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Referat IV/5 Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (JFS)/ Fachforen
Isabel Küfer
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Journalisten müssen kritisch sein - besonders zu sich selbst

- "Woher weiß ich, wie ich handeln soll?" stand als Kernfrage im Mittelpunkt der Diskussionen über ethische Grenzfragen.
Journalisten müssen – noch mehr als andere Berufsgruppen – ihr eigenes Handeln und dessen Wirkung immer wieder kritisch hinterfragen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigen zahlreiche negative Beispiele aus den Medien mit ethisch fragwürdiger Berichterstattung. Damit sie ein Gespür für das Handeln bei schwierigen Entscheidungen bekommen, konnten die Stipendiaten des Journalistischen Förderprogramms im Institut für Begabtenförderung beim Seminar „Ethische Grenzen des Journalismus“ vom 11. bis 13. November 2011 in Wildbad Kreuth von bekannten Wissenschafts- und Praxisvertretern lernen.
Prof. Dr. Michael Haller, emeritierter Professor für Allgemeine und Spezielle Journalistik an der Universität Leipzig und erfahrener Journalist bei Spiegel und der „Zeit“ sprach zur Berufsethik des Journalisten und über die Herausforderung, „immer Rücksicht nehmen zu müssen“. Ethik bezeichnete er als Diskussion der Geltungsgründe von Handlungsmaximen. Unverzichtbar sei eine fundierte Ausbildung von Journalisten. „Wenn Journalismus als Profession beherrscht wird, fallen viele ethische Probleme von vornherein weg“, sagte Haller und ermunterte die Stipendiaten, möglichst viel journalistische Erfahrung zu sammeln. So könnten immer neue ethische Grenzsituationen fundiert beurteilt werden. Dies wurde auch praktisch geübt, indem Haller die Stipendiaten Fälle, mit denen sich der Deutsche Presserat befasst hatte, diskutieren ließ und im Anschluss die Entscheidung des Rates darlegte.
Dr. Heinrich Wefing sprach zu den ethischen Herausforderungen, die Enthüllungsplattformen wie WikiLeaks, aufwerfen. Der stellvertretende Ressortleiter Politik der Wochenzeitung „Die Zeit“ betonte, dass das Konzept von WikiLeaks dank des Internets – trotz der derzeit nicht funktionierenden Plattform und der Person Julian Assange – in Zukunft immer wieder aktuell würde. Um ethisch kompetent zu handeln, appellierte er, die Veränderungen durch das Internet offensiv anzunehmen, indem die Internetkompetenz erhöht werde und indem sich auch Journalisten an Beobachtung und Kontrolle gewöhnten. Auch müsse sich jeder Journalist den eigenen Machtverlust durch das Internet ehrlich eingestehen. Dies biete aber auch Chancen als Wegweiser in einer unübersichtlichen Informationsflut: „In Zukunft werden wir nicht mehr Schleusenwärter, sondern Leuchtturmwärter sein.“
Sabine Heimbach, stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, sprach über die Medienlandschaft der Bundeshauptstadt und in dem Zusammenhang über ethische Herausforderungen der politischen Kommunikation. Ehrlichkeit sei dabei entscheidend, denn nur so bleibe Vertrauen zwischen politischen Kommunikatoren und Medienvertretern langfristig erhalten. Zudem sei fundiertes Themenwissen für ein Sprecheramt unerlässlich. Auch Sabine Heimbach gab den Stipendiaten den Rat, soviel Praxiserfahrung wie möglich zu sammeln, um ein Gespür für Entscheidungen in schwierigen Situationen zu bekommen.
Die bekannte Gerichtsreporterin des Spiegels, Gisela Friedrichsen, erläuterte den Stipendiaten die Schwierigkeiten von Prozessberichterstattern, da diese verschiedenen Interessen ausgesetzt sind. „Ein Gerichtsreporter gehört auf die Tribüne und nicht aufs Spielfeld“, war daher der Rat der Journalistin. Ein vertrauensvoller Kontakt mit den Verfahrensbeteiligten sei dabei wichtig. Als kritisch beurteilte sie die immer stärker aufkommende so genannte Litigation-PR, bei der Prozessbeteiligte versuchen, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. Hier dürfe sich der Journalist nicht vereinnahmen lassen.
Der letzte Teil des Seminars diente dazu, die ethischen Grenzfragen, die während der Veranstaltung aufgeworfen wurden, aus individueller Sicht zu beurteilen. Dabei halfen Christophe Rude und Diana Schick von der „Akademie Kinder philosophieren“ im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, durch konstruktive Gesprächsführung und in Workshops, die richtigen Fragen zu stellen. Dabei berichteten die Stipendiaten über ethische Grenzfälle, denen sie im Rahmen ihrer eigenen journalistischen Erfahrung begegnet waren.

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