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Referat IV/5 Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (JFS)/ Fachforen
Isabel Küfer
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Digitale Zukunft als Chance für junge Journalisten
Das Internet verändert die Medienlandschaft nachhaltig. Es setzt die klassischen Medien unter Druck, bietet aber auch neue Chancen im digitalen Bereich. Wie solche Chancen richtig zu nutzen sind, erfuhren Stipendiaten des Journalistischen Förderprogramms der Hanns-Seidel-Stiftung im Seminar „Online-Journalismus“ vom 21. bis 23. Januar 2011 in Wildbad Kreuth.
Es sollte eine klassische Vorstellungsrunde werden, doch bereits in den ersten Minuten des Seminars wird deutlich, wie umstritten die digitale Zukunft des Journalismus ist. Anstelle ihrer Studienfächer oder Praktikumsstationen nennen die jungen Teilnehmer ungefragt reihenweise Gründe, warum sie der grenzenlosen Web 2.0-Euphorie von Verlagen und Internetgiganten skeptisch gegenüberstehen und lieber große Reportagen oder ausführliche Hintergrundberichte schreiben wollen, als ein eigenes Blog zu pflegen oder ihre Fotos über das Internet zu verkaufen.
Eine Stipendiatin verweigert sich bis heute dem Hype der Sozialen Netzwerke, weil sie keinen Sinn in der immerwährenden und vermeintlich oberflächlichen Nabelschau im Netz sieht. Ein anderer Stipendiat hat sein Smartphone abgeschafft, um nicht ständig digital erreichbar zu sein. Homepage, Blog oder Twitter – die zukünftige Journalistengeneration lässt von diesen virtuellen Werkzeugen offenbar aus Überzeugung die Finger und träumt weiter davon, mit investigativer Recherche und großen Geschichten das Überleben des gedruckten Wortes zu sichern.
Doch von der anderen Seite des Seminarraums kommt Gegenwind – hier hat sich, ausgestattet mit MacBook und iPhone, ein digitaler Nomade aufgebaut, der ohne Rücksicht auf den journalistischen Ethos seiner Zuhörer viele unbequeme Wahrheiten verkündet: Wenn es nach Matthias J. Lange geht, geht der Einfluss der Verlage in der modernen Medienwelt zurück, während Einzelkämpfer im Netz mit guten Ideen ganz unkompliziert den Journalismus der Zukunft machen.
Der frühere Chefredakteur der Zeitschriften Creative Live und MACup ist gemeinsam mit seinem Co-Referenten Michael Krimmer im Bildungszentrum Wildbad Kreuth angetreten, um die twitter-kritische und facebook-verweigernde "Generation @" dazu zu bekehren, endlich ihr "eigenes Ding" im Internet zu machen.
Lange hat viele Beispiele mitgebracht, um die Stipendiaten zu ermuntern – es geht um den Studenten, der in Passau mit einem eigenen Fußballportal dem Heimatzeitungsverlag die Stirn bietet, und die Schülerin, die mit ihrem Modeblog ein regelmäßiges Taschengeld verdient. Das eigene Bilderalbum bei Fotolia, der selbstgemachte Veranstaltungskalender im Web, die Kurzgeschichtensammlung als eBook – wenn es nach Lange geht, liegt das Geld regelrecht auf der Straße, um von kreativen Köpfen aufgesammelt zu werden.
Weil der Weg zum Web-Millionär dann doch nicht so leicht ist, haben Matthias Lange und Michael Krimmer hilfreiche Werkzeuge mitgebracht, um ihre Zuhörer fit für die digitale Zukunft zu machen – sie zeigen, dass journalistische Schreibe im Internet für den Google-Suchalgorythmus nicht immer sinnvoll ist, und dass die virtuelle Zielgruppe meist die Inhalte konsumiert, die so gar nicht zu der lehrbuchkonformen Auffassung vom „guten alten Journalismus“ passt. Die Stipendiaten lernen, wie sie mit einer digitalen Pressemappe erfolgreich Werbung machen und ganz nebenbei Porto und Papier sparen.
Und sie sprechen auch über die Gefahren der virtuellen Wunderwelt, in der ein einziger Virus das ganze Fotoarchiv vernichten oder die Bachelorarbeit unbrauchbar machen kann. Abseits von starren Regeln und abstrakten Schreibübungen für einen suchmaschinenoptimierten Schreibstil oder eine sinnvolle Selbstpräsentation im Netz wollen Lange und Krimmer vor allem eins vermitteln: Dass die Erfindung des Internets den medialen Alltag so stark verändert hat wie einst der Buchdruck – und dass die jungen Journalisten dringend umdenken müssen, wenn sie beim rasanten Tempo der Entwicklung des „World Wide Web“ und seiner faszinierenden Möglichkeiten mithalten wollen.
Und die kritischen Worte der Web-Profis setzen sich in den Köpfen des skeptischen Nachwuchses fest. Sie staunen, als Matthias Lange ihnen zeigt, wie leicht die Archive der Bayerischen Staatsbibliothek per iPad abgerufen werden können. Die Stipendiaten sind auch fasziniert von den geradezu magischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Immer wieder wird die Tagesordnung des Seminars durch angeregte Diskussionen unterbrochen – und in den Kaffeepausen sowie nach Seminarschluss grübeln die Stipendiaten gemeinsam, wie ihre nächsten Schritte im „Web 2.0“ aussehen können.
Sie wollen nicht länger – so wie viele Zeitungsverlage – tatenlos zusehen, wie eine digitale Revolution die klassische Medienlandschaft nachhaltig umwälzt, sondern diese digitale Revolution mit kleinen Ideen und Experimenten nun endlich selbst mitgestalten.

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