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Natur nutzen und schützen

Die eindrucksvolle Bergwelt-Kulisse um Wildbad Kreuth passte perfekt zum Thema

Um „Naturschutz und Naturnutzung im Alpenraum“ ging es im diesjährigen Fachforum Agrarwissenschaften/Biologie/Chemie (ABC) vom 11. bis 13. Juni 2010 in Wildbad Kreuth. Die Teilnehmer waren allesamt Studenten naturwissenschaftlicher Fächer. In idyllischer Bergweltkulisse befassten sie sich mit den unterschiedlichen Interessensansprüchen an dem Natur- und Wirtschaftsraum Alpen.

Mit forstwissenschaftlichem Fokus wurde die Thematik am Beispiel des Waldes beleuchtet. Neben seiner Nutz- und Schutzfunktion für den Menschen ist der Wald in den Alpen auch Lebensraum und Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig erfüllt er eine wichtige Erholungsfunktion für die breite Bevölkerung.

Fachleute lokalisierten im Rahmen der Tagung die unterschiedlichen Nutzungsansprüche und Schutzinteressen am Wald und stellten Modelle und Konzepte vor, wie diese Gegensätze und Interessenkonflikte in Einklang gebracht werden können. Es wurde deutlich, wie wichtig die Kommunikation zwischen den einzelnen Interessensgruppen für ein harmonisches Nebeneinander von Naturschutz und –nutzung ist. Daneben ist die Bereitschaft des Einzelnen gefragt, einen aktiven Beitrag zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen zu leisten. Orientierung für ein verantwortungsvolles Vorgehen können dabei ethisch-moralische Werte geben.

Stefan Pratsch erklärte, dass es nur bei angepassten Wildbeständen möglich ist, einen intakten Bergmischwald zu schaffen

Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, erläuterte den integrativen Ansatz der Bayerischen Staatsforsten, im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung die Belange des Naturschutzes und die übrigen Waldfunktionen auf der gesamten Staatswaldfläche zu berücksichtigen. Sehr anschaulich führte er vor Augen, wie es erst infolge forstwirtschaftlicher Maßnahmen gelingt, die natürlichen Lebensräume, vor allem der an den Wald gebundenen Tier- und Pflanzenarten, zu erhalten und zu verbessern und so auch den Erholungs- und Freizeitwert eines Waldgebietes zu steigern.

Die Anforderungen an die Funktionsfähigkeit der Schutzwälder sind nach Meinung des Leiters des Forstbetriebs Schliersee, Stefan Pratsch, stark angestiegen. Er nennt als Grund dafür das weiter ansteigende Verkehrsaufkommen, die Erweiterung von Siedlungsflächen und die klimabedingte Zunahme von Witterungsextremen. Bei einer Exkursion in eine unweit von Wildbad Kreuth liegende Staatswaldfläche zeigte Pratsch den teilweise sehr schlechten Zustand der Schutzwälder. Als Grund dafür nannte er Verlichtung, Sturmwurf, Borkenkäfer und ausbleibende Verjüngung. Mit aufwendigen und kostenintensiven Pflanzmaßnahmen wird versucht, dem entgegenzuwirken und die Schutzwälder wieder zu verjüngen und zu stabilisieren. Seiner Ansicht nach kommt dabei der Jagd eine entscheidende Schlüsselrolle zu. Nur bei angepassten Wildbeständen ist es möglich, einen intakten Bergmischwald zu schaffen, der seine Schutzfunktion für den Menschen erfüllen kann.

Was kann getan werden, um Naturschutz und Naturnutzung miteinander zu vereinen? Ein Beispiel für diese Bemühungen ist der Nationalpark Berchtesgaden. Der stellvertretende Leiter des Parks, Dr. Roland Baier, erklärte das Motto des Nationalparks. Es lautet „Natur Natur sein lassen“. Ein Nationalparkmanagement und damit ein Eingreifen in die natürlichen Abläufe hält er für notwendig. Das klingt widersprüchlich, wird aber verständlich, wenn man die Geschichte des Nationalparks bedenkt. Das Gebiet wurde jahrhundertelang land- und forstwirtschaftlich genutzt. Heute dient es außerdem Millionen von Menschen zur Erholung und ist gleichzeitig ein Naturschutzgebiet höchsten Ranges. Aufgabe des Nationalparkmanagements ist, Nutzungskonflikte zu erkennen und Lösungen zu finden. Man bemüht sich daher, die Kreisläufe der Ökosysteme sowie die Ausstattung des Naturraums mit Pflanzen- und Tierarten möglichst gut zu erforschen und zu erfassen.

Monika Arzberger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft rückte die Gesamtheit der europäischen Bergwälder in den Blickwinkel. Sie stellte dar, wie sich der politische Prozess der grenzübergreifenden Zusammenarbeit der Alpenstaaten entwickelt hat. In den vergangen Jahrzehnten führte der Weg von verschiedenen politischen Vereinbarungen einzelner Länder hin zum Übereinkommen zum Schutz der Alpen (Alpenkonvention) aller Alpenstaaten und der EU. Dieses weltweit einzigartige Dokument zum Schutz einer Bergregion ist völkerrechtlich verbindlich und wird von neun Durchführungsprotokollen ergänzt. Ausgehend von den Interessen der alpinen Bevölkerung ist es das Ziel der Konvention, diesen besonderen Natur- und Kulturraum zu schützen und nachhaltig zu entwickeln. In den Protokollen finden sich Regelungen zur Berglandwirtschaft, zum Tourismus und zur Verkehrs- und Energiepolitik. Ein aktuelles bayerisches Umsetzungsbeispiel ist die Bergwaldoffensive. Sie wurde 2008 im Rahmen des Klimaprogramms 2020 gestartet und soll unter Beteiligung aller Interessensgruppen der Erhaltung und Förderung der Schutzwälder in den bayerischen Alpen dienen.

Dr. Werner d’Oleire-Oltmanns von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege zeigte die Geschichte des Naturschutzgedankens auf und stellte sie in einen Bezug zu den zurückliegenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Erst als man in den 70er Jahren erkannte, dass die Natur nicht vor dem Menschen, sondern für ihn und mit ihm geschützt werden muss, fand der Naturschutz eine breitere Akzeptanz in Deutschland. Heute bewegt sich der Naturschutz in Deutschland seiner Meinung nach im Spannungsfeld zwischen sehr emotional geführten Diskussionen und einer betont rational, ökologischen Rechtfertigungsstruktur.

Aus einem Bericht von Dr. Benedikt Lickleder und Ferdinand Neuberger