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"Geld regiert die Welt"

„Geld regiert die Welt – Nutzen und Risiken von Geld für Realwirtschaft und Gesellschaft“ war das Thema des Fachforums Wirtschaftswissenschaften vom 08. bis 10. Juni 2012 in Kloster Banz. Im Mittelpunkt standen grundsätzliche Überlegungen zu den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen von Geld.

Mit PD Dr. Dirk Solte diskutierten die Stipendiaten Schuldenpolitik und Kreditwesen, Wertschöpfung und Wachstum. Er führte in Historie und Funktionsweise des Weltfinanzsystems ein und spannte dabei den Bogen von den Phöniziern bis heute. Durch das rasante Ansteigen der Weltbevölkerung auf etwa 9 Milliarden Menschen im Jahr 2025 wachse stetig der Bedarf nach Nahrungsmitteln, Gütern und Dienstleistungen. Die Menschheit lebe deutlich über ihre Verhältnisse, sie verbrauche innerhalb eines Jahres die Ressourcen, für deren Bereitstellung die Erde eineinhalb Jahre benötigt. 20 Prozent der Weltbevölkerung verfügten über 80 Prozent der Ressourcen.

Am Beispiel des „Chiemgauers“ stellte Christian Gelleri das Konzept von Regionalwährungen als komplementäre Zahlungsmittel vor. Dieses Gutscheinsystem, das im Wechselkurs eins zu eins gegen Euro ausgegeben wird, diene unmittelbar der Realwirtschaft und fördere unmittelbar regionale Wirtschaftskreisläufe. Lokale Produzenten, Unternehmer, Dienstleister und Konsumenten würden über den regionalen Geldkreislauf stärker miteinander vernetzt und mehr Kaufkraft in der Region gehalten werden. Dem System gehören mittlerweile lokale Sparkassen und Banken an, die „Chiemgauer“-geführte Konten und elektronisches Bezahlen mit Karte anbieten. Nun versuche man, die örtlichen Kommunen in das System mit einzubeziehen. Derzeit seien „Chiemgauer“ im Wert von ca. sechs Millionen Euro im Umlauf, was ihn zur erfolgreichsten Regionalwährung in Europa mache.

Ingmar Niemann referierte zum Thema „Weltwährungskrieg – der Euro zwischen US-Dollar und Yuan“. Der Währungskrieg sei zu einer modernen Waffe geworden. Der amerikanische Präsident Eisenhower setzte während der Suez-Krise im Jahr 1956 die Briten mit der Drohung unter Druck, deren Staatsanleihen abzustoßen – was zum Zusammenbruch der britischen Währung geführt hätte. Durch die Manipulation des Yuan-Kurses habe die Volksrepublik China den Keim für die aktuellen Devisenkriege gelegt. In Europa stelle sich die grundsätzliche Frage nach der finanzpolitischen Strategie. Sollte der Euro scheitern, wäre Deutschland besonders stark betroffen. Niemann betonte, dass Bildung die Zukunft sei: „Solange wir Deutschen die Nase vorne haben, ist dies für China ein Anreiz, mit uns Handel zu treiben."