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Referat IV/5 Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (JFS)/ Fachforen
Isabel Küfer
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Stipendiaten trainieren TV-Schaltgespräche wie die Profis
In einem Schaltgespräch live über das Geschehen vor Ort zu berichten, gehört zu den herausforderndsten Aufgaben eines Journalisten. Auch noch so gestandenen Profis unterlaufen dabei kleinere und größere Pannen, die es souverän zu meistern gilt. Hier helfen Übung, kleine Tricks und Lernen aus der Erfahrung anderer weiter. Stipendiaten im Journalistischen Förderprogramm der Hanns-Seidel-Stiftung hatten bei einem Seminar vom 7. bis 9. Januar 2011 in Kloster Banz die Gelegenheit, solche Schaltgespräche unter Anleitung erfahrener Journalisten zu simulieren.
Die Stipendiaten durften von echten Profis lernen: Andreas Bachmann, Redaktionsleiter von „Kontrovers - Das Politikmagazin" und langjähriger Landtagskorrespondent des Bayerischen Fernsehens, ARD-Reporter Eckhart Querner und Technik-Fachmann Sebastian Körner von der Firma Telemobil vermittelten am Freitagabend zunächst die inhaltlichen Grundlagen, bevor es den ganzen Samstag über galt, das Erlernte praktisch umzusetzen.
Gemeinsam mit den Stipendiaten wurden Anlässe für ein Schaltgespräch erarbeitet: Ereignisse von hoher aktueller Relevanz erfordern die Live-Präsenz von Journalisten am Ort des Geschehens, so dass die Fernsehzuschauer einen möglichst realitätsnahen Eindruck bekommen. Häufig sind die Ereignisse vor Ort so aktuell, dass nicht mehr rechtzeitig ein Fernsehbeitrag erstellt werden kann. Auch hier kann eine Live-Schaltung sinnvoll sein. Wie wichtig die richtige Vorbereitung auf diese wenigen Live-Minuten ist, zeigte Andreas Bachmann in seinen Tipps zur richtigen Vorbereitung des Stichwortzettels. Verben und Konjunktionen helfen, Struktur in das Konzept zu bringen. Zitate, die wortwörtlich wiedergegeben werden oder auch konkrete Zahlen sollten immer gänzlich ausgeschrieben auf dem Zettel auftauchen. „Aber ihr müsst auch hier euren eigenen Stil finden", so Andreas Bachmann abschließend.
Zahlreiche aufgezeichnete Beispiele zeigten den Stipendiaten zudem gut gemachte Schaltgespräche, aber auch, wie die Profis Pannen souverän bewältigen. Dabei gibt es fast nichts, was es nicht gibt: Licht- oder Tonprobleme, falsche Namen, unabgestimmte Fragen oder Passanten, die plötzlich ins Bild laufen. „Bindet die Panne aktiv ein, wenn sie der Zuschauer bemerkt", so der Tipp von Eckhart Querner. Ansonsten gelte natürlich: „Augen zu und durch."
Am Samstag wurde das Gelernte in die Praxis umgesetzt. Dazu war eigens eine SNG vor Ort, die von der Firma Telemobil kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Diese Abkürzung steht für Satellite News Gathering und bezeichnet meist einen Kleinbus, der mit umfangreicher Produktions- und Sendetechnik ausgestattet ist und via Satellitenübertragung die Live-Berichte direkt ans Funkhaus übermitteln kann. Sebastian Körner gab den Stipendiaten dabei eine kurze Einführung in die durchaus umfangreiche Technik, angefangen von der Erstellung der Satellitenverbindung über die Tontechnik bis hin zum Nebeneinander konkurrierender Videoformate - häufig eine zusätzliche Hürde für einen reibungslosen Ablauf von Schaltgesprächen. Danach erarbeiteten die Stipendiaten an Hand von Agenturmeldungen zu aktuellen Themen Fragen für ein Schaltgespräch und skizzierten Antworten dazu. Die Fragen wurden mit Andreas Bachmann abgesprochen, der von der SNG-Einheit aus die Rolle des Fernsehmoderators übernahm, während Eckhart Querner die Kamera für den „Live-Reporter" bediente. „Nutzt die Zeit im Vorfeld und sprecht mit dem Moderator", war einer der Tipps von Andreas Bachmann. Während des Schaltgesprächs sollte bewusst nicht alles reibungslos ablaufen, weshalb verschiedene Pannen eingebaut wurden: Einmal wurden nicht abgesprochene Fragen gestellt, ein andermal musste der Reporter früher beginnen oder war länger auf Sendung als geplant.
Als weitere Übung wurde den Stipendiaten die Aufgabe gestellt, im Rahmen einer Live-Schaltung Kurzinterviews zu führen, die natürlich auch nicht ohne die eine oder andere eingestreute Panne auskommen konnten. „Das sind alles Pannen, die irgendwann schon mal passiert sind", sagte Sebastian Körner bei der gemeinsamen Besprechungsrunde, in der die einzelnen Aufnahmen in der Gruppe konstruktiv diskutiert wurden. Dies alles sorgte dafür, dass die JFS-Stipendiaten unter durchaus realistischen Bedingungen üben konnten. Entsprechend positiv fiel die Abschlussrunde aus. Das praxisnahe Konzept der Referenten wurde sehr gelobt, ebenso war der schnell sichtbare Lernerfolg der Stipendiaten besonders auffällig. „Es hilft sehr, wenn man die gelernten Inhalte gleich in die Tat umsetzen und das Feedback aus einer Videoaufzeichnung gleich für die nächste nutzen kann", so das abschließende Fazit eines Stipendiaten.

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