Kontakt

Referat IV/6 Altstipendiaten
Prof. Hans-Peter Niedermeier
Tel.: 089 1258-400 | Fax: -403
E-Mail: SchreyerBrummer@hss.de

Publikationen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

Politik und Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen

Vor dem Palais Schaumburg

Auf Adenauers Spuren: Der Club der Altstipendiaten (CdAS) der Hanns-Seidel-Stiftung hatte sich Politik und Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen als Thema seiner jüngsten, gemeinsam mit dem Institut für Begabtenförderung organisierten Fachtagung ausgesucht. In Bonn, so wurde bei der viertägigen Reise vom 3. bis 6. Mai 2011 deutlich, liegt die Wiege der Bundesrepublik

Eine erste Anlaufstelle für die Gruppe war das ehemalige Wohnhaus des ersten Bundeskanzlers in Rhöndorf vor den Toren Bonns. Auf dem Gelände arbeitet die „Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus“ daran, das Erbe Adenauers zu verwalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine hier installierte Ausstellung richtet sich auf Adenauers gesamtes Leben, angefangen bei seiner Zeit als Beigeordneter und Oberbürgermeister in Köln über die Repressalien durch die Nationalsozialisten bis zum taktischen Geschick beim Aufbau der Bundesrepublik nach Kriegsende. Hauptstadtfrage, die personelle Besetzung der deutschen Regierung und die Versöhnung mit Frankreich: Adenauer hatte das Fundament für die nächsten 40 Jahre deutscher Politik gelegt – durch viel Überzeugungsarbeit, Durchsetzungsstärke und manchmal auch mit rheinländischer Raffinesse.

Seinen Regierungssitz hatte der erste Staatenlenker der Bundesrepublik im Palais Schaumburg. Die CdAS-Gruppe hatte die seltene Gelegenheit, das Haus – noch heute zweiter Amtssitz der Bundeskanzlerin – zu besichtigen. Bis 1976 regierten die Bundeskanzler von hier. In unmittelbarer Nachbarschaft ein weiterer Höhepunkt der Studienreise: Der Kanzlerbungalow. Erbaut von Sep Ruf, bietet er mit seinen reduzierten Formen und den großen Fensterfronten einen Kontrapunkt zum Palais Schaumburg. Auftraggeber Ludwig Erhard war stolz auf diese moderne, bescheidenere Art der Repräsentation auf 24 mal 24 Metern Grundriss. Seine Nachfolger haderten indes immer wieder mit den beengten Verhältnissen des Wohnraums.

Über Politik anno 2011 berichtete Eckhard Uhlenberg, der Präsident des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Er empfing die Altstipendiaten in seinem Büro in Düsseldorf. Als Abgeordneter macht sich Uhlenberg Gedanken darüber, wie die Politik wieder stärkeres Vertrauen und damit auch mehr politisches Engagement der Bevölkerung schaffen kann. Als Landtagspräsident arbeitet der ehemalige Umweltminister daran, die Herausforderungen der Zukunft NRWs mitzugestalten, was nicht einfach ist: „Wir haben keine Politik der Einladung“, zog Uhlenberg ernüchternd Bilanz des ersten Jahres in der Opposition.

Vor der Villa Hügel

Um Kirchenpolitik heute wie zu Zeiten Adenauers ging es bei einem Gespräch mit Prof. Dr. Norbert Trippen. Der Kölner Domkapitular und Kirchenhistoriker warf einen Blick zurück bis zu Josef Kardinal Frings, der 1942 Kölner Erzbischof geworden war und maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hatte. Das Zweite Vatikanische Konzil und der dortige Kampf um die Ausrichtung der katholischen Kirche, der Aufbau der Hilfsorganisationen Misereor und Adveniat: Viele weitreichende Entscheidungen wurden in Köln vorbereitet.

In Essen wanderten die Altstipendiaten, die aus ganz Deutschland angereist waren, auf den Spuren der Industrialisierung: Die Zeche Zollverein war Ziel der Exkursion. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Stilllegung 1986 wurde hier Steinkohle abgebaut, heute steht das Gelände unter Denkmalschutz, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist Zeugnis des Aufstiegs Deutschlands zur Industrienation. Einst eine der modernsten Förderanlagen weltweit, zeigte der Rundgang durch die Anlage die Knochenarbeit „unter“ wie „über Tage“ – zweifellos eines der imposantesten Industriedenkmäler Deutschlands.

Der Besuch des einzigartigen Schlosses Drachenburg, eine Visite auf dem Stammsitz der Krupp-Dynastie in der Villa Hügel, Einblicke in die Städte Köln, Bonn und Düsseldorf: Vier intensive Tage Nordrhein-Westfalen zeigten das bevölkerungsreichste Bundesland in unterschiedlichsten Facetten. Wer Politik heute verstehen will, das wurde wieder einmal deutlich, muss in die Geschichte blicken und Zeitgeschichte erleben.