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Tu Felix Austria?

CdAS-Herbstakademie 2011

Werner Fasslabend, Christof Botzenhart, Gabriele Schreyer-Brummer, Franz Niedermaier, Charles E. Ritterband, Erhard Busek

„Tu felix Austria?“ fragten das Altstipendiatenreferat im Institut für Begabtenförderung und der Club der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung (CdAS). Antworten gab es vom 7. bis 9. Oktober 2011 bei einer Fachtagung im Bildungszentrum Wildbad Kreuth von Vertretern des Nachbarlandes.

Dr. Werner Fasslabend, Bundesminister für Landesverteidigung a. D. und Präsident der Politischen Akademie der ÖVP, blickte auf die vergangenen Jahrzehnte österreichischer Politik, die geprägt waren von einem historisch bedingten Zwei-Parteien- und Proporz-System. Ab 1990 habe in der Alpenrepublik ein massiver Vertrauensverlust bei den Bürgern begonnen, der – wie in ganz Europa – Kennziffer für eine Individualisierung der Parteienlandschaft sei. Fasslabend: „Das Protestpotenzial wird größer. Die Bürger wollen mehr als nur alle paar Jahre wählen.“ Er sah hierin aber auch Chancen gerade für eine bürgerliche Partei, sich zu erneuern, indem sie die Ängste der Bürger ernst nehme: „Parteien müssen ein viel klareres Profil ausarbeiten“.

Österreichs ehemaliger Vizekanzler Dr. Erhard Busek beschrieb die Rolle Österreichs in Mittel- und Osteuropa. Der überzeugte Europäer zeigte in einem geschichtlichen Exkurs, dass Österreich schon immer mitten in Europa verortet war und die politischen Geschicke des Kontinents mitbestimmte, allen voran natürlich in der Habsburger-Monarchie – obwohl das Bewusstsein zur Monarchie bei der Bevölkerung heute eher gering sei. „Neutral war Österreich nie“, so Busek, vielmehr sei diese Einstellung von den Regierenden nach dem Krieg internalisiert worden. Die Beziehungen zu den östlichen Nachbarn seien auch in Zeiten des Kalten Krieges gepflegt worden, doch als der Ostblock zerfiel, habe in Wien niemand ein politisches Konzept gehabt. Heute sähen viele Kritiker nicht die Dimensionen eines vereinten Europas: Viele österreichische Firmen sind zum „Regional Player“ aufgestiegen und profitierten stark von den wachsenden Märkten in Zentral- und Osteuropa. Die Infrastruktur hinke der Wirtschaft allerdings hinterher: Über die Wassergrenze zwischen Österreich und der Slowakei führe genau eine Brücke, so Busek: „Wir leben zu sehr Rücken an Rücken mit unseren östlichen Nachbarn.“ Dabei sei es wichtig, den Dialog zu suchen, nicht zuletzt, um die noch jungen Demokratien beispielsweise in Ungarn weiter zu festigen.

Den Wirtschaftsstandort Österreich hatte Dr. Claus J. Raidl zum Thema, Präsident der Österreichischen Nationalbank und langjähriger Unternehmer. Anhand internationaler Wirtschaftsvergleiche zeigte er auf, dass es zwischen Vorarlberg und dem Burgenland nicht zum Schlechten steht. Österreich könne mit sehr guten Lebensbedingungen aufwarten, die Leistung der Regierung sei in der jüngsten Zeit dagegen stark abgefallen. Die Wirtschaft habe mit den Folgen von Föderalismus, regulierten Märkten und verkrusteten Verwaltungsstrukturen zu kämpfen – zum Teil alte Nachwehen des österreichischen Ständestaates 1934 bis 1938. Dennoch könne man heute mit einer sehr leistungsfähigen Industrie und hervorragend ausgebildeten Menschen punkten.

Einen wissenschaftlichen Blick auf das Nachbarland warf Prof. Dr. Ernst Bruckmüller, Vorsitzender des Instituts für Österreichkunde. Anhand der Bundeshymne „Land der Berge, Land am Strome“ machte er einen Streifzug durch die Alpenrepublik, der zugleich auch ein Streifzug durch die Landesgeschichte war. Bruckmüller zeichnete das Bild einer ländlich geprägten Region mit einem Sinn für Kultur und Tradition, aber auch einem Mangel an Zukunftshoffnung – zu Unrecht, wie der Historiker verdeutlichte.

Dr. Charles E. Ritterband, Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung in Wien, blieb in seinen Ausführungen kritischer: Er skizzierte eine Republik, die aktuell von diversen Korruptionsskandalen geschüttelt wird und einer „Realsatire“ gleicht. Noch immer habe Wien seine dunkle Geschichte innerhalb des Nationalsozialismus nicht verarbeitet; die österreichische Mentalität sei vom eigenen Verzeihen und eher von Stoßseufzern statt von Protest geprägt.

So bekamen die Teilnehmer der von Dr. Christof Botzenhart und Franz Niedermaier vom Club der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung konzipierten Tagung ein differenziertes Bild über einen Nachbarn, der hierzulande meist nur wenig Beachtung in den Nachrichten findet. Fazit: Österreich ist mehr als Wiener Hofburg und Mozart – ein historisch wie gesellschaftlich-politisch hochinteressanter Nachbar.