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Logistik in der globalisierten Welt

Die Teilnehmer des Fachforums mit Markus Ferber und dem Leiter des Förderungswerks, Hans-Peter Niedermeier

Deutschland zählt zu den führenden Exportnationen unserer Erde. Erst im Jahre 2009 wurde es von China als Exportweltmeister abgelöst. Grundlage für die hohe Ausfuhrzahl von Waren in die Welt sind sowohl gefragte Produkte als auch ein leistungsfähiges Logistiknetz. Mit den Grundlagen und zukünftigen Veränderungen der Logistik in der globalisierten Welt befasste sich das Stipendiaten-Fachforum Physik und Ingenieurwissenschaften vom 19. bis 21. Februar 2010 in Wildbad Kreuth. Die Fachforumssprecher Andreas Hartmann, Sergej Müller und Johannes Ziegmann hatten hochkarätige Referenten aus den Bereichen Hochschule, Wirtschaft und Politik gewinnen können.

Den Anfang machte PD Dr.-Ing. habil. Michael Völker von der Technischen Universität Dresden, der über „Planung und Betrieb von Fabriken (simulationsbasierte Heuristik zur Planung und Steuerung komplexer Montage) und Logistikprozesse in der kundenspezifischen Fertigung von Maschinen, Anlagen und Fahrzeugen“ referierte. Im Vordergrund seiner Forschungsaktivitäten steht die Modellbildung und Simulation von Produktionsabläufen. Mit Hilfe von CAFD (computer aided factory design) lässt sich der Bau von Fabriken und der Ablauf der späteren Montage darin realitätstreu abbilden und planen. Nach der Berechnung aller möglichen Produktionsablaufkombinationen kann man so für die jeweilige Fertigung die kosten- und zeitoptimalste Lösung finden. Bei bestehenden Produktionsabläufen lassen sich mit Hilfe dieser Art von Produktionsmanagement Einsparungen im Bereich Zeit und Kosten je nach Branche zwischen 10 und 30 Prozent erzielen, alleine durch den optimal geplanten Einsatz des Personals. Dr. Völker verdeutlichte dies an Fallbeispielen und machte dabei klar, dass von Veränderung in der Produktion betroffene Mitarbeiter stets eingebunden und überzeugt werden müssen, um den langfristigen Erfolg zu gewährleisten.

Am Samstagvormittag berichtete Dipl.-Wirt.-Ing. Björn Anderseck vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik über „RFID – Grundlagen und Anwendungsfelder in der Logistik“. Mit Hilfe von RFID (Radio Frequency Identification) lassen sich ungeahnte Potentiale in den Bereichen Logistik, Archivverwaltung und Behörden erschließen. Bei dieser Technik erzeugt ein Lesegerät ein elektromagnetisches Hochfrequenzfeld geringer Reichweite. Das Feld dient nicht nur zur Datenübertragung, sondern auch als Energieversorgung für den Transponder. Die berührungslose Datenübertragung der RFID Technik wird bereits z. B. bei Identifikationskarten wie Skipass, Kantinenkarten oder Zugangsberechtigungsausweisen eingesetzt. Nach der Einführung in die technischen Grundlagen ging der Referent auf Anwendungsgebiete in der Logistik ein. Dort wird diese Technik vornehmlich im Lagerwesen eingesetzt, beispielsweise zur Verladekontrolle. Aber auch im Produktionsbereich existieren für RFID Anwendungen. Ähnlich einem Barcode melden Güter an Empfänger ihre Identität und beeinflussen dadurch den Produktionsprozess. Als Beispiel wurde die automatische Auswahl des passenden Anzugdrehmoments für unterschiedliche Felgen in der Automobilproduktion genannt. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten von RFID physikalisch begrenzt. Besonders Medien wie Metalle und Flüssigkeiten stören die Übertragung und verhindern bisher einen weitreichenden Einsatz von RFID. Der Traum vom sofortigen Erfassen aller Waren im Einkaufswagen im Supermarkt ist aufgrund von Flüssigkeiten in Lebensmitteln bisher schwer zu realisieren und erfordert wohl auch zukünftig ein Scannen aller Artikel an der Kasse. Weitere Informationen zu dieser Technik sind unter www.openid-center.de abrufbar.

Im nächsten Block widmete sich der diplomierte Kaufmann und Volkswirt Klaus Dohrmann, Senior Expert Corporate Development Deutsche Post DHL, dem Thema „Deutsche Post DHL: Die Post für Deutschland & The Logistics Company for the World“. Anhand von verschiedenen Geschäftsmodellen aus dem Bereich Logistik schilderte Dohrmann die Differenzierung vom einfachen physikalischen Transportdienstleister bis hin zum umfassenden Supply Chain Management und ging dabei auf die historische Entwicklung seines Unternehmens ein. Dabei wurde jedem Zuhörer die Komplexität des Begriffes Logistik vor Augen geführt. Trends für die Zukunft seien neben den Themen Globalisierung sowie Standardisierung vor allem technologische Herausforderungen wie Traceability, was beispielsweise die Temperaturverfolgung beim Transport von Medikamenten beinhaltet. Eine sehr angeregte Diskussion zum Thema CO2-Reduzierung bei der Post oder dem „Brief im Internet“ rundeten den interessanten Einblick in ein weltweit führendes Logistikunternehmen ab.

Markus Ferber referierte über zukünftige Schwerpunkte europäischer Verkehrspolitik

Der Europaabgeordnete und Vorsitzende der CSU Europagruppe im Europäischen Parlament sowie Vorstandsmitglied der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, gab mit dem Thema „Zwischen Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz: Schwerpunkte europäischer Verkehrspolitik“ einen Einblick in seine Arbeit in Brüssel. Die Verknüpfung von Verkehrswegen innerhalb Europas sei eine große Herausforderung. Markus Ferber verdeutlichte dies am Beispiel  Schienenverkehr. Obwohl es für technische Problemstellungen wie unterschiedliche Spurweiten und Stromnetze im Bahnverkehr inzwischen praktikable Lösungen gibt, existieren weiterhin bürokratische Hindernisse. Einige europäische Länder blockieren teils bewusst den Zugang zu ihrem Schienennetz für andere Nationen aus Furcht vor internationaler Konkurrenz und schwächen dadurch den effizienten Gütertransport. Daher liege der Fokus der europäischen Verkehrspolitik auf dem Infrastrukturausbau, der technischen Harmonisierung sowie der Nachhaltigkeit durch intelligente Verknüpfung von Verkehrsträgern, der sogenannten Transportintermodalität. Als Topthemen für die Zukunft nannte Ferber die Reduzierung des CO2-Ausstosses, die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes in Europa und Verkehrssicherheit. Der anschließende Dialog mit der Gruppe zu verschiedensten Themen des Verkehrs und der Logistik in Europa stieß auf reges Interesse. Zudem wurden auch sehr spezifische Fragen kompetent beantwortet.

Zum Ende des Fachforums wurden als neue Sprecher Simon Koch und Andreas Stadler gewählt. Thema des nächsten Forums wird der Bereich regenerative Energien sein. Besonderer Dank für das perfekt organisierte Fachforum gilt den bisherigen Fachforumssprechern Andreas Hartmann, Sergej Müller und Johannes Ziegmann.

Bericht und Bilder: Michael Gleißner und Christian Krug