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Zwischen Kultur, Politik und Kulturpolitik

CdAS-Fachtagung in Thüringen

Gruppenbild mit Hans-Peter Niedermeier, Mike Mohring und Christof Botzenhart

„Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“ waren Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung bei einer Fachtagung vom 3. bis 6. Mai 2010 in Thüringen unterwegs. Das viertägige Seminar stand unter dem Rahmenthema „Kultur, Politik und Kulturpolitik“ und führte in die politischen und gesellschaftlichen Zentren Erfurt, Weimar und Gotha.

Die Tagung – organisiert von Dr. Christof Botzenhart, Vorstandssprecher des Clubs der Altstipendiaten (CdAS), und durchgeführt gemeinsam mit dem Altstipendiatenreferat der Stiftung – begann auf historisch-religiösen Spuren: Im Erfurter Dom, einer der imposantesten gotischen Kathedralen Deutschlands. Dr. Joachim Wanke, Bischof von Erfurt, empfing die Gruppe zu einem Gedankenaustausch und berichtete eindrucksvoll von der kirchlichen Arbeit in der DDR sowie über die noch heute starke Ökumene in der Diaspora mit weniger als zehn Prozent Katholiken. „Selbst eine ausgedünnte Flächenseelsorge ist auf dem Land kaum noch möglich“, so Wanke, der die Herausforderung auf hervorragende Weise annimmt und die Kirche als kulturelle, diakonisch-seelsorgerische Institution und als Wertevermittler positioniert.

Kulturpolitik in Zeiten der wirtschaftlichen Krise war eines der Themen beim Besuch der thüringischen Staatskanzlei. Der Freistaat in der Mitte Deutschlands hat Kultur in den Mittelpunkt seiner Politik gestellt, wie Ministerialrätin Ursula Wilhelm betonte. Sie ist Leiterin des Spiegelreferats für Bildung, Wissenschaft und Kultur in der Staatskanzlei und gab einen Einblick in die Zahlenwelt des „Kulturlands Thüringen“. Bei über 30 ehemaligen Residenzstädten, 180 Museen, dem dichtesten Theater- und Orchesternetz Deutschlands und international strahlenden kulturellen Leuchttürmen wie der Wartburg oder Weimar ist das durchaus eine Herausforderung.

Damit sie gelingen kann, bedarf es einer gemeinsamen Kraftanstrengung im Parlament. Dass dies nicht ohne Reibungsverluste gelingt, beschrieb Mike Mohring, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Erfurter Landtag, in einem Hintergrundgespräch. Mohring, selbst Altstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung und CdAS-Mitglied, nahm Stellung zur politischen Ausgangslage seit der jüngsten Landtagswahl im Sommer 2009, die eine große Koalition hervorbrachte. Gerade jetzt sei es wichtig, das christlich-demokratische Profil herauszuarbeiten, so Mohring, der seine Forderung mit fundierten Beispielen aus der Landes- und Bundespolitik zu untermauern wusste.

Die Schnittstelle zwischen Historie, Kultur, Politik und Kulturpolitik zeigte sich auch in Weimar, vor 100 Jahren Ort eines erbitterten Kulturkampfes. Ein modernes und weltoffenes Zusammenleben hatten Henry van de Velde und Walter Gropius, die Pioniere des Bauhaus in Weimar, damals erdacht. Bei einem Spaziergang erkundete die HSS-Gruppe in der ehemaligen Kunstschule und heutigen Bauhaus-Universität die Wirkungsstätte der beiden Vordenker, die ihr Ideal einer ganzheitlichen ästhetisch-gestalterischen Ausbildung nicht lange verwirklichen konnten, bevor sich die politische Lage trübte und die Schule schließen musste. Was anschließend über Deutschland kam, zeigte die nächste Station der Tagung: Buchenwald, Konzentrationslager für mehr als 250.000 Inhaftierte, Todesstätte für über 50.000 Menschen. Die wenigen Gebäude der über 100 Hektar großen Anlage führten das Ausmaß dieser Vernichtungsmaschinerie eindringlich vor Augen.

Bei einer Führung durch die älteste erhaltene Synagoge Mitteleuropas in Erfurt informierten sich die Altstipendiaten über das jüdische Leben im Deutschland des 12. Jahrhunderts und die bereits damals stattfindenden Pogrome. Das fürstliche Leben stand bei einem Besuch des Schlosses Friedenstein in Gotha auf dem Programm. Dort schlummern Kunst- und wissenschaftliche Sammlungen von Weltrang. Der Direktor der Stiftung Friedenstein, Dr. Martin Eberle, führte durch die Schatzkammern und legte Zeugnis ab vom großen Engagement der Kunsthistoriker in Thüringen, diesem Ort auch überregional seine Bedeutung zurückzugeben. Im Thüringischen Landesmusikarchiv öffnete Altstipendiat und CdAS-Mitglied Dr. Christoph Meixner für die Gruppe seine eigene Schatzkammer und rückte den kunsthistorischen Wert der Archivwelt ins rechte Licht, während die Bühnenkultur bei einem hervorragend inszenierten „Rigoletto“ im Deutschen Nationaltheater Weimar einen weiteren Höhepunkt der Fachtagung markierte.

Bericht und Bild: Heiko Richter