Kontakt

Referat IV/4 Medienpolitik und journalistische Nachwuchsförderung
Prof. Hans-Peter Niedermeier
Tel.: 089 1258-272  Fax: -403
E-Mail: weiss-r@hss.de

Publikationen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Aktiviere Cookies!
 
Seite hinzufügen
löschen
 

Die Wirklichkeit ist langsamer als die Medien

29. CV-Medientage diskutierten Werteorientierung im Journalismus

Christiane Florin und Wolfgang Braun (weitere Fotos in der Galerie unten)

Ist dem Journalismus in Deutschland die Ethik weitgehend abhandengekommen? Fallen Gründlichkeit und letzte Überprüfung immer mehr der Jagd nach höheren Auflagen und Einschaltquoten zum Opfer? Wird die Geschwindigkeit immer mehr zum Maß aller Dinge, und fällt ihr auch die Sorgfalt zum Opfer? Wie alles unterliegen auch Journalismus und Medienlandschaft einem ständigen Wandel, nicht zuletzt aufgrund gravierender technischer Veränderungen, wie sie beispielsweise das Internet mit sich gebracht hat.

Dieser Wandel war und ist nach Meinung vieler Kritiker nicht immer ein Wandel zum Guten. Die CV-Medientage, eine Kooperationsveranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung und des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV), beschäftigten sich vom 4. bis 6. November 2011 im Bildungszentrum Kloster Banz mit dem Thema „Sensation – Aufklärung – Unterhaltung – Special Interest: Welche Rolle spielt zwischen diesen Kräften noch die Orientierung an Werten?“

Hans Greiner begrüßte in Vertretung von Prof. Hans-Peter Niedermeier im Namen der hanns-Seidel-Stiftung die mehr als 60 Teilnehmer. Eine fundierte Einführung in die Tagung und ins Thema lieferte Prof. Albert Scharf, ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks. Vor dem Hintergrund, dass Verlage statt wie ehedem nicht selten von Herausgebern mit Idealen heute weitaus mehr unter Shareholder Value-Gesichtspunkten geleitet würden, sprach er vom „Diktat der Auflage und Quote“. Publizistische Entscheidungen würden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Was uns das Leben erleichtern solle, so Scharf, erweise sich für die Journalisten auch als Dilemma, denn sie könnten der Flut der Nachrichten nicht mehr Herr werden. Zeit zur Besinnung auf das Wesentliche bleibe nicht. Bei der Überfülle an Informationen, Fakten und Meinungen sei kaum noch zu entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist. Das sei eine völlig neue Aufgabe für die Journalisten. „Verantwortungsbewusste Journalisten sind Diener der Freiheit“, sagte Scharf. „Das hören die zwar nicht so gerne, sollten aber stolz darauf sein.“ Journalisten könnten dazu beitragen, Demokratie und Freiheit zu sichern.

„Die Wirklichkeit ist inzwischen langsamer als die Medien“, konstatierte Birgit Wentzien, Leiterin des Hauptstadtstudios des Südwestrundfunks. „Doch Politik braucht Zeit“, so die Referentin. Journalisten, die sich nicht dem „Augenblickskult“ hingäben, seien gefragt, mit Rückgrat und Kompetenz in der Sache. Eine Masse an Information bringe für die Mediennutzer nicht mehr Aufklärung und Durchblick, fördere im Gegenteil die Konfusion. „Wir Journalisten haben mit unserem geliehenen Einfluss nach bestem Wissen und Gewissen Dienst zu tun für die Menschen, die wir informieren und unterhalten wollen“, so Wentzien.

„Hat die Dualisierung unser Fernsehen verändert?“ lautete die Frage an den Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für neue Medien, Siegfried Schneider. Er beantwortete diese Frage mit einem klaren „Ja“. Die mit der Dualisierung des Rundfunks in öffentlich-rechtlich und privat verbundene Hoffnung auf mehr publizistische Vielfalt habe sich „nicht eins zu eins erfüllt“. Und so sei das „Leitmedium Fernsehen“ für viele zum „Leidmedium“ geworden. Die Jagd nach der Quote sei die Jagd nach Werbeeinnahmen. Dies beeinflusse zwangsläufig auch die Öffentlich-Rechtlichen. Um nicht weiter als „Kukident-Sender“ bezeichnet zu werden und auch jüngere Zuschauer anzusprechen, kämen ARD und ZDF nicht um das so genannte „Infotainment“ herum. Mit der Globalisierung werde für den einzelnen Bürger das Lokale immer bedeutsamer, sagte Schneider und sprach von 70 örtlichen Radiosendern. Eine Chance auch für die Lokalzeitungen?

In seinem Vortrag über die „Medienlandschaft Deutschland“ konstatierte der ehemalige Chefredakteur des Rheinischen Merkur, Prof. Michael Rutz: „Wenn wir eine Zeitung zur Hand nehmen, wissen wir längst, was passiert ist, aber wir wollen wissen, warum.“ In Hintergrundinformationen und einer ausführlichen und kompetenten Berichterstattung liege die Zukunftschance der Zeitung. Auch wenn der Druck auf die Verlage durch das Internet zugenommen habe, wolle er der Zeitung keinesfalls das Sterbeglöcklein läuten.“ Eine negative Konsequenz aus der „Internet-Sozialisation“ sieht Rutz darin, das die Benutzer „stets wissen, wo“ sie etwas im Netz nachlesen können, aber „nichts mehr wissen“. Er beschloss seinen Vortrag mit dem leidenschaftlichen Appell: „Hören Sie nicht auf zu lesen und sorgen Sie dafür, dass ihre Kinder lesen.“

Auch wenn sie immer wieder über mangelnde Resonanz in den Medien klage, Grund dafür habe die Kirche nicht, meinte „Christ und Welt“-Redaktionsleiterin Dr. Christiane Florin in ihrem Vortrag zum Thema „Zieht sich der Meinungsträger Kirche hinter Kirchenmauern zurück?“ Mit nicht immer angenehmen Themen sei die Kirche längst fester Bestandteil der „Unterhaltungs- und Erregungsindustrie“. Glaubensfragen seien allerdings zu echten Insiderinformationen geworden. Die Kirche tue sich schwer mit der pluralistischen Gesellschaft, habe das aber gar nicht nötig. Kirchliche Publikationen dürften und sollten sich ganz eindeutig als PR-Instrumente bezeichnen. Es gebe nicht nur die voyeuristische Sehnsucht nach kirchlichen Skandalen, sondern auch nach Erbauung. Darauf reagierten die Kirchen jedoch nicht.

Prof. Dr. Albert Scharf

Es gab reichlich Gelegenheit für Äußerungen und Fragen aus dem Plenum

Dr. Norbert Matern, Birgit Wentzien, Wolfgang Braun

Prof. Dr. Michael Rutz

Dr. Norbert Matern, Dr. Christiane Florin, Wolfgang Braun

Dr. Christiane Florin, Wolfang Braun

Dr. Norbert Matern, Dr. Christiane Florin, Wolfgang Braun

Dr. Norbert Matern, Dr. Heiner Emrich, Roswitha Weiß, Christoph Dicke

Siegfried Schneider