mitgliedsstaaten angehören und die ihren stattlichen Sitz in der Wiener Hofburg hat: Oberstleutnant Martin Hecker gab Einblicke in die Arbeitsbereiche und Geschichte der Organisation, die sich aus der vormaligen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) entwickelt hatte, was in der Schlussakte von Helsinki am 1. August 1975 festgelegt worden war. Besonders betonte der Referent drei Dimensionen, in denen die OSZE heute aktiv ist: Die politisch-militärische, die humanitäre sowie die Wirtschafts- und Umweltdimension. Daraufhin hatten die Seminarteilnehmer die Möglichkeit, die wöchentliche Sitzung des Ständigen Rates der OSZE zu besuchen, in welcher unter anderem Dunja Mijatovic in ihrem neuen Amt als Beauftragte für Medienfreiheit willkommen geheißen wurde. Mit diesen Eindrücken verließ die Gruppe die Hofburg und schließlich auch Wien.

Iris Rechtsteiner